{GELESEN} Metro 2033 von Dmitry Glukhovsky

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Wer unter Klaustrophobie leidet, sollte DIESES Buch NICHT unbedingt lesen. Fans von Science Fiction mit Endzeit-Zukunft-Szenarios und menschlichem Wahnsinn à la „Mad Max“ kann ich das Buch wärmstens empfehlen.

Dieses Science-Fiction-Buch habe ich öfter im Regal im Buchladen meines Vertrauens gesehen. Die Metro PC Games habe ich durchgespielt (auch die Remakes in HD). Ich bin froh darüber, endlich auch Zeit für das erste Metro Buch gefunden zu haben. Und ja, es fühlt sich gelesen im Grunde genommen wie die Spiele an. Um auch zu erfahren, für wen sich „Metro 2033“ weniger eignet, einfach weiterlesen.

Das Leben und der Tod lauern in der Finsternis der Russischen Metro. Nachdem ein Atomkrieg die Welt in Schutt und Asche gelegt hat, haben sich die Überlebenden in die Metro zurückgezogen, wo sie seit Jahrzehnten dem auf der Erdoberfläche sicheren atomaren Tod trotzen. Doch verschiedene Gruppierungen von Menschen leben auch unter den extremen Bedingungen ihre skurrilen, gesellschaftlichen Formen von Religionen/Sekten, kleinen Staatsformen und auch Anarchien aus. Artjom ist auch ein Überlebender oder besser gesagt ein Bewohner des U-Bahn Systems. Als er sich aufmacht, um etwas mehr über die Hintergründe des Krieges zu erfahren, gerät er immer mehr in vertrackte Situationen, die zur im Grunde zur Rettung der Menschheit führen könnten. Doch nicht mehr oder weniger gut gesinnte Menschen befinden sich im riesigen, dunklen U-Bahnnetz, sondern auch Mutanten und „andere“ Wesen, die sich Artjom in den Weg stellen.

 

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Nicht nur die Story dreht sich um Russlands fiktive Endzeit-Zukunft (Jahr 2033), sondern auch die Figuren und die Dialoge fühlen sich, wie auch im PC-Spiel, ziemlich russisch an. Nationalitäten und die Herkunft der Figuren ziehen sich wie ein roter Faden durch die ganze Geschichte. Zu den Dialogen kann ich nur sagen, dass sie im Buch doch etwas tiefgreifender und intensiver erscheinen, als dies natürlich in einem PC-Spiel der Fall ist. Die Atmosphäre der U-Bahn übertrifft im Roman die der PC-Spiele dann doch um einiges. Beim Lesen kann man die Kanalisationen und die Metro-Bahnschächte praktisch hören und riechen, so detailliert und gekonnt hat der Autor diese beschrieben. Die ständige Finsternis und die erdrückende Leere führten bei mir zu sehr unangenehmen Gefühlen, die teilweise schwer auszuhalten waren.

Die Charaktere schildern oft ihre Gedanken oder reden über den Aufenthalt (alleine oder in Gruppen) in den stockfinsteren Tunneln, ausgestattet mit lediglich einer Taschenlampe. Bei Lesern mit viel Fantasie kurbelt die Story unverhofft das Klaustrophobie-Kopf-Kino an. Zu vergleichen ist die Story wie ein Mix bestückt aus Filmen wie „Mad Max“ und „Cube“. Wobei „Mad Max“, „Cube“ und dergleichen typisch amerikanisch daherkommen, sich „Metro 2033“ hingegen diesbezüglich doch etwas differenziert.

Ähnlich wie das Buch „Der Wüstenplanet“ von Frank Herbert besitzt „Metro 2033“ eine komplett eigene Dynamik. Doch nicht nur die Tunnel und U-Bahn-Schächte werfen im Buch dunkle Schatten, auch die Story selbst besitzt eine Schattenseite. Die Geschichte wirkt etwas in die Länge gezogen, was sich eher bremsend auf das Timing und die Action auswirkt. Während zahlreiche Dialoge über „Gott und die Welt“ wirklich überzeugen können, so bleibt die Geschichte irgendwie stets geradlinig. Diesbezüglich bietet Cormac McCarthys Endzeit-Buch  “Die Strasse“ mit gerade mal 255 Seiten einiges mehr an Action und Abwechslung. Dennoch ist „Metro 2033“ ein einzigartiger Roman in seiner Art und Weise.

Wer unter Klaustrophobie leidet, sollte DIESES Buch NICHT unbedingt lesen. Fans von Science Fiction mit Endzeit-Zukunft-Szenarios und menschlichem Wahnsinn à la „Mad Max“ kann ich das Buch wärmstens empfehlen.

Metro 2033 von Dmitry Glukhovsky, Heyne Verlag,  784 Seiten, Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

{GELESEN} Exodus: Warum wir Einwanderung neu regeln müssen von Paul Collier

via thestar.com

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Jeder Bürger sollte sich eine echte und eigene Meinung über das riesengrosse Thema Masseneinwanderung bilden und sich nicht von der Marketing Maschinerie der EU beeindrucken lassen. Darum kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen.

