Gastrezension: Totenlied von Tess Gerritsen

pr-buchtipp

Diese Gastrezension kommt von Blogger Solera. Wir freuen uns, dass Solera sich bei uns mit einem Gastartikel einbringt und wünschen Euch viel Spass bei der Lektüre.

Auf eine Empfehlung von Virginia vom Private Readers Book Club habe ich mir vor ein paar Monaten das Hörbuch „Totenlied“ von Tess Gerritsen besorgt und während meiner Gartengestaltungsaktion im August durchgehört. Seit damals habe ich immer wieder an dieser Rezension gesessen, doch zufrieden war ich nie.

Insgesamt hat das Hörbuch einen zwiespältigen Eindruck bei mir hinterlassen: Einerseits war ich als Musiker fasziniert von den Schilderungen, die durchaus gelungen waren (es gibt Autoren, denen man es leider nur allzu deutlich anmerkt, dass sie keine Musiker sind, was bei Tess Gerritsen glücklicherweise nicht der Fall ist), andererseits ist die Protagonistin ein derart getriebener und unlogisch handelnder Charakter (auch wenn die Geschichte am Ende gerade noch „die Kurve kriegt“), dass sich an einigen Stellen alles in mir dagegen sträubte.

Eigentlich ist letzteres ein Beleg für die ausgereifte schriftstellerische Fertigkeit der Autorin, das musste ich nach einigen Tagen, die ich diese Rezension habe ruhen lassen, einsehen. Denn wie ich auch bei einem Film nur bei einer wirklich gelungenen Darstellung eine echte Antipathie gegen den Bösewicht entwickle, so entstand dieses Gefühl vor allem, weil die Schilderungen im (Hör-)Buch mich anscheinend sehr direkt ansprachen.

img_3636hier geht’s zur Hör- und Leseprobe zu Totenlied

Zum Inhalt

Die Handlung von „Totenlied“ weist zwei Erzählstränge auf, die sich immer wieder abwechseln und am Ende vereinen:

  1. Julia, die zweite Violinistin eines Streichquartetts, kauft bei einem Antiquitätenhändler in Italien ein altes Notenbuch voller Zigeuner-Melodien. Im Buch liegt auch noch ein weiteres loses Notenblatt, auf dem der Walzer „Incendio“ eines italienischen Komponisten namens Todesco notiert ist. Wieder daheim in den USA beginnt sie mit dem Üben des Walzers, doch jedes Mal, wenn sie den Walzer spielt, geschehen seltsame Dinge: Beim ersten Mal wird ihre Katze getötet, beim zweiten Mal wird ihr von ihrer eigenen kleinen Tochter eine Glasscherbe ins Bein gerammt… Ihr psychologischer Zustand verschlechtert sich, sie fühlt sich verfolgt und bedroht. Gleichzeitig entfremdet sie sich allen Menschen in ihrer Umgebung. In ihrer zunehmenden Verzweiflung reist sie nach Venedig, um die Ursprünge des Walzers genauer zu erkunden und so möglicherweise das Rätsel um ihre eigene Verfassung zu lösen…
  2. Italien, Mitte/Ende der 1930er bis Mitte der 1940er Jahre: Lorenzo, ein jüdischer Geiger, arbeitet mit der Cellistin Laura auf die Teilnahme an einem Musikwettbewerb hin. Während der wöchentlichen Proben entwickeln die beiden tiefe Gefühle füreinander. Im Vorfeld des Wettbewerbs kommen immer wieder die für Juden veränderten Gesetze und Umstände zur Sprache, doch keiner der beiden fühlt sich davon eingeschränkt oder bedroht. Am Tag des Wettbewerbs werden die beiden jedoch kurz vor der Teilnahme aufgrund Lorenzos jüdischer Abstammung disqualifiziert. Sie spielen dennoch, müssen danach aber erwartungsgemäß ohne Preis das Feld räumen, denn die für den Wettbewerb Verantwortlichen wollen ihr eigenes Leben nicht durch die Verleihung eines Preises an einen jüdischen Musiker gefährden. Frustriert zieht Lorenzo sich in seine eigene Welt zurück. Ein paar Jahre später wird das gesamte jüdische Viertel in ein Arbeits- bzw. Konzentrationslager umgesiedelt. An einer Zwischenstation wird Lorenzo als fähiger Musiker erkannt und vom Rest der Gruppe getrennt. Er wird einem kleinen Orchester vorangestellt, um Musik für alle möglichen Anlässe, vor allem aber zur Tarnung der Ermordung jüdischer Gefangener zu spielen. Alle übrigen – auch Lorenzos gesamte Familie – landen ohne Umwege in einem polnischen Vernichtungslager.

Mehr darf ich nicht verraten, um für möglicherweise interessierte zukünftige Hörer/Leser noch ein wenig Spannung im Spiel zu halten. Das Ende ist eine gelungene Auflösung der ineinander verwobenen Handlungsstränge, mehr dazu im Fazit.

Zum Hörbuch

Die Hörbuch-Fassung ist insgesamt gelungen, technisch auf jeden Fall einwandfrei, jedes Wort ist glasklar verständlich, jede Gefühlsregung wird deutlich transportiert. Die Charaktere werden sehr plastisch durch unterschiedliche Modulationen voneinander abgesetzt und bleiben auch in längeren Dialog-Strecken gut zu unterscheiden. Das ist wirklich toll.

Einen Kritikpunkt habe ich jedoch, denn meiner Meinung nach schießt die Vorleserin, Mechthild Großmann, an der einen oder anderen Stelle ein wenig über ihr Ziel hinaus. An Stellen großer emotionaler Erregung finde ich ihre Art des Vorlesens schlicht und einfach etwas übertrieben – andererseits liegt das vielleicht auch nur daran, dass dies eben nicht meine Art wäre, mich zu verhalten bzw. auszudrücken. Dieser Makel ist aber in der Summe zum Glück eher gering.

Die Hörbuchfassung enthält noch einen kleinen Bonus, der dem gedruckten Roman sicherlich fehlen wird: Eine Aufnahme des von der Autorin selbst komponierten Walzers. Nun könnte man als Musiker leicht die Nase rümpfen und das Haar in der Suppe suchen, schließlich „wildert“ die Autorin in einem fremden Metier, doch nach dem Ende dieses emotional durchaus aufgeladenen Hörbuchs diesen Walzer präsentiert zu bekommen (noch dazu in wirklich guter Audio-Qualität), ist sicher nicht nur für mich ein sehr schöner Moment. Ich habe ihn angehört und dabei die Abrundung des gesamten Hörbuch-Erlebnisses genossen.

Fazit

Alles in allem ist das Hörbuch also sicher eine gute Wahl. Wenn noch ein wenig Zeit vergangen ist, vielleicht ein halbes Jahr oder etwas mehr, höre ich es mir in aller Ruhe noch einmal an. Mal sehen, ob sich der Genuss vergrößert, wenn ich nicht mehr auf jedes kleine Detail achten muss, weil mir der Ausgang der Geschichte schon bekannt ist. Oft kommen dann andere, auf den ersten Blick eher nebensächliche, für die Gesamtstimmung und das innere Bild der Geschichte aber so wichtige Details stärker zur Geltung, wodurch die Wirkung intensiviert werden kann. Und dann werde ich herausfinden, ob sich meine Abneigung gegen die Protagonistin irgendwie verändert hat.

Der Seidenspinner von Robert Galbraith

Eine Rezension von Private Reader Virginia


5von5

 



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Kaum ist der erste Band der neuen Krimireihe rund um Privatermittler Cormoran Strike, ausgelesen, liefert uns Robert Galbraith (Pseudonym von J.K. Rowling) bereits den Nachfolger mit dem Titel „Der Seidenspinner“. Rowling hatte sich kurz vor der Veröffentlichung des ersten Bandes erst auf Nachfrage der Sunday Times zu dem Pseudonym bekannt. Es sei eine befreiende Erfahrung für sie gewesen, als Robert Galbraith zu schreiben. Sie wollte damit einem zuvorkommenden Hype und dem Druck der Erwartung entkommen, um in Ruhe schreiben zu können, rechtfertigte sich die Mutter von drei Kindern.

Der Roman wurde erst nur mässig abgesetzt. Doch als bekannt wurde, dass sich hinter Robert Galbraith die Schöpferin von Harry Potter verbirgt, schossen die Verkaufszahlen umgehend in die Höhe und der Roman erklomm in nur einem Tag tatsächlich Platz 1 der Verkaufscharts auf amazon.

Die Annahme, dass der Seidenspinner ohne Demaskierung von Robert Galbraith ähnliche Erfolge wohl kaum zu erzielen vermocht hätte, kann man getrost verwerfen. Denn ob Rowling oder Galbraith, die Autorin weiss auch erwachsene Leser mit Krimivorliebe bestens zu unterhalten.

Im zweiten Band der Cormoran Strike Reihe ermittelt der ehemalige Soldat als Privatdetektiv im Falle des Autoren Owen Quine. Dessen Ehefrau bittet Strike, ihren Mann ausfindig zu machen. Es ist zwar nicht das erste Mal, dass Quine untertaucht für einige Tage, aber da der Inhalt des soeben vollendeten Manuskripts jegliche lebenden Personen aus dem Umfeld Quines durch den Kakao zieht, schwant dem erfahrenen Ermittler Übles.
Als der Autor ermordet in einem ihm zur Hälfte vermachten, leerstehenden Haus, aufgefunden wird, gerät Quines Ehefrau in das Fadenkreuz der Polizei. Strike ist sich sicher, dass Quines Ehefrau unschuldig ist. Vielmehr ist er der Überzeugung, dass „Bombyx Mori“ (Latein für Seidenspinner), Quines explosives Manuskript, den Schlüssel zur Auflösung des Mordfalles enthält.

Das zweite Werk der neuen Krimireihe steht seinem Erstling in nichts nach. Ganz im Gegenteil. Der Seidenspinner überzeugt mit einer detailverliebten, gut konstruierten Geschichte, voll von Irrungen und Wendungen, die unterhaltsam präsentiert und sogar mit einer sich anbahnenden Liebesgeschichte garniert, aufwartet. Strike und seine Assistentin Robin Ellacott werden lebendig und man ertappt sich dabei, dass man sich nichts sehnlicher wünscht, als dass aus den beiden ein Liebespaar wird. Nebenbei fiebert man dem Ende und somit der Auflösung des Mordfalles entgegen und möchte gleichzeitig, dass dieses Lesevergnügen nie endet.

Kriminalistisch bietet „Der Seidenspinner“ hochstehend britischen Crime Thrill, offeriert viele Fährten und noch mehr Sackgassen. Besonders in der Hörbuchvariante kommt man als Hörer nicht umhin, sich manchmal zu wünschen, man hätte doch besser das Buch gelesen. Die zahlreichen Charaktere, von Dietmar Wunder auch hier wieder prägnant vorgelesen, verwirren zeitweise den Hörer. Man kann es sich nicht erlauben, unaufmerksam zu werden und so findet man sich des öfteren wieder beim Zurückspulen des bereits Gehörten, um den zwischenzeitlich verlorenen Faden wieder aufzunehmen zu können.

Die Aussicht auf den dritten Band lässt freudige Erwartung aufkommen und den einen oder anderen Hörbuchliebhaber mit dem Gedanken spielen, sich vielleicht für den nächsten Band doch besser die Buchvariante zu besorgen.

 

Der Seidenspinner von Robert Galbraith, Blanvalet (672 Seiten) oder Random House (16 Stunden 36 Minuten)

Hörbuch-Rezension: Der Ruf des Kuckucks von Robert Galbraith

Eine Rezension von Private Reader Virginia

5von5

Von Robert Galbraith! Auch als J.K. Rowling besser bekannt. Ich frage mich, warum das Verlagwesen Autoren neue Namen verpasst? Ich meine…schlussendlich war schon bekannt, dass das Buch von Rowling ist, bevor es veröffentlicht worden ist. Verstehe ich nicht. Auch wenn es etwas eigenartig ist und es mir irgendwie ein bisschen sehr widerstrebt, werde ich nachfolgend über den angeblichen „Robert Galbraith“ schreiben.

Der Autor
J.K. Rowling schreibt unter dem Pseudonym Robert Galbraith und gibt uns mit „Der Ruf des Kuckucks“ ihren ersten Krimi zum besten. Harry Potter ist Geschichte, es lebe Privatdetektiv Cormoran Strike!

Die Geschichte
Als das berühmte Model Lula Landry von ihrem schneebedeckten Balkon im Londoner Stadtteil Mayfair in den Tod stürzt, steht für die ermittelnden Beamten schnell fest, dass es Selbstmord war. Der Fall scheint abgeschlossen. Doch Lulas Bruder hat Zweifel – ein Privatdetektiv soll für ihn die Wahrheit ans Licht bringen.
Cormoran Strike hat in Afghanistan körperliche und seelische Wunden davongetragen, mangels Aufträgen ist er ausserdem finanziell am Ende. Der spektakuläre neue Fall ist seine Rettung, doch Strike ahnt nicht, was die Ermittlungen ihm abverlangen werden. Während er immer weiter eindringt in die Welt der Reichen und Schönen, fördert Strike Erschreckendes zutage und gerät selbst in grosse Gefahr. (via amazon.de)

Meine Meinung
Ich war etwas skeptisch, das gebe ich zu. Rowling schreibt einen Krimi…? Geht das? Trotz allen Vorbehalten, das Cover hatte mich schon in den Bann geschlagen, ich schlug alle Zweifel in den Wind und lud mir das Hörbuch auf mein iPhone runter und hörte das Hörbuch von Anfang bis Ende an. Es hat mich keine Woche gekostet und das Hörbuch war durch.

Ich hätte es echt nicht für möglich gehalten, vorausgesetzt, Rowling hat das Buch wirklich selbst geschrieben und die Handlung selbst gezimmert. Ich war erstaunt ob der kriminalistischen Faktendichte, Indizien und Wirrungen in diesem Roman. Ich hatte nur einen Harry Potter gelesen und fand den dann aber auch ziemlich „einfach“ geschrieben, ohne grossen Tiefgang (weshalb ich persönlich nicht dem Harry Potter Bann unterlegen bin). Deshalb konnte ich mir fast nicht vorstellen, dass Rowling das auch besser hinkriegen könnte. Hat sie aber!

Ich bin zu keinem Moment von selbst dahinter gekommen, wer der Mörder sein könnte. Zu verworren und umfangreich waren die Ermittlungen von Cormoran Strike und seiner Assistentin Robin. Ganz im Stil grosser englischer Krimis verwöhnt Rowling den Leser mit Rätselstoff der ersten Klasse. Ich bin beeindruckt. Auch macht dieser erste Cormoran Strike Krimi bereits Lust darauf, sich auch „Der Seidenspinner“ einzuverleiben, den bereits im Handel erhältlichen zweiten Band aus der Serie des Privatdetektiv Strike aus Rowlings Feder.

Fazit
Beeindruckend wie Rowling aka Galbraith uns grosses englisches Krimi-Buffet kredenzt. Ganz im Stil von Agatha Christie, Sherlock Holmes und Miss Marple tauchen wir in einen differenziert konstruierten Krimi ein, der uns bis zum Schluss an der Nase herumzuführen weiss. Ein hervorragendes Hörbuch für Liebhaber des klassisch britischen Krimi-Genres.

Der Ruf des Kuckucks von Robert Galbraith, 16 Stunden 2 Minuten Hördauer, Hörprobe!