Vor ein paar Wochen führte ich ein heisses Gespräch mit einem Lieferanten Namens David in der Firma, in der ich arbeite. Er sagte, dass er mit zwei Ausländern zusammenarbeite, die sich im Büro ständig lauthals unterhalten würden. Dies sei ja typisch „für diese Art von Ausländer“. Er ärgerte sich blau und grün und schimpfte über das „unangebrachte“ Verhalten der „ausländischen Mitarbeiter“. David denkt, dass sowas unter Schweizer Angestellten nicht vorkommt. Da musste ich ihm dann echt endlich ins Wort fallen und zurechtweisen, denn wo ich arbeite, befinden sich ausschliesslich nur Schweizer. Darunter eine junge Frau (ca. 22 Jahre), die ständig Aufmerksamkeit fordert. Ihre narzisstische Art führt dazu, dass sie weder ruhig diskutieren, noch auf die Bedürfnisse ihrer Arbeitskollegen (inklusive mich) annähernd eingehen kann und eigentlich den ganzen Tag wie eine Katze miaut und Geräusche (Quieken und Piepsen) von sich gibt. Ja, sie ist wirklich eine Schweizerin und die Arbeitskollegen (auch Schweizer), die dem Gruppendruck nicht standhalten können, machen ihre Scherze jeden Tag aufs Neue mit. Aus Anstand (Schweizer haben durchaus auch Anstand) sagen sie lieber nichts und fressen ihren Ärger in sich hinein (auch eine Schweizer Eigenschaft). Selbstverständlich ist das oben Geschriebene etwas überspitzt formuliert. Aber genau in dieser Art und Weise habe ich David zurechtgewiesen. Danach war das Thema vom Tisch.

Für mich ist die Frage, ob man die Einwanderung neu regeln muss erst mit der EU entstanden. Die Europäische Union versucht mit allen Mitteln das Thema anzuheizen. Die Schweiz hat v.a. während der 60er und 70er durch die Emigranten wirtschaftlich stark profitiert. Zudem wirkte sich der kulturelle Austausch auf meine Entwicklung sehr positiv aus. Die Frage also sollte eher lauten, warum versucht die EU mit allen Mitteln das Thema anzuheizen? Und warum schreibt ein Professor ein Buch darüber?

 

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Gemäss dem Professor für Ökonomie und Direktor des Zentrums für afrikanische Ökonomien an der Universität Oxford, dem Autor Paul Collier, müsse man die Einwanderung neu regeln. Für diese These eröffnet er einige einleuchtende Argumentationen. Darin geht er auch auf die viel diskutierte Frage ein, wer nun von der Masseneinwanderung profitiere. Die Einwanderer, das Land, in dem sie einwandern oder das Land aus dem sie auswandern. Auch auf die Frage über den Sinn eine Nationsstärkung und den daraus resultierenden Umgang mit Ausländer geht der Autor tiefgehend ein. Er bringt auch Beispiele über das Leben in anderen Länder, um klarzumachen, dass man die Beweggründe der Einwanderer erst verstehen müsse, um sich ein Bild zu machen. Auch über die Vorteile und die Risiken von Pro-Ausländer und Ausländerhasser wird berichtet. Und wie sie sich während die Masseneinwanderung zum akuten Thema wird, als Retter der Nation aufzuspielen versuchen. Zudem nennt er Beispiele, wie man eine Nation entwurzeln kann.

Als ich das Buch im Buchregal sah, musste ich sofort an die total überdrehte Dokumentation Eine unbequeme Wahrheit mit Al Gore, dem missglückten Wahlkandidat für die USA-Präsidentschaftskandidatur, denken. Zum Glück ist „Exodus“ dann doch ein wenig bodenständiger und realistischer in seiner Ausführung. Die Argumentationen des Autors sind stets interessant und immer nachvollziehbar. Auch wurden alle Aspekte durchleuchtet und gut verständlich aufgeführt. Man merkt schnell, dass das Buch von einem erfahrenen Professor geschrieben wurde, der weiss, was er von sich gibt. Zum Teil erinnerte mich das Buch auch an das EU-kritische Buch Europa braucht den Euro nicht von Thilo Sarrazin. Denn ob man mit den zwanghaften Versuch der EU, das Thema Masseneinwanderung anzuheizen, einverstanden ist oder nicht, so lässt das Buch den Leser doch ernsthaft über das Thema nachdenken. Was dazu führen dürfte, dass viele Leser  die eigene Meinung evtl. etwas revidieren. Was ich lediglich ein wenig vermisste, waren die Aspekte der Auswanderer selbst. Ich finde es sehr wichtig, vor allem in einem solchen Buch, auch die menschlichen Aspekte zu behandeln. Denn das Buch basiert vor allem auf Fakten, Statistiken und Diagrammen und nur ein wenig aus menschlichem Inhalt. Auch war ich persönlich nicht immer gleicher Meinung mit dem Autor, vor allem was ein nationalistischer Zusammenhalt bewirken würde. Aber da muss jeder selber für sich entscheiden, wo und wie der Autor Recht hat.

Jeder Bürger sollte sich eine echte und eigene Meinung über das riesengrosse Thema Masseneinwanderung bilden und sich nicht von der Marketing Maschinerie der EU beeindrucken lassen. Darum kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen.

Exodus: Warum wir Einwanderung neu regeln müssen von Paul Collier, Siedler Verlag,  320 Seiten, Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

{GELESEN} Der Pfauenruf von Ursula Meier-Nobs

Bild via jungfrauzeitung.ch

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Die herzerwärmende Geschichte und die interessanten Charaktere haben es mir angetan. Lediglich ab Mitte des Romans fehlten ein Aufhänger, um die Geschichte anzukurbeln. Auch muss man damit leben können, dass die Geschichte gerade man 189 Seiten umfasst. Trotzdem ist das Buch jede Seite wert!

Wir schreiben das 13. Jahrhundert. Der Karneval von Venedig ist in vollem Gange. Als Giorgios Vater beschliesst, seine neue Frau zu heiraten, wird der kleinwüchsige Giorgio kurzerhand von Zuhause vertrieben. Mit viel Groll und von seinen Wurzeln entbunden, wird Giorgio den kleinwüchsigen Bergleuten von Veneten übergeben, die im Auftrag des venezianischen Dogen Bodenschätze suchen. Dort trifft Giorgio auf die ebenfalls kleinwüchsige Lydia, welche jedoch kurz darauf der Truppe entrissen wird. Scheinbar trennen sich vorerst ihre Wege, doch Giorgio nimmt sich vor, Lydia suchen zu gehen.

 

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Der Roman lebt von den einnehmenden Erzählungen der Charaktere. Spätestens nach der genialen Darbietung von Peter Dinklage in der Rolle des Tyrion Lennister in der TV Serie „Game of Thrones“ freue ich mich über jeden Charakter interessanter innerer und äusserer Natur. Sei es in Filmen, als auch in Büchern. Somit hat das Buch von Ursula Meier-Nobs diesbezüglich bei mir voll ins Schwarze getroffen.

Die klassische, etwas altertümliche und dramatische Schreibweise und der Aufbau der Charaktere hat mich zutiefst inspiriert. Das harte Leben der kleinwüchsigen Bergleute im Venedig des 13. Jahrhunderts hat mich bewegt. Lediglich ab Mitte der Geschichte bleibt diese etwas flach und es fehlt von mir aus gesehen etwas Abwechslung, z.B. in Form eines einschneidenden Ereignisses. Dieses hätte der ansonsten herzerwärmenden Story gut getan und ein wenig Auftrieb verschafft.

Wirklicher Kritikpunkt: Der Roman mit 213 Seiten (die Geschichte umfasst gerade mal 189 Seiten) müsste etwas „erweitert“ werden. Ist er doch gar kurz geraten. Die zahlreichen historischen Ausführungen, Begriffserklärungen und Bilder am Ende des Buches bereichern es ungemein und versüssen ein wenig den Ärger darüber, dass ich gerne mehr davon gelesen hätte. Der Preis ist gesalzen (30 Euro!). Typisch Schweiz halt….wenig drin, auch im Portemonnaie….schade. Auch eine Leseprobe fehlt. Bei dem Preis eigentlich eine Frechheit..?!

Der Pfauenruf von Ursula Meier-Nobs,  Zytglogge Verlag, 240 Seiten, keine Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

{GELESEN} Die Elefanten meines Bruders von Helmut Pöll

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Der Protagonist in Helmut Pölls Roman ist interessant und verstörend zugleich. Ich kann mir vorstellen, dass einige Leser Freude an Billy finden werden. Mich hat das Buch hibbelig gemacht und ich vermute, das ist auch Sinn der Sache.

Wir möchten uns herzlich für die Rezensionsanfrage von Helmut Pöll an die Private Readers und für die Zusendung des E-Books bedanken.

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine bereits im Kindesalter beginnende psychische Störung, die sich durch Beeinträchtigungen in den Bereichen Aufmerksamkeit und Impulsivität sowie bei zwei der drei Typen ausgeprägte körperliche Unruhe (Hyperaktivität) äußert. Dies vorab zum Verständnis, ein Auszug aus Wikipedia.

ADHS ist in der heutigen Zeit eine verbreitete Krankheit, die meistens bei Kindern diagnostiziert wird. Oft wird in den Medien über eine überschnelle Prognose der Ärzte, gefolgt von zu schnell verschriebener Psychopharmaka, zu Gunsten der Kassen der Pharma-Industrie und der Ärzte, berichtet. Die frühzeitige Vergabe von Psychopharmaka an Kinder ist äusserst umstritten. Auch steigt die Zahl an ADHS erkrankten Kindern jährlich an, was einem zusätzlich am Wahrheitsgehalt zweifeln lässt.