Hörspiel-Rezension: Jonah – Die Lehrjahre (Der König der purpurnen Stadt 1)

Eine Rezension von Private Reader Virginia

5von5


Es ist sehr sehr lange her, dass ich ein Hörbuch bzw. ein Hörspiel gehört habe. Da ich zur Zeit sehr viel Zeit habe, in der ich tun und lassen kann (mehr oder weniger), was ich will, habe ich mich wieder ein bisschen den Hörbüchern gewidmet. Als ich bei Audible über Rebecca Gablés „Jonah – Die Lehrjahre“ gestolpert bin, hatte ich kurz vorher ein historisches Buch gelesen, von dem ich ziemlich angetan war. Die Hebamme von Venedig:

Die Autorin
Rebecca Gablé, Jahrgang 1964, studierte Anglistik und Germanistik mit Schwerpunkt mittelalterliche Literatur in Düsseldorf, wo sie anschliessend ein Jahr als Dozentin für altenglische Literatur tätig war. Heute arbeitet sie als freie Autorin. Ihr erster Roman „Jagdfieber“ wurde 1996 für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. 1997 gelang mit ihrem ersten historischen Roman „Das Lächeln der Fortuna“ der Durchbruch. Seither folgten 8 weitere historische Romane und ein Sachbuch, die alle SPIEGEL-Bestseller wurden. Für ihren Roman „Die Hüter der Rose“ erhielt sie 2006 den Sir-Walter-Scott-Preis. Rebecca Gablé lebt mit ihrem Mann am Niederrhein und auf Mallorca (via amazon.de).

Die Geschichte
London, um 1330. Der Tuchhändlerlehrling Jonah Durham wächst bei seinem tyrannischen Vetter Rupert auf, der ihm das Leben zur Hölle macht. Einzig seine Großmutter erkennt sein Talent und seine Intelligenz. Sie vermacht ihm ein stattliches Vermögen, das es ihm ermöglicht, nicht nur das Haus seines Vetters zu verlassen, sondern auch als jüngstes Mitglied der Geschichte in die Gilde der Tuchhändler aufgenommen zu werden. Dadurch zieht er die Missgunst seines Vetters auf sich, der ihm immer wieder Steine in den Weg legt. Doch eine schicksalhafte Begegnung mit dem jungen König Edward III. soll sein Leben grundlegend verändern (Beschreibung via audible.de).

Meine Meinung
Da dieses Hörbuch durchgehend 5 Sterne bei durchschnittlich 20 Rezensionen erhalten hatte, war meine Neugier geweckt. „Soviele Leute können ja nicht falsch liegen“, dachte ich. „Ausser, sie wurden dafür bezahlt.“ Mein Motivationsfunke erlosch kurz, ob dieser nachgeworfenen internen Zweifel. Zum Glück habe ich mich nicht von mir selbst beeindrucken lassen und das Hörbuch trotzdem gekauft. Ich habe es ABSOLUT NICHT BEREUT! Was für eine grandiose Hörbuch/Hörspiel Produktion von Audible.

Audible hat in wiederholter Zusammenarbeit mit Oliver Rohrbecks Lauscherlounge dieses Mal Rebecca Gablés Bestsellers „Der König der purpurnen Stadt“ vertont. Das Tuchhändler-Epos ist als ungekürzte Fassung in 3 Teilen produziert worden. „Jonah – Die Lehrjahre“ bildet den Auftakt einer Hörspiel-Trilogie, die es wirklich in sich hat. Insgesamt haben über 70 Sprecher ihren Beitrag dazu geleistet. Und das kann sich wirklich hören lassen.

Das Hörspiel ist eine ausgewogene Mischung zwischen Dialog und Vorgelesenem. Detlef Bierstedt, der bereits das Hörbuch zu „Der König der purpurnen Stadt“ gelesen hat, ist auch dieses Mal wieder mit dabei nebst Oliver Siebeck, Uve Teschner, Elena Wilms, Reinhard Kuhnert, Greta Galisch, Erich Räuker, Robert Frank, Gabriele Blum, Britta Steffenhagen und vielen anderen Sprechern.

Die Story ist sehr unterhaltsam, flüssig und spannend. Die Zeit vergeht im Fluge und kaum ist das Hörspiel ausgehört, wollte ich auch gleich den zweiten Teil anhören. Der ist aber leider noch nicht erschienen. Wann er veröffentlicht wird, weiss ich leider auch noch nicht. Hat ein bisschen was von Folter, muss ich zugeben, denn dieses Hörspiel ist ein richtiger Ohrwurm, von dem man nicht genug bekommen kann.

Fazit
Der Auftakt der Hörspiel-Trilogie mit „Jonah – die Lehrjahre“ ist ein echtes Hörspieljuwel. Die ausgewogene Mischung aus Vorgelesenem und Dialoggesprochenem verwöhnt die Ohren so, dass man schwer die Pausetaste drücken kann. Wer historische Romane mag oder (wie ich) sich mal dran versuchen möchte, ist bei diesem Hörspiel richtig. Man kann nichts falsch machen! UNBEDINGT HÖREN!

Jonah – Die Lehrjahre (Der König der purpurnen Stadt 1) von Rebecca Gablé,  10 St.d 14 Minuten Hördauer, HÖRPROBE!

Hörbuch-Rezension: Die Kunst des klaren Denkens: 52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen von Rolf Dobelli

35von5

Und wieder einmal ein Hörbuch zugelegt nach einer weiteren Nachtcafé Ausstrahlung. Rolf Dobelli (eigentlich Döbeli, aber das war zu kompliziert während Dobelli’s Aufenthalt in den USA, also wurde der Name umgeändert) ist ein Schweizer Autor und Unternehmer. Auf mich machte der Ausnahmeschweizer einen sehr symphatischen Eindruck. Er wirkt längst nicht wie ein Schweizer, ist er doch recht locker und gestikulierfreudig, als wäre er ein Italiener. Das gefiel mir als Schweizerin, die ab und an mit der hier landestypischen Mentalität zu kämpfen hat, besonders gut. Die Kunst des klaren Denkens ist Dobelli’s bekanntestes Werk. Hier zeigt der Autor auf, an welchen Denkfehlern wir Menschen immer wieder scheitern.

Der Inhalt
(amazon.de Textquelle)
Unser Gehirn ist für ein Leben als Jäger und Sammler optimiert. Heute leben wir in einer radikal anderen Welt. Das führt zu systematischen Denkfehlern – die verheerend sein können für Ihr Geld, Ihre Karriere, Ihr Glück. Wer weiß, wie leicht man sich irren kann, ist besser gewappnet: Rolf Dobelli nimmt die tückischsten „Denkfallen“ unter die Lupe, in die wir immer wieder tappen. Und so erfahren wir, – warum wir unser eigenes Wissen systematisch überschätzen (und andere für dümmer halten, als sie sind), – warum etwas nicht deshalb richtiger wird, weil Millionen von Menschen es für richtig halten, – warum wir Theorien nachhängen, selbst wenn sie nachweislich falsch sind. Rolf Dobellis Texte sind nicht nur inhaltlich ausgesprochen bereichernd, in der Lesung von Frank Elstner werden sie zu einem echten Hörvergnügen. „Rolf Dobelli ist sowohl mit Sachkenntnis als auch Erfindungsgabe gesegnet – eine seit Ende der Renaissance seltene Kombination.“.

anhören

oder als Gratisdownload bei audible.de

reinlesen

Meine Meinung
Dieses Hörbuch ist kurz, sehr kurz. Es läuft nur etwas über eine Stunde und man ist damit durch. Vorgelesen bekommt man es von Frank Elstner, den wir auch noch von „Wetten dass…“ her kennen. Da man Elstners Stimme gleich wiedererkennt, macht es auch das Hinhören ziemlich einfach, ist man sich ja (je nach Alter!) gewöhnt, wie Frank Elstner spricht. Man muss sich also nicht erst an den Vorleser gewöhnen, das geht eigentlich recht flott von der Hand.
Dobelli’s Werk wurde gross vermarktet und „gehypet“. Sollte einem dies zu denken geben? Ja schon! Eigentlich waren Dobelli’s Weisheiten für mich keine grossen, neuen Erkenntnisse, sondern vielmehr eine Auflistung mehr oder weniger bekannter Phänomene, denen der Mensch ab und an erliegt. Der Unterschied findet sich darin, dass Dobelli diesen Phänomenen einen Namen gibt, immer in englischer Form, denn es gäbe keine deutschen Ausdrücke für diese menschlichen Denkfehler. Vielleicht hört es sich einfach auch nur besser an auf Englisch? Beim Hören der CD fiel mir dabei auf, dass mir kein einziger der englischen Ausdrücke im Kopf hängen geblieben ist: zu kompliziert! Und das obwohl ich in einer international tätigen Firma arbeite mit internationalen Arbeitskollegen, so dass ich jeden Tag mehr Englisch spreche als andere in ihrem Urlaub. Vielleicht wäre es besser, sich hier die Buchvariante zu besorgen. Leider muss ich auch sagen, dass mir beim Hören oft die Gedanken davonliefen. Ich habe also nicht immer hingehört. Elstner spricht mir etwas zu hastig und teilweise auch gehetzt. Hier hätte ich mir etwas mehr Zeit gewünscht und eine längere Hörbuchfassung. Ich habe die CD vor allem als Heruntergerassel in Erinnerung. Der Inhalt bzw. die Denkfallen sind mal mehr, mal weniger interessant. Ich denke es hängt vor allem davon ab, wie selbstkritisch der Leser mit sich selber umgeht. Einiges war mir bereits bekannt aus eigenen Beobachtungen, einiges war mir neu oder wurde mir durch das Hörbuch erst so richtig bewusst. Ein wenig schade ist, dass Dobelli’s Werk eher wie ein Unternehmer-Ratgeber daher kommt, aber eigentlich vor allem für jedermann gedacht ist. Da hätte der Verlag vielleicht etwas mehr differenzieren müssen bei der Vermarktung. Auch wenn das Cover und die Lobeshymnen vor allem Manager-gerichtet erscheinen, ist dieses Hörbuch/Buch für uns alle gedacht, die wir uns dafür interessieren, uns geistig und menschlich weiterzuentwickeln.

Fazit
Ein Hörbuch, das sehr schnell gehört ist. Ob man alles im Kopf behalten kann, was man gehört hat, das wage ich zu bezweifeln. Hier würde ich Interessierten doch eher die Buchvariante empfehlen, da man hier sein eigenes Tempo vorlegen kann und auch Zeit hat, das Gelesene zu verarbeiten. Dies fehlt beim Hörbuch gänzlich. Wer gern sozialen und psychologischen Phänomenen auf den Grund gehen will, ist hiermit sicherlich gut bedient.

Diese Rezension wurde von Virginia verfasst.

Hörbuch-Rezension: Der Anwalt von John Grisham

Hörbuch-Rezension: Der Anwalt von John Grisham

Private Reader VirginiaDiese Rezension wurde vom Private Readers Book Club Mitglied Virginia geschrieben. Virginia hat im Mai 2009 den PRBC gegründet, nachdem sie den Film „The Austen Book Club“ gesehen hatte. Sie liest gern alles Mögliche querbeet, um nicht einer einschränkenden Lese-Voreingenommenheit zu verfallen, die sie ungewollt blind für Neues machen könnte.

2 von 5 Sternen 2 von 5!

John Grisham, „The Godfather of Lawyer Fiction“!
Entweder bin ich an den schlechtesten Grisham Roman geraten oder der Mann hat früher zuviel Zeit mit dem Studium von Prozessakten verbracht. Die Story ist in etwa so spannend wie ein sechsstündiges Aktenstudium als Praktikant in einer Anwaltskanzlei. Meine erste Arbeitsstelle war übrigens eine sehr bekannte und renommierte Anwaltskanzlei in Zürich, ich kann mich also persönlich identifizieren. Dies ist auch der Grund, weswegen ich mir dieses Hörbuch unbedingt anhören wollte.
Der Altmeister kann jedoch nicht überzeugen. Zuviel Beilage, zuwenig Story. Und das Schlimmste: null Spannung! John Grisham’s Der Anwalt ist eigentlich ein Thriller ohne Spannung, der trotzdem noch lesbar bleibt. Ob das gut oder schlecht ist, sei jedem Leser selber überlassen.

Die Geschichte
Kyle McAvoy ist ein zielstrebiger junger Student, der kurz vor seiner letzten juristischen Klausur an der Yale University steht. Eines Abends wird er von zwei suspekten Gestalten auf dem Heimweg von einem Basketballspiel verfolgt und kurz darauf zu einem Mann mit dem Namen Bennie Wright gebracht. Dieser gibt sich zunächst als FBI-Ermittler aus, lässt dann aber die Maske fallen und zeigt Kyle ein Videoband mit Aufnahmen aus der Zeit, in der Kyle noch an der Duquesne University studierte. Auf diesem Video solle er zu sehen bekommen, wie eine seiner Kommilitoninnen in seiner Wohnung vergewaltigt wird. Die Sachlage ist nie geklärt worden, doch von der Existenz eines Handy-Mitschnittes war während der damaligen Ermittlungen des öfteren die Rede gewesen. Kyle sieht sich an, wie zwei seiner Kommilitonen mit der jungen Frau anfangs im Einverständnis – später aber unter Alkohol stehend – Sex haben und in dessen Verlauf feststellen, dass diese irgendwann das Bewusstsein verliert. Der junge Kyle beobachtet diese angebliche Vergewaltigungsszene von seinem Sofa aus kurzer Distanz. Bennie Wright erpresst ihn daraufhin. Kyle soll für ihn in der großen New Yorker Anwaltskanzlei „Scully & Pershing“ anfangen und dort über einen großen Fall Informationen beziehen. Kyle stehen zu diesem Zeitpunkt alle Türen der Justiz offen, zwar soll seine Anwaltsprüfung noch bevorstehen, doch diese Hürde würde der brillante Student ohne Zweifel nehmen.


Der Anwalt von John Grisham probehören!

Also heuert er bei „Scully & Pershing“ an und sieht sich nach einem ernüchternden Start bald in der Liga der großen Prozessanwälte mit dem Fall, den Wright ihm aufgetragen hatte, vertraut. In diesem Prozess geht es um Rechte an einem vom US-Militär in Auftrag gegebenen Flugzeug. Die streitenden Parteien „Trylon“ auf der einen und „Barton“ auf der anderen Seite liefern sich nachdem der Deal geplatzt war einen unerbittlichen Kampf. „Trylon“ ist Mandantin von S&P, womöglich ist sie sogar die wichtigste zum damaligen Zeitpunkt. Auch Kyles damalige Kommilitonen werden von Wrights Leuten ständig überwacht. Die meisten haben den Vorfall bereits vergessen bzw. verdrängt, sodass Kyle sich einzig und allein Joey anvertraut und mit ihm einen Plan schmiedet um mehr über seine Verfolger herauszufinden. Als Baxter Tate (einer der angeblichen Vergewaltiger) im Rahmen eines Alkoholentzugs über seine Vergangenheit nachzudenken beginnt, beschließt dieser sich bei seinem früheren Opfer zu entschuldigen und um Vergebung zu bitten. Vermutlich folgen Wrights Männer Tate, denn noch bevor er sich mit dem früheren Opfer treffen kann, wird er ermordet.

Jetzt vertraut sich Kyle seinem Vater und einem Anwalt an und schaltet das FBI ein. Er trifft sich parallel immer noch mit Wright. Er soll die Aufgabe erhalten mithilfe technischer Vorrichtungen Dokumente aus der digitalen Datenbank der Kanzlei S&P zu stehlen. John McAvoy, Kyles Vater, selbst Rechtsanwalt in York, verhandelt unterdessen mit dem Anwalt des Vergewaltigungsopfer und handelt einen Vergleich aus. Der Plan des FBIs, Wright bei der Übergabe der Unterlagen dingfest zu machen, scheitert noch, bevor Kyle diesen ein letztes Mal zu Gesicht bekommt. Nach dem missglückten Zugriff verlässt Kyle die Kanzlei und New York und schließt sich seinem Vater als Partner in der Kanzlei „McAvoy & McAvoy“ an. (Text: Zusammenfassung wikipedia.de)

Meine Meinung
„Grisham auf der Höhe seines Schaffens.“ Das zumindest will uns die New York Times zu diesem Roman von Grisham weismachen. Da scheint mir mal wieder einer zuviel Vetterchenwirtschaft betrieben zu haben oder schlichtweg den Roman nicht gelesen zu haben. Dieser Grisham Roman ist zwar in seiner Story interessant, jedoch schafft es der Autor nicht, echte Spannung aufkommen zu lassen. Insbesondere das Ende der Geschichte hat mich sehr enttäuscht, erfährt man doch nicht einmal, wer die Erpresser von Kyle McAvoy wirklich sind. Ein bisschen FBI Interaktion und die Sache ist erledigt. Aber erledigt ist für uns Leser gar nichts. Die Erpresser nehmen vor dem Finale schon Reissaus und der Protagonist Kyle McAvoy findet: „Nö liebes FBI, Zeugenschutzprogramm ist doof. Ich bin doch noch so jung….ich gehe meinen Weg ohne Euch weiter auch ohne Eure Hilfe“. Schnitt! Cut. Story beendet.