Doch wenden wir uns der Geschichte von Helmut Pöll zu:
Billy Hoffmann ist gerade mal 11 Jahre alt. Würde man ihn fragen, was er später für einen Beruf erlernen möchte, so wäre die Antwort „Filmanseher“ oder „Profispaziergänger“. Billy dachte auch schon einmal, dass Vegetarier von der VEGA (Sternbild) kommen, Menschen müssten Replikanten (Blade Runner) sein. Sein ständiger Begleiter ist sein Todesstern-Modell (Star Wars). Einmal läuft Billy 20 Mal um die Parkplatzsäule herum, bevor er ins Auto der Eltern steigt, ein anderes Mal platzt Billy einfach mit seinem Todesstern-Modell ins Schlafzimmer seiner Eltern, als sich diese gerade beim Beischlaf befinden. Billy malt sich oft aus, wie er eine Bombe baut, um damit den „Mörder“ seines Bruders in die Luft zu jagen. Wobei das Wort „Mörder“ schon eine recht krasse Umschreibung ist für jemanden, der mit dem Auto ein Kind angefahren hat. Das  besagte Kind war Billys Bruder und Billy hat den Unfall mitangesehen. Zuerst dachte Billy, dass sein Bruder plötzlich fliegen könne, nachdem er vom Auto erfasst wurde. Sein Bruder würde einfach nur allen einen bösen Streich spielen und während des Fluges innerlich lachen, um nach seiner Landung die Situation aufzulösen. Doch sein Bruder stand leider nicht mehr auf, denn er ist bei diesem Unfall ums Leben gekommen.

 

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Die Elefanten meines Bruders: hier probelesen

 

Helmut Pöll hat beim Aufbau des Hauptcharakters Billy ganze Arbeit geleistet. Leider kann ich nicht einschätzen, ob sich ein Kind mit ADHS, wie im Buch beschrieben, verhalten würde, da ich persönlich bisher leider nur sehr kurz Kontakt zu ADHS Kindern hatte. Die Geschichte kommt vor allem zu Beginn fast gänzlich ohne Dialoge aus. Ich hatte das Gefühl, dass der Autor frei aus dem Bauch heraus geschrieben hat, was auch für einige spontane Lacher meinerseits gesorgt hat, denn einige Situationen sind zum Brüllen komisch. Dann, gegen Ende des ersten Drittels beginnen die Figuren häufiger miteinander zu sprechen und es enstehen dabei einige ziemlich komische Dialoge. Grundsätzlich erzählt der Autor, was Billy so alles anstellt und wie er die Welt wahrnimmt. Dass die ganze Geschichte aus nur einem Erzählstrang und somit gänzlich aus der Ich-Perspektive eines ADHS-Kindes erzählt wird, empfand ich mit der Zeit zunehmend auch als einschränkend, was ich recht schade finde.

Oft wollte ich einfach aus dem Erzählstrang ausbrechen, um etwas von Billys Umfeld, auch aus Sicht eines anderen Charakters zu erfahren. Billy stellt während der Dialoge oft die Meinung der Erwachsenen in Frage, denn meistens ist er selbst ganz „anderer“ Meinung oder er meint zumindest, es sein zu müssen. Dies bewirkte bei mir leider eine Antipathie dem Hauptcharakter gegenüber. Wenn Billy mal 10 Minuten nicht zappelig ist, dann ist das ein regelrechtes Wunder. Und „zappelig“ ist auch das Schlagwort, nach dem ich bereits gesucht habe. Das Lesen des Buches hat mich extrem unruhig und eben zappelig gemacht. Was anfangs noch recht interessant wirkt, wurde mit der Zeit zu einem regelrechten Geduldspiel mit meinen Nerven, denn viele Gedanken und Ideen Billys wiederholen sich. So fühlte ich mich gezwungen, Kunstpausen bei der Lektüre einzulegen, um etwas nach Luft schnappen zu können.

Ich hätte wohl etwas weniger Mühe mit Billy als prägnanten Nebencharakter in einer Story mit mehreren Figuren. So quasi als Nebencharakter, der im richtigen Zeitpunkt auftaucht, um wie ein Tornado etwas frischen Wind ins Geschehen zu bringen. Doch seine ständige Präsenz war für mich echt „zu viel des Guten“. Aber das ist lediglich meine persönliche Erfahrung. Ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass dies so vom Autor beabsichtigt ist, um dem Leser das Gefühl zu vermitteln, wie es es sich anfühlt, mit einem ADHS erkrankten Kind zu leben. Und wenn dem so ist, dann ist es Helmut Pöll echt gelungen!

Die Elefanten meines Bruders von Helmut Pöll, Lago Verlag, 224 Seiten, Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

{GELESEN} TROST von Andrew Brown

via welt.de

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Wie bereits früher schon erwähnt: kriminaltechnisch gesehen, sind die Bücherregale dieser Welt überfüllt. So stelle ich mir wieder einmal die Grundsatzfrage: „Braucht die Welt noch einen Autor, der lediglich 08/15-Krimis schreibt?“ Aber diese Frage muss sich jeder selber einmal beantworten in seinem Krimileben. Das Buch unterhaltet gerade so gut wie zig andere Krimis aus dem Bücherregal.

Als ich das Buch in der Bibliothek gesehen hatte, (ein Bestseller-Kriminalroman aus Südafrika) musste ich sofort zugreifen. Eigentlich lese ich Krimis nur, weil ich mir darin gut umgesetzte Szenarios mit interessanten Charakteren und unerwartete Wendungen wünsche, was der Covertext ja auch verspricht. Doch kann das Buch aus Südafrika das Marketing-Versprechen halten?