Sieht so ein befriedigendes Romanende aus? Finale? Fremdwort! Dieses Hörbuch zu hören hat mich daran erinnert, wie es ist, sich einen Abend in der Disco mit einem Fremden zu amüsieren, nur um dann zu merken, dass er sich kurz vor Mitternacht an die nächste ranschmeisst. Ein Vorspiel ohne Höhepunkt. Ein Lese-Flop! Einzig und allein spannend fand ich, wie das hinter den Kulissen so abläuft bei einer grossen, renommierten Anwaltskanzlei an der Wallstreet. Aber wenn das den geneigten Leser nicht wirklich interessiert, hat man auch hier Pech gehabt.

Über das Hörbuch
Eigentlich gibt sich der Hörbuchleser viel Mühe. Charles Brauer’s Stimme passt hervorragend zur Story und seine Leistung ist wirklich vollumfänglich professionell und gefällt. Aber auch der beste Vorleser kann die halbherzige Story leider nicht interessanter machen.

Fazit
Eine Grisham Story mit einerseits viel Inhalt, andererseits ohne Spannung und einem erst recht total unbefriedigendem Finale. Leider gelingt es Grisham mit diesem Roman nicht, an seine früheren Erfolge anzuknüpfen.

Der Anwalt von John Grisham, erschienen bei Random House Audio,
460 Minuten auf 6 CDs, ISBN: 9783837101324, Hörprobe!

Hörbuch-Rezension: Steve Jobs – Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers von Walter Isaacson

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Private Reader Cristoforo

Diese Buchrezension wurde vom Private Readers Book Club Mitglied Cristoforo geschrieben. Er ist am 24. August 2009 dem Private Readers Book Club beigetreten und seither trifft man ihn regelmässig in Aarau an den Read & Meets . Seine Interessen gelten vor allem den zwei Genres Science Fiction und Horrorgeschichten.  Am liebsten liest er Bücher von Stephen King und Philip K. Dick, seinen Lieblingsautoren.

 5 von 5!

Mein erster Kontakt mit einem Computer überhaupt erfolgte im zarten Teenager-Alter in der Schule, als ich die Sekundarschule im Kanton Zürich besuchte und der Apple MAC als Schulcomputer eingeführt wurde. Wir lernten am MAC die Textverarbeitung, den elektronischen Taschenrechner und das Zeichnungsprogramm kennen. Ich verliebte mich umgehend in den MAC. Leider schaffte Apple den späteren Sprung zum Gamer- und Entertainment-PC nicht gänzlich, weswegen ich dann einen Atari ST kaufte. Später besorgte ich mir auch den legendären Commodore 64, auf dessen weichen 5,25“-Disketten sehr viele Spiele und Programme Platz fanden.

Steve Jobs wurde am 24. Februar 1955 in San Francisco, Kalifornien geboren und starb am 5. Oktober 2011 in Palo Alto, Kalifornien, an einer Krebserkrankung. Als direkter geschäftlicher Rivale von Bill Gates gründete Steve Jobs im Jahr 1976 zusammen mit Steve Wozniak und Ron Wayne die Firma „Apple“. Zudem war er zu seiner Lebenszeit Geschäftsführer und Hauptaktionär der Firma Pixar Animation Studios und grösster Einzelaktionär der Firma Walt Disney Company. Steve Jobs gilt weltweit als einer der grössten Visionäre in der Geschichte des Personal-Computer.

Die Geschichte
Das Hörbuch beginnt mit Steve Jobs Gründungs-Karriere von Apple und erkundet dabei auch andere Gefilde seines Lebens. Viele Höhen aber auch Tiefen kennzeichneten den Werdegang von Steve Jobs. Die verschiedenen Führungswechsel in den Chefetagen von Apple führten in den Neunziger Jahren fast zu einer wirtschaftlichen Katastrophe. Erst als Steve Jobs wieder die Führung übernahm, konnte Apple wiederum an Boden gewinnen und die verlorenen Anteile auf dem Marktplatz zurückerwirtschaften. Als erste Firma überhaupt führte Apple mit dem Apple MAC den ersten Personal Computer mit Maus- und Tastatursteuerung ein. Ein einfach zu bedienendes Gerät, bei dem man vergessen sollte, dass es sich dabei eigentlich um ein elektronisches Gerät handelt. Man konnte auf einer echten Desktop-Oberfläche Programme ansteuern und sogar eigene Zeichnungen mit Formen wie Kreise oder Rechtecke erstellen.

Auch der Bezug zwischen Steve Jobs und der Firma Pixar wird erläutert und viele Tatsachen, die man gar nicht mit Steve Jobs in Zusammenhang bringen würde, kommen ans Tageslicht. Steve Jobs war zudem begeistert von der Philosophie des Zen. Alles musste klar und einfach strukturiert sein, nicht nur was die Apple-PCs betraf, vielmehr strebte er sein ganzes Leben lang die Umsetzung des Zen’s an. Steve’s Ader für Design und sein Flair für das Einfache drängten ihn dazu, formschöne und für den User klare und einfach strukturierte Computer zu schaffen. Auch die Elektronik im PC-Innern sollte fein säuberlich strukturiert sein. Es ging sogar so weit, dass die Innsenseiten der Gehäuse lackiert werden mussten, um die Qualität der Geräte zu untermauern. Der Name MAC ist von der Apfelsorte McIntosh abgeleitet. Diese war die Lieblingsapfelsorte von Jef Raskin, der Mitglied des Macintosh-Designteams war. Lange zögerte Steve Jobs, den Namen für seinen innovativen Computer festzulegen, aber schlussendlich endschied er sich dann doch für MACINTOSH (MAC).


Hier geht’s direkt zur Hörprobe

Steve Jobs Leben war auch von Drogenkonsum (vor allem LSD) gekennzeichnet, auf dessen Wirkungsweise er teilweise seine skurrilen und genialen Ideen zurückführte. Auch sein Essverhalten war sehr starken Zwängen unterworfen . Zum Beispiel suchte er manchmal lange Zeit nach geeigneten Orangensäften oder Gemüsesorten für seine zeitintensiven Diäten.

Sein Schwarz-Weiss-Denken zog sich vom Essverhalten auch auf seinen, vor allem für die Apple-Mitarbeiter, teilweise als schwierig empfundenen Führungsstil. Steve Jobs war der Meinung, man müsse Feedbacks immer direkt und ohne Umschweife anbringen. Wenn er etwas als „Schrott“ empfand, sagte er das der betroffenen Person direkt ins Gesicht. Die Kollegen, die mit Steve Jobs gearbeitet haben, erfanden für seine etwas abartige Arbeitsweise den Begriff „Apples Reality-Distortion-Field“. Dieser Begriff umschrieb Steve Jobs Fähigkeit, die bestehenden Realitäts-Gesetze zu umgehen. Steve’s „Spezialität“ der Realitätsverfremdung- verdrehung, spornte nicht nur die Mitarbeiter, aber auch viele Apple-Partner zu Höchstleistungen an und führte dazu, dass Apple unter Steve Jobs Führung geniale Produkte wie das iPad oder das iPhone auf den Markt brachten. Alles wegweisende Produkte, die auch heute noch von bekannten Grossfirmen kopiert werden. Sogar Bill Gates äusserte sich beeindruckt von Steve Jobs immensen Innovationsgeist und dem immerwährenden Mut, neue Wege zu gehen.

Meine Meinung
Das Hörbuch wird von Frank Arnold in angenehmer und schon beinahe spröder Art und Weise gelesen. Die Biografie von Steve Jobs ist sehr witzig, spannend und extrem inspirierend. Vor allem heute, wo sich viele Künstler oder sogar Firmenchefs auf gar keine Neuerungen mehr einlassen, kann man sich von Steve Jobs, respektive von der Geschichte Apples, ein grosses Stück Kuchen abschneiden. Das einzige, was ich an diesem Hörbuch als störend empfandm war der Umstand, dass man als Hörer den Eindruck bekommt, Steve Jobs hätte alle Neuerungen selbst erfunden. Beispielsweise das iCloud-System, das persönliche Daten im Apple-Netzwerk speichert statt auf dem lokalen PC, wurde oft als bahnbrechende Idee von Steve Jobs angepriesen. Es wird nur am Rande erwähnt, dass diese Idee vielleicht gar nicht seine eigene gewesen ist. Auch dass Apple viele Ideen wie das Desktop-Management (kennt man ja auch von Windows) eingekauft hat, wusste ich so nicht. Dennoch kommen viele Tatsachen ans Licht, auch über Firmen wie Hewlett Packard oder IBM, die mich überrascht haben. Ich selbst empfinde, nach dem Genuss des Hörbuches, Steve Jobs teilweise als Visionär aber zum grössten Teil auch einfach als ganz grossen Glückspilz. Bekannte IT-Individuen wie etwa auch Bill Gates erscheinen mir eher als Freaks ihrer Materie, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren.

Die IT-Branche ist nach wie vor in einem Wandel. So muss es auch sein… dennoch werde ich Steve Jobs als wichtige Leitfigur am IT-Himmel vermissen. Das Hörbuch hat mir persönlich insgesamt vor allem auch viel Neues über die IT Welt aufgezeigt.

Fazit
Für Fans und vielseitig interessierte Computer-User ist das Hörbuch ein Muss. Auch Fans des Steve Jobs Charisma kann ich das Hörbuch oder das Buch wärmstens empfehlen. Die Lebensgeschichte von Steve Jobs ist bewegend, emotional und sehr aufschlussreich. Sie gehört in jede gut sortierte Sammlung.

Steve Jobs von Walter Isaacson, erschienen bei Random House Audio,
560 Minuten auf 8 CD’s , Hörprobe!

Hörbuch-Rezension: Jenseitsnovelle von Matthias Politycki

Private Reader VirginiaDiese Rezension wurde vom Private Readers Book Club Mitglied Virginia geschrieben. Virginia hat im Mai 2009 den PRBC gegründet, nachdem sie den Film „The Austen Book Club“ gesehen hatte. Sie liest gern alles Mögliche querbeet, um nicht einer einschränkenden Lese-Voreingenommenheit zu verfallen, die sie ungewollt blind für Neues machen könnte.

 

    3.5 von 5

Eine relativ hohe Rezensionslatte legt dieses Hörbuch bzw. der Roman vor. Na dann! Kann man ja nichts falsch machen. Hab ich für mich so gedacht. Auch das Cover war irgendwie noch geheimnisvoll, leider war ich dann echt ein wenig enttäuscht. Ich versuche jetzt diese Enttäuschung in Worte zu fassen. Keine leichte Aufgabe, denn die Geschichte blieb mir irgendwie vorenthalten, da ich nicht wirklich einen Zugang dazu gefunden habe. Ich versuche es trotzdem….auch auf die Gefahr hin, von den Literaten dieser Welt aufs Proletariarier-Lese-Schafott eskortiert zu werden.

Matthias Politycki (* 20. Mai 1955 in Karlsruhe) ist ein deutscher Schriftsteller. Er hat Romane, Erzählungen, Gedichte, Essays sowie Hörbücher publiziert und gilt als Weltreisender unter den deutschen Autoren. Bekannt wurde er vor allem durch seinen Weiberroman und seine Kreuzfahrtsatire In 180 Tagen um die Welt. Vielbeachtet wurden auch einige seiner Artikel, mit denen er in Debatten des Feuilletons eingegriffen oder sie angeregt hat. (von wikipedia.de)

Die Geschichte
Hinrich Schepp steht gern ein wenig später auf morgens. Meist findet er beim Aufstehen seine Frau am Bürotisch oder dem Sessel vor, wie sie seine Manuskripte liest und korrigiert. So auch an diesem Morgen. Aber irgendetwas ist anders. Seine Frau Doro ist nämlich nicht, wie auch schon, über seinen Manuskripten eingeschlafen. Nein, sie ist tot. Doch der fünfundsechzigjährige Sinologe will es noch nicht wahr haben. Er liest die von Doro korrigierten Seiten und stösst dabei auf Kommentare, die nicht nur seinen Roman sondern vielmehr ihn als Menschen betreffen. Die Illusion der perfekten Ehe zu Doro bröckelt als Schepp lesen muss, wie sie die Ehe mit ihm erlebt hat. Zynisch und sarkastisch schreibt sie ihrem Ehemann und fördert dabei Geheimnisse zu Tage, von denen Schepp dachte, dass seine Doro nichts von deren Existenz wusste.

Reinhören….und sich selbst eine Meinung zu Polityckis Vorlese-Stil bilden

Meine Meinung
Die Geschichte handelt vom nachträglichen Scheitern einer als „funktionierend“ wahrgenommenen Ehe. Die Handlung ist in verschiedene Stränge aufgeteilt. Da ist das „Jetzt“, in dem Hinrich gemeinsam mit seiner toten Frau Doro in einem einen Zimmer über Stunden hinweg verweilt. Daneben gibt es die eingewobene Geschichte von Marek (das Manuskript, das Doro grade korrigierte), der in einer Kneipe einer Kellnerin verfällt und symbolisch für die reale Geschichte von Schepp und der von ihm angehimmelten Dana steht. Dann gibt es auch noch Doro’s schriftliche Kommentare und Zeilen, die an ihren Ehemann gerichtet sind, welche eine eigene Dynamik in sich tragen.

Insgesamt ist die Idee sehr interessant. Jedoch zu guter Letzt wird die Geschichte irgendwie undurchsichtig. Schepp findet sich auf einmal in Doro’s Welt wieder und dem Totensee gegenüber: Doro’s Vision von dem, was die Toten beim Übergang in das Jenseits erwartet. Und dann kommt doch noch alles anders. Die Geschichte fängt wieder ganz von vorne an mit identischem Text. Nur, dass dieses Mal der Beginn der Geschichte anders verläuft. Ich kann mir vorstellen, dass Politycki damit die Macht des menschlichen Verdrängens darstellen wollte.

Die Geschichte gefällt mir sprachlich mal gut, mal weniger gut. Die Sätze sind mir ab und zu einfach zu schwülstig oder zu „literarisch“. Natürlich ist das nicht jedermanns Sache, das muss einem Leser gefallen. Da ich die Hörbuchvariante konsumiert habe, kann ich zur schriftlichen Variante des Romans nichts sagen. Ich habe jedoch gelesen, dass er scheinbar die Deutsche Rechtschreibung öfters mal links liegen lässt. Vielleicht sogar gewollt, wer weiss. Ein wenig gestört hat mich, dass die Geschichten so ineinander verworren sind, dass ich ab und zu ein Gefühl der Sprunghaftigkeit empfunden habe. Ein Hick Hack! Eventuell kommt das davon, dass die Hörbuchvariante von zwei Sprechern vertont wurde.

Über das Hörbuch
Das Hörbuch wird von einer weiblichen Stimme, Nina Petri, als auch vom Autoren selber gesprochen. Hier kommt mein grösster Kritikpunkt: ohne Politycki hätte es mir viel besser gefallen. Politycki liest ungeheuer „wichtig“ vor. Und er betont an Stellen, an denen normalerweise keine Betonung erwartet wird, weshalb ich dann auch öfters mal in Gedanken abgedriftet bin und wieder mühsam zurückspulen musste zu dem Punkt, an dem ich mich geistig verabschiedet hatte, weil es mir zu anstrengend wurde beim Zuhören.  Das gefiel mir überhaupt nicht. Ich finde es allgemein eine üble Idee, seine eigene Geschichte zu vertonen, ausser man ist eine Daniela Katzenberger und die Geschichte hat mit einem selber zu tun. Politycki liest für meine Bedürfnisse zu selbstgerecht, wichtigtuerisch. Dafür macht Nina Petri einen super Job, was das Hörbuch wieder aufwertet.