Der gebrochene Inspector Eberard Februarie (Alkoholismus, kaputte Beziehung und Drogenmissbrauch) arbeitet in Kapstadt und bekommt von seinem Vorgesetzten einen besonderen Fall zugewiesen. In einer jüdischen Synagoge wird die Leiche eines jungen Muslimen in Gebetskleidern gefunden. Der Fall soll möglichst rasch und ohne grosses Medien-Aufsehen gelöst werden, denn die Gewalt in Kapstadt droht auszuufern, sollten Informationen über den Fall an die Öffentlichkeit gelangen. Doch die Ermittlungen haben so ihre Tücken, in Form von verschiedenen Religionen, die sich gegeneinander aufs Blut bekämpfen. Auch seitens der jüdischen Synagoge erhält Februarie nicht wirklich Hilfe, sondern nur die volle Macht des religiösen Hass zu spüren.

 

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Ich werde ja ein wenig verwöhnt zurzeit. Überall auf der ganzen Welt spriessen Krimi-Autoren wie Pilze aus dem Boden (mein Lieblingsspruch, wie du bestimmt schon gemerkt hast). Doch ein Buch aus Südafrika mit zwei guten Bewertungen muss ja gut sein… dachte ich mir… und ja, das Buch ist ganz OK.

Vom Setting Kapstadt erfährt man einiges, doch es hätte auch noch etwas mehr sein können. Was man mehr als genug erfährt hingegen, sind die vielfältigen Hassgefühle, die die religiösen Vertreter gegeneinander hegen und die zu vielen Unruhen im Land führen. Nach dem Lesen erhärtete sich für mich meine These, dass Religionen im Grunde nur unnützer Seelenballast darstellen. Die Kriminalgeschichte ist ganz OK, verläuft sie jedoch ganz im erwarteten Rahmen. Die Charaktere erscheinen mir auch ausreichend beschrieben und dennoch nicht übermässig interessant gestaltet. Hier hätte man etwas mehr Charme reinbringen können, wie es u.a. Tess Gerritsen oder Cay Rademacher machen. In dieser Form bleiben die Figuren in Trost einfach nur Figuren, die man nach einer Woche wieder vergessen hat. Oder spätestens beim nächsten, wirklich guten Krimi.

Trost von Andrew Brown, btb Verlag, 352 Seiten, Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

{GELESEN} Live aus China: Mein Leben im Reich der Mitte von Barbara Lüthi

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Ich denke, dass jeder Europäer dieses Buch lesen sollte. Falls du der Meinung bist, alles richtig  machen zu wollen, dann dürftest du wohl oder übel KEINE Elektronik oder in China produzierte Ware mehr kaufen. So zumindest denke ich noch stärker nach der Lektüre von Barbara Lüthis‘ Einblick in das Finanzreich der Mitte. Doch ist das überhaupt möglich, wenn man bedenkt wie abhängig sich die Schweizer Wirtschaft gemacht hat?

Ich war einmal in einer mehr oder weniger renommierten Schweizer Firma für die IT- und Zubehörverteilung an Businesskunden tätig. Spezialprodukte wie Verteiler oder Switches wurden direkt in China produziert (die Firma führt ein eigenes Büro in China). Oft gab man damit an, wie günstig das Produzieren von IT-Produkten in China doch sei. Man wolle jedes Jahr mehr Profit machen. Auf Fragen mit Bezug zu Kinderarbeit und Umweltverschmutzung hat sich die Geschäftsleitung immer meisterlich bedeckt gehalten. Man muss jedoch erwähnen, dass diese besagte Firma als eine der teuersten im Schweizer IT-Sektor gilt. Warum ich das schreibe? Weil ich nie in China gewesen bin und ich für eine wohlhabende Schweizer Firma gearbeitet habe, die viele Eigenmarken-Produkte äusserst kostengünstig in China (auch heute noch) produzieren lässt und bei Wachstumsdefiziten Ende Jahr einfach die Bonis der Mitarbeiter kürzt, obwohl diese die geforderte Leistungen stets erbracht haben.

Die Schweizer Fernsehjournalistin und Chinakorrespondentin des Schweizer Fernsehens (SRF) Barbara Lüthi nimmt uns in ihrem Buch auf ihren langjährigen Aufenthalt in China (Peking und Hongkong) mit.

China befindet sich in Aufbruchstimmung, wirtschaftlich zumindest, denn China will Wirtschaftsweltmacht Nummer Eins werden. Und dies geschieht oft nur „auf Biegen und Brechen“. Mit der Hammermethode vertreibt der chinesische Staat oft Bewohner aus ihren Häusern, um Wirtschaftszentren aus dem Boden zu stampfen. Doch die Hammermethoden der Regierung drängen sich auch den In- und Auslandskorrespondenten auf, die vorgelegt bekommen, was sie wie und wann zu berichten haben. Bei der Zensur der Berichterstattung und im Internet vollführt Chinas Regierung jedoch einen Spagat, bei dem es abzuwägen gilt, wie viel Freiheiten dem chinesischen Volk dennoch zusteht.

Es gäbe sogar Internet-Foren, in welchen eine Art von Meinungsfreiheit herrsche. Dort würden auch korrupte Beamten vorgeführt, was in der Vergangenheit sogar zu erfolgreichen Verhaftungen geführt hat. Was jedoch nicht zur Bekämpfung der Korruption des kommunistischen Staates an seiner Wurzel führt. Die Zensur der Regierung führte sogar dazu, dass Taxifahrer die Fensterkurbeln ihrer Taxis abmontieren mussten, damit Fahrgäste keine Propaganda-Flyer gegen die Regierung aus den Taxis werfen können. Der Umgang des Staats mit dem Wirtschaftsboom lässt auch viele Fragen über den Sinn ihres Handelns offen. So sei die Luft in den Grossstädten dermassen stark verschmutzt, dass man oft nicht allzu weit sehen kann. Ein gelber Schleier hänge früh morgens bereits in der Luft. Die Wasserqualität Chinas (regionale Flüsse), auf die vor allem die Bauern und die eher finanziell schwache Landbevölkerung angewiesen sind, lassen ein hohes Alter in der Bevölkerung erst gar nicht zu. Viele Chinesen erliegen bereits in jungen Jahren den Erkrankungen der Verschmutzung. Doch viele weitere Infos findest Du im Buch.

 

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Die Recherchen der Schweizer Journalistin erscheinen mir doch recht brutal und negativ, auf den ersten Blick. Doch je mehr ich die geschilderten Tatsachen sacken liess, umso mehr empfand ich Empathie für die chinesische Bevölkerung. Oft kam mir beim Lesen das Vorgehen der Ex-DDR in den Sinn. Ziemlich unmenschlich und brutal, was die chinesische Regierung angeblich so alles treibt. Nach dem Gelesenen grübelte ich länger über die Schweizer Gesellschaft nach. In China leben viele Menschen mit Angststörungen. Der ständige Wechsel und Wandel der Wirtschaft fordert seinen Tribut. Doch auch in der Schweiz nehmen die Angststörungen jährlich zu, denn wir unterstützen aktiv den wirtschaftlichen Boom, auch in China. Wir alle!

Die Kehrseite des Buches ist von mir aus gesehen die Länge. Es scheint ein wenig in der Tradition der Schweizer Autoren zu liegen, kurze und dennoch teure Bücher zu produzieren. Die Kultur Chinas wird zwar angeschnitten und kommt vor allem durch die negativen Punkte zu Geltung, aber man hätte hier etwas ausführlicher berichten dürfen. Das Buch soll ja kein Pro-Schweiz-Marketingbuch darstellen. Schliesslich lebt die Autorin auch in China. Also kann es dort so schlimm auch nicht sein. Hier hätte ich dann doch gerne etwas mehr über die chinesische Mentalität erfahren. Schliesslich heisst das Buch ja „Live aus China“ und nicht „Live von Chinas Wirtschaftssünden“.

Live aus China: Mein Leben im Reich der Mitte von Barbara Lüthi, Orell Füssli Verlag,  208 Seiten, Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

{GELESEN} Warrior Cats – Die Macht der drei. Sonnenaufgang: III, Band 6 von Erin Hunter

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Kindheitserinnerungen werden wach!  Ich kann die Fans dieser fantastischen Reihe sehr gut verstehen. Der Charme der Charaktere versteht es, Kinder, Jugendliche und Katzenfreunde zu verführen. Aber man sollte unbedingt mit dem ersten Buch zu lesen beginnen, denn die Reise bis zu diesem 6. Band der Dritten Staffel scheint lang und ereignisreich zu sein.

Ein Augenarzt-Termin in Aarau verschaffte mir die Ehre, dieses Buch in die Finger bekommen zu haben. Ich hatte nach der Ankunft mit dem Zug in Aarau 45 Minuten Zeit bis zum besagten Augenarzt-Termin totzuschlagen. Ich ging in diverse Bookshops um mir die Neuerscheinungen anzusehen. In einem Laden fand ich dann ein reduziertes Exemplar dieser Ausgabe. Als Katzenfreund (wir haben 4 Katzen) liebäugelte ich schon lang mit der „Warrior Cats“ Reihe und so packte ich die Chance beim Schopf und kaufte mir das Buch zum angebotenen, günstigen Preis. Zudem ist der Autor bzw. die Autorin der Romans nicht nur ein Pseudonym. Nein, es verstecken sich dahinter inzwischen bereits 6 Autorinnen! Ein spannender Fakt!

Die Story fängt damit an (oder geht damit weiter), dass nach dem Tod von „Aschenpelz“ der ganze DonnerClan erschüttert und in Schockstarre verfallen ist.  Zudem versetzt das neue Wissen über die Herkunft von Häherfeder, Distelball und Löwenglut den DonnerClan zusätzlich in Aufruhr, was dazu führt, dass Misstrauen bei den  Clan-Mitgliedern aufkeimt. Als eine unverhoffte Wahrheit über die Herkunft der Clanmitglieder dann auch noch die Grenzen zwischen dem DonnerClan und dem WindClan zu verwischen droht, facht dies die Unsicherheiten und Unruhen unter den Katzen zusätzlich noch weiter an.