Fazit
Das Hörbuch würde ich so nicht mehr hören wollen, da mir der Autor als Sprecher zu zelebrierend und selbstverliebt vorliest. Vielmehr empfehle ich an dieser Stelle Jenseitsnovelle in der Buchvariante zu geniessen. Die Geschichte ist gut, aber auch nicht jedermann’s Kost. Vor allem Fans der literarischen Elite werden an Jenseitsnovelle wohl ihre Freude haben. Wer lieber Unkompliziertes, leicht Verdauliches liest, dem rate ich von diesem Roman eher ab.

Jenseitsnovelle von Matthias Politycki, erschienen bei Radioropa, 232 Minuten auf 3 CDs, EAN:  9783836805438 , Hörprobe!

Hörbuch-Rezension: Sei schlau, stell dich dumm von Daniela Katzenberger

Private Reader VirginiaDiese Rezension wurde vom Private Readers Book Club Mitglied Virginia geschrieben. Virginia hat im Mai 2009 den PRBC gegründet, nachdem sie den Film „The Austen Book Club“ gesehen hatte. Sie liest gern alles Mögliche querbeet, um nicht einer einschränkenden Lese-Voreingenommenheit zu verfallen, die sie ungewollt blind für Neues machen könnte.

 

  3 von 5 Sternen  3 von 5

Daniela und ich: geht das überhaupt zusammen? Viele, die mich kennen, aber auch jene, die mich gar nicht kennen, werden sich jetzt wohl oder übel an den Kopf greifen dürfen. Wenn sie denn wollen. Denn: Ja, das geht. Natürlich ist die „Katze“, wie sie mittlerweilen einfacherweise vom TV-Volk genannt wird, das krasse Gegenteil meiner Wenigkeit. Aber man soll auch nicht über andere vorschnell urteilen und schon gar nicht sich für etwas besseres halten. Deshalb höre ich auch dieses Hörbuch. Um mir eine eigene Meinung von Daniela zusammenzuschustern und weil ich wissen wollte, was diesen Menschen zu dem gemacht hat, was er heute zu sein scheint.

 Daniela Katzenberger wurde 1986 geboren. Sie besuchte die Realschule, ging ab und besuchte ein Jahr die Berufsfachschule in Mannheim. Darauf folgte die Abschlussprüfung und schwupps…Daniela war staatlich anerkannte Kosmetikerin. An ihrem Traum, im TV aufzutreten bzw. Playboy-Modell (als von Playboy später doch noch ein Angebot kam, war Daniela’s Antwort „nein“) zu werden, hat die falsche Blondine festgehalten. Und tatsächlich, Daniela schaffte es, das Medium TV zu stürmen. Sie bekam Aufträge von ProSieben in diversen Vorabend-Dokus und Reality-Shows. Entgegen allen ProSieben Überredungen wechselte sie zum („alte Leute“) Sender VOX, um bei der Reality Show „Auf und davon – Mein Auslandstagebuch“ mitzuwirken. Seither ist viel passiert. Daniela Katzenberger ist überall, hat zwei Cafés eröffnet, ist zu Gast bei namhaften Samstagabend-Shows und hat sogar ihren eigenen Song „Nothing’s gonna stop me now“ u.a. bei „The Dome“ performt. 

Die Geschichte
Wo Daniela Katzenberger drauf steht, ist auch Daniela Katzenberger drin. Und das nicht zu knapp. Die von Medienkolumnisten zur Kunstfigur degradierte junge Dame erzählt in kurzen Episoden aus ihrem Leben. Wir hören, wie sie aufgewachsen ist, erfahren mehr zu ihren Eltern und den Lebensumständen. Dabei geizt sie wie immer nicht mit ihren kessen Sprüchen und eigenen Lebensweisheiten. Wie gewohnt, gibt es Lustiges aus ihrem Leben zu berichten, was den Zuhörer oft zum Schmunzeln, aber auch zu denken gibt. In gewohnter Manier hält Daniela sich auch nicht zurück, wenn es um Erfahrungen zum Thema Liebe, Sex und Kosmetika geht. Aber auch leise Töne sind zu vernehmen, z.B. wenn sie von ihren Schulhoferfahrungen und ihren sozialen Kontakten und Erfahrungen diesbezüglich erzählt. Man muss nur genau hinhören, um auch die Momente zu erhaschen, die nicht dem drallen Blondinnen-Image entspringen. Denn die gibt es. Am Ende steht die Erkenntnis, dass Katzenberger hören auch Katzenberger verstehen bedeuten kann. Und verstehen heisst auch, weiterdenken. Denn wenn man bedenkt, dass Daniela einen Terminkalender abarbeitet, von dem unsereiner schon graut bei der Vorstellung, kann man sich auch denken, dass Disziplin vielleicht auch eine der Stärken von ihr ist. Und das ist etwas, was man mit Daniela eher nicht assoziieren würde auf Anhieb. Und auch Dschungel-Camp ist für Daniela KEINE Option.

Sei schlau, stell dich dumm (2 CDs)

Meine Meinung
Die Katzenberger ist durchlässig und scheint sich nicht um ihren gesunden Selbstschutz zu kümmern. Das ist einerseits beängstigend, andererseits auch irgendwie faszinierend. Sie erinnert mich an ein kleines Mädchen, dass jedem gern von sich erzählt, damit andere die Chance bekommen, es gern zu haben. Der Weg zur Busen-OP ist dabei wohl einfach eine von vielen Stationen, bei denen der eigene Lebensbus anhält oder eben nicht. Mich hat zu Anfang das Bekenntnis überrascht, dass sie gerne eines Tages eine Hochzeit ohne TamTam und SchiSchi hätte. Damit Mama den Tag nicht wieder (wie in einer der letzten Folgen von „Natürlich Blond“) dazu benutzen kann, um sich und den Mann in Szene zu setzen. Das war so ein Moment, wo mir Daniela wirklich leid tat. Es ist nicht einfach, mit egozentrischen Eltern aufzuwachsen. Davon können viele ein Lied singen. Umso grösser ist der Drang, Aufmerksamkeit zu erheischen. Und diese Aufmerksamkeit hat Daniela mittlerweilen bekommen. Die Frage, warum sie zum TV wollte, hat sich für mich leider nicht beantwortet mit dem Hören des Hörbuches. Dazu hätte ich gern mehr erfahren. Das Buch/Hörbuch ist nicht von Daniela selber geschrieben, sondern wurde von einer Ghostwriterin verfasst. Dies ist zwar nicht unbedingt sofort erkennbar, dennoch wirkt einiges Katzenberger untypisch. Es ist aber nicht weiter schlimm, da die einzelnen Kapitel eh nur kurze Episoden aus Danielas Leben preisgeben und in sich geschlossen eigene Geschichten bilden, die man eigentlich auch separat für sich hören könnte, wenn man das mag. Aber wer ganz einfach nur Katzenberger erwartet, wird auch Katzenberger bekommen mit diesem Hörbuch, insofern ist diese Produktion gut gelungen. Ich hätte mir jedoch gewünscht, dass die einzelnen Kapitel nicht so in sich abgeschlossen wirken. Die Story liest sich/hört sich an, wie ein Hüpfen von Stein zu Stein über einen See und wird somit ein wenig unruhig. Dabei könnte man denselben See auch in Ruhe mit einem Boot überqueren. Da hätte ich mir wirklich einen Erzählstil gewünscht, der autobiografischer, fliessender und kompakter gewesen wäre. Einen Lesefluss, der nicht so hickhackmässig daher kommt.



Über das Hörbuch

Wie schon zu erwarten, liest Daniela Katzenberger das Hörbuch gleich selbst vor. Das passt natürlich und könnte wohl zu diesem Zeitpunkt gar nicht anders gehen. Denn das ist, was die Leute wollen: die Katzenberger-Schnute in „action“. Und das ist auch beim Hörbuch nicht zu knapp. Daniela liest aber vor! Und das ist der grosse Unterschied zur „frei Schnauze“ Manier, die man von ihr gewohnt ist. Wenn „Katze“ vorliest über ihr Intim-Piercing und dass sie sich gern untenrum rasiert, kann das schon mal ein wenig komisch wirken. Würde sie das in ihrer saloppen Art jovial zum Besten geben, halt „frei Schnauze“, wäre der Schock-Effekt über solche freizügige Details vielleicht weniger schockierend. Aber auch hier gilt trotzdem: Katzenberger drin, wo Katzenberger drauf steht.