 

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Das Buch war (trotz des niedrigen Preises) jeden einzelnen Rappen wert. Ich durfte, aus literarischer Sicht, einmal mehr eine etwas unkonventionelle Erfahrung machen, mit Figuren, die mir sofort ans Herz gewachsen sind. Das Buch bietet nun mal keine literarische Fantasy-Hochkunst à la J.R.R. Tolkien oder George R.R. Martin. Es will sich ja auch nicht in dieses Genre einordnen. Vielmehr gehört die Fantasy-Story  um die Katzenclans von mir aus gesehen in die Klasse von „Die Chroniken von Narnia“. Friedlich und ruhig wird die Katzen-Story für Jugendliche erzählt. Die Charaktere (ausschliesslich Katzen) lassen dem Niedlichkeitsfaktor freien Lauf ohne jemals ins Lachhafte abzugleiten.

Teilweise wirkt die Story jedoch etwas flach und oberflächlich, aber gleichzeitig verströmt sie diesen speziellen Charme, der dann alles wieder wett macht. Bei mir zumindest. Man merkt beim Lesen, dass man sich in etwas Grösserem befindet (am Ende der 3. Staffel). Fast schon im verträumten Zustand reiste ich mit den Katzen-Clans durch einem Land, welches regelrecht Kindheitserinnerungen in mir weckte. Ein wenig traurig darüber, dass ich erst mit dem Ende der dritten Staffel zu lesen begonnen habe, legte ich das Buch dennoch zufrieden beiseite. Ich bedaure nun auch, dass ich während meiner Kindheit genau solche Bücher nicht gelesen habe (eigentlich habe ich gar keine Romane gelesen). Bin aber wie bereits gesagt froh darüber, sowas Schönes jetzt gelesen zu haben.

Warrior Cats – Die Macht der drei. Sonnenaufgang: III, Band 6 von Erin Hunter, Beltz & Gelberg,  343 Seiten, Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

{GELESEN} Sunset: Storys von Stephen King

Für King Fans gibt es viele Kurzgeschichten-Sammlungen und andere Romane des King of Horror, die qualitativ mit den Hochkarätern wie „ES“ oder „Needful Things“ mithalten können. Wer wirklich verzweifelt auf der Suche ist oder mal etwas Einfacheres von King sucht, kann hier mit etwas Vorbehalt zugreifen. Für mich ist in „Sunset“ viel zu wenig Stephen King drin, darum auch die tiefste Benotung, die ich einem King-Buch jemals erteilt habe.

Dreizehn Kurzgeschichten des Horror-Königs warten in Sunset: Storys auf den Leser. Der Titel und das düstere Cover liessen mich hoffen. Ich dachte oft an Stephen Kings Kurzgeschichten-Sammlung wie „Frühling, Sommer, Herbst und Tod“, die ich vor ein paar Jahren mal gelesen hatte und bei der mich jede einzelne Story in den typischen King Bann gezogen hatte. Doch wie sieht das eigentlich mit „Sunset“ aus? Konnte mich auch dieser Inhalt überzeugen?

Ich werde hier nicht auf jede einzelne Kurzgeschichte des Buches aus dem Jahre 2008 eingehen, denn ein wenig Überraschung muss für den angehenden Leser mit von der Partie sein. Aber über den Inhalt kann ich dennoch ein kleines bisschen ausplaudern:

  • Geister, die auf einen Zug warten,
  • ein Mann, der seine schwangere Freundin verprügelt,
  • ein Überlebender des 9/11-Anschlags (arbeitete damals in den Twin Towers) sieht plötzlich Gegenstände seiner damals in den Towers verstorbenen Arbeitskollegen,
  • eine Killerkatze aus dem Labor, die Menschen tötet,
  • ein verbaler Racheakt endet für einen alten kranken Mann tödlich…

 

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Anfangen tut das Buch… naja… eher öde! Ja, ich fand den Anfang echt öde. Im Stile der achtziger Jahre präsentiert King dem Leser als erstes eine Kurzgeschichte, die A) veraltet und B) auch für achtziger Jahre-Verhältnisse eher öde und oberflächlich erscheint. Es geht dann etwas minder langweilig weiter mit einer Story, die, ähnlich wie in Dolores, von der Rache einer Frau an ihrem Mann handelt. Es gab sogar eine oder zwei kingtypische Qualitätshochs. Ja, die gibt es auch. Aber ich möchte hier nicht zu arg vorgreifen oder dich negativ beeinflussen. Ich finde nur, dass die Qualität der Geschichten sich extrem in Grenzen hält, für meinen persönlichen King Erfahrungsschatz.

So erschien mir die Wundertüte „Sunset“  nach dem Lesen lediglich mit viel Buchstabenluft gefüllt. Ich gehe davon aus, dass King die meisten Storys davon noch irgendwo herumliegen hatte und lediglich einige Ergänzungen gemacht hat, um ein über 400-seitiges Buch daraus zu basteln.

Sunset: Storys von Stephen King, Heyne Verlag, 496 Seiten, Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

{GELESEN} Der Weg nach al-Andalus von Martín Blasco

via glogster.com

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Wer gerne Märchen wie „Sindbad der Seefahrer“, „Alibaba und die 40 Räuber“ oder Filme wie „The Life of Pi“ mag, wird das Buch lieben. Aber Vorsicht: die Geschichte endet aus meiner Sicht viel zu früh, denn „klein aber fein“ ist hier die Devise. Eine Reise lohnt sich aber allemal…oder auch eine zweite oder dritte?!?