Fazit
Und die Moral von der Geschicht: „kann man hören, muss man nicht“. Für Katzenberger-Fans ist dieses Hörbuch bestimmt ein Muss. Ansonsten ist es auch ein wenig Lebensschule für den Hausgebrauch. Ein paar Beauty- und Fashion-Tipps sind auch mit dabei, und die sind teilweise nicht mal so übel. Vor allem sind sie gut fürs Portemonnaie!
Trotz allen Unkenrufen, finde auch ich, dass Daniela Katzenberger drollig und sympathisch rüberkommt. Wer nur über sie schimpft, hat wohl noch nicht bei sich selber richtig hingeschaut.

Sei schlau, stell dich dumm von Daniela Katzenberger, erschienen bei Lübbe Audio, 110 Minuten auf 2 CDs, ISBN:  978-3785746257, Hörprobe!

Hörbuch-Rezension: Ein Moment fürs Leben von Cecelia Ahern

Private Reader VirginiaDiese Rezension wurde vom Private Readers Book Club Mitglied Virginia geschrieben. Virginia hat im Mai 2009 den PRBC gegründet, nachdem sie den Film „The Austen Book Club“ gesehen hatte. Sie liest gern alles Mögliche querbeet, um nicht einer einschränkenden Lese-Voreingenommenheit zu verfallen, die sie ungewollt blind für Neues machen könnte.

 

    5 von 5

Cecelia Aherns Geschichten sind bekannt wie ein bunter Hund. Mit 21 Jahren schrieb die Tochter des ehemaligen irischen Ministerpräsidenten ihren ersten Weltbestseller „P.S. Ich liebe Dich“, der später als Hollywood-Adaption von Warner Brothers mit Hilary Swank und Gerard Butler verfilmt wurde. Auch der Film ein Riesenhit, auch wenn nicht sehr viel vom Buch in den Film mit reingenommen wurde. Aherns Folgewerke taten es dann auch ihrem ersten gleich: ein Bestseller nach dem anderen! „P.S. I love you“ hatte ich damals in der Buchfassung gelesen und fand es ansprechend und irgendwie sehr spritzig und einfach, aber dafür gut geschrieben. Ich war nun gespannt, ob auch ein neuer Ahern es mir antun könnte. Dieses Mal habe ich mich allerdings für die Hörbuchfassung entschieden, weil es mir erlaubt, mehr Bücher zu „konsumieren“. Besonders praktisch für längere Autofahrten. Und jetzt zum Moment! Nämlich: „Ein Moment für die Rezension“! Und los gehts…

Die Geschichte
Das Leben der 29 jährigen Lucy Silchester könnte wirklich besser laufen: sie trauert ihrem Ex-Freund nach, wohnt in einer kleinen Wohnung, der Job ist auch doof! Lucy ist rundum unglücklich. Aber sie merkt es nicht, denn Lucy ist Meister im Schönreden und vor allem: Lügenmärchen und Ausreden erfinden.
Da erhält Lucy Silchester eines Tages Post! Eine Einladung zu einem Treffen. Bis hier hin nichts Besonderes. Wenn da nicht der Absender wäre, der alles andere als unter „zu erwarten“ läuft. Der Brief ist nämlich von Lucy’s Leben. Es möchte sie treffen. Lucy ist neugierig und verabredet sich mit ihrem Leben. Was sie dann antrifft, entspricht nicht ihrer Vorstellung. Und natürlich findet auch ihr Leben, dass es so also schon mal gar nicht geht und möchte Lucy helfen, wieder in ein ausgewogenes, glückliches Leben zurück zu finden. Aber kann Lucy ihren eigenen Schweinehund und ihre Vergangenheit überwinden? Und warum ist das überhaupt alles so wichtig? Es ist doch alles in Ordnung!?

Meine Meinung
Zu Beginn fiel es mir echt schwer, den unrealistischen Teil der Geschichte, nämlich das Vorhandenseins des eigenen Lebens in Menschengestalt, zu akzeptieren und nicht als blöde Idee abzutun. Das hätte mich sogar abgehalten, das Buch weiter zu hören im schlimmsten Falle. Da der Roman aber sehr lustig und auch mit viel Empathie für die Protagonisten und deren Unzulänglichkeiten geschrieben ist, hat es mir dann doch den Ärmel reingezogen und ich wollte der Geschichte immer weiter lauschen. Cecelia Ahern gelingt es, die menschlichen Makel sympathisch erscheinen zu lassen und zeigt auf, dass wir eigentlich alle ein bisschen Lucy sind. Was wäre, wenn man seinem Leben tatsächlich begegnen könnte und wie würde es aussehen? Wäre es gepflegt oder eher schlampig angezogen? Und wenn es schlampig angezogen wäre, was würde dies wiederum über mich aussagen? Spielerisch erforscht Ahern mit dem Leser jene Fragen, die jeden Menschen beschäftigen. Ist mein Leben ein gutes Leben oder ist es im härtesten Falle sogar „ungelebt“?

  

Ein Moment fürs Leben (6 CDs)

Das Buch regt dazu an, sich mit seinem eigenen Leben zu beschäftigen, es auszuleuchten und vielleicht sogar einige Dinge daran zu ändern. Aherns Roman ist aber keine Bedienungsanleitung zu einem besseren Leben oder eine Art Selbsthilfebuch. Das ganz bestimmt nicht. Aber es regt an, sich mit Fragen auseinanderzusetzen und einen Moment inne zu halten und Bilanz zu ziehen. Das Leben ist kurz und wenn es schon kurz ist, kann man es auch so leben, dass es Sinn macht. Alles andere….ist Verschwendung. Dies kommt in diesem Buch schön zur Geltung und wird an diversen Stellen immer wieder hervorgehoben, ohne dabei lehrmeisterhaft zu werden.

Über das Hörbuch
Das Hörbuch wurde mit Luise Helm vertont, die man unter anderem aus den Krimi-Serien „Tatort“ oder auch „Polizeiruf“ kennt. Mit ihrer unverkennbar sympathischen Stimme, die sich immer ein wenig auch nach Teenager anhört, erzählt sie die Geschichte der Lucy Silchester und verschmilzt dabei mit der Lucy Silchester im Roman. Ich könnte mir spontan keine bessere Stimme für Lucy vorstellen, denn Luise Helm spricht Lucy so, wie Lucy Silchester ist. Ein wenig hilflos, sympathisch, aber auch naiv und bockig. Ich vergebe Luise Helm die höchste Zahl Sternen, wenn nicht sogar noch mehr, für diese Vorlese-Leistung. Es ist ungemein spannend, Luise Helm’s Stimme, die auch die Synchronstimme Scarlett Johannsons ist, zuzuhören. Sie ist immer lebhaft und authentisch und wirkt nie gekünstelt. Davon möchte ich wirklich mehr hören und ich werde demnächst gezielt nach anderen Hörbüchern der Sprecherin Ausschau halten. 

mit Klick aufs Bild direkt zum Interview zu "Ein Moment fürs Leben" mit Cecelia Ahern auf der Frankfurter Buchmesse 2011, zu Gast auf dem "Blauen Sofa"

Fazit
„Ein Moment fürs Leben“ von Cecelia Ahern ist ein fantasievoller, Gedanken anregender Roman/Hörbuch für unterhaltsame Stunden. Man wird von Luise Helm’s Stimme verwöhnt und auch aufgrund der angenehmen Vorlesekunst ohne lange Eingewöhnungszeit in die Geschichte eingeführt. Cecelia Aherns neuestes Werk ist lustig, aber nie laut. Dafür einfühlsam und mitreissend. Ahern lässt uns die Lucy Silchester in uns selbst entdecken. Ein sehr charmantes Hörbuch, das bestens unterhält und trotzdem nicht oberflächlich ist. 

Ein Moment fürs Leben von Cecelia Ahern, erschienen bei Argon, 446 Minuten auf 6 CDs, ISBN:  978-3-8398-1110-8, Hörprobe!

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