Der Sohn von Yusuf erzählt die Geschichte seines Vaters:

Wir schreiben das 12. Jahrhundert und befinden uns in Bagdad, als der junge Yusuf sich seinen Lebensunterhalt als Strassenhändler verdient. Unter den Stadtmenschen wird er immer bekannter, als DER Mann, der alles besorgen kann. Yusuf könne die Wünsche der Menschen (vor allem der der weiblichen Kundschaft) regelrecht vom Gesicht ablesen. Doch durch den Umgang mit falschen Freunden wird Yusuf später zum Strassendieb. Die Gang der Diebe beschliesst eines Tages von den Strassendiebstählen wegzukommen, um sich auf einen grossen Coup zu konzentrieren (Einbruch in das Haus eines Reichen). Als während des Einbruchs einiges schief läuft, wird Yusuf von den Ordnungshütern festgenommen und muss fortan dem Hausherrn als Sklaven dienen. Dabei lernt er auch Amira (eine Sklavin des Hausherrn) kennen und lieben. Doch die Liebe der zwei Sklaven steht unter keinem guten Stern. Eines Tages (möchte hier nicht näher darauf eingehen: Spoiler-Gefahr) gerät Yusuf ins Gefängnis, wo er einen anderen Gefangenen kennenlernt. Dieser erzählt Yusuf die Legende des silbernen Stabes, welcher von Alchemisten speziell angefertigt wurde, um damit Gegenstände in Gold zu verwandeln. Wie ein Besessener macht Yusuf sich auf die Suche nach dem Zauberstab und flieht kurzerhand aus Bagdad. Doch kann Yusuf den Stab schliesslich finden und kann der Stab wirklich Gegenstände in Gold verwandeln?

 

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Flimmernde Hitze, ferne Oasen, riesige Palmen, peitschende Stürme, rote Dünen, Kamele, Fata Morganas und der Zauber des Orients…..dies alles und noch viel mehr erwartet den Leser dieses eindrücklichen Märchens. Die Geschichte besteht für mich aus einer modernen Mischung von „The Life of Pi“, „Sindbad der Seefahrer“ und „Alibaba und die 40 Räuber“. Und diese Mischung funktioniert hier dermassen gut, dass man am liebsten immer weiterlesen möchte. Das sagenhafte Setting führt den Leser direkt auf eine Reise durch den Orient des 12. Jahrhunderts.

Bildhaft und äusserst prägnant beschrieben, fühlte ich mich in der Welt Yusufs stets wohl. Von den zahlreichen Metaphern und den inneren Konflikte, die Yusuf auf der Suche nach dem Zauberstab durchmacht, bin ich hell begeistert. Das Lesen verzauberte mich von Anfang an und endete leider viel zu früh, denn das Buch ist mit seinen 120 Seiten einfach viel zu kurz geraten. Ausschliesslich darum ziehe ich einen Punkt ab. Ich bin auch für Qualität statt Quantität, es ist jedoch nicht nötig, die Quantität dermassen stark zu reduzieren. Das Buch hinterlässt ein wohliges Gefühl, als hätte ich eine Reise in eine ferne Welt voller Zauber begangen. Ich betone nochmals, dass ich gerne etwas länger dort geblieben wäre.

Der Weg nach al-Andalus von Martín Blasco, Carlsen,  120 Seiten, Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

{GELESEN} Das Erbe der Elfen von Andrzej Sapkowski

erbederelfen

Echte Fans der „Witcher“ Games, die einfach ein wenig in der Geralt-Atmosphäre der Original-Bücher verweilen möchten, werden hiermit glücklich. Es wird jedoch von einigen Online-Foren empfohlen, die Chronologie der Bücher einzuhalten. Wirklich gute Fantasy findet man aus meiner Sicht eher in anderen Romanen.

Das im Jahre 2007 erschienene Computerspiel The Witcher des polnischen Entwicklerstudios CD Projekt RED war ein Überraschungshit und brachte dem Entwicklerstudio das notwendige Kapital, um u.a. einen eigenen erfolgreichen Online-Shop mit dem Namen „Good old Games“ (gog.com) im Jahre 2008 zu eröffnen und die Fortsetzung des Spielehits im 2011 abzuliefern. Ich bin ein grosser Fan von The Witcher, vor allem von Teil 1. Am 19. Mai 2015 wird der sehnlichst erwartete dritte Teil The Witcher 3: Wild Hunt erscheinen, der wiederum auf den Büchern des polnischen Autoren Andrzej Sapkowski basiert. Auf Anraten eines Arbeitskollegen habe ich mich nun dazu entschieden, den ersten Roman aus Geralts Fantasy-Reihe zu lesen.

Doch zuerst möchte ich meinen Unmut darüber kundtun, dass die Reihenfolge der zahlreichen Romane nirgends klar definiert wird. Hier sollten sich der Verlag und die Online-Shops über einen etwas professionelleren Auftritt Gedanken machen. Erst nach zahlreichen Recherchen im Internet konnte ich die Reihenfolge der Romane ermitteln.

Diese ist wie folgt:

1. „Zeit des Sturms“ – Selbstständiger Roman
2. „Der letzte Wunsch“ – 1. Kurzgeschichtenbuch
3. „Das Schwert der Vorsehung“ – 2. Kurzgeschichtenbuch
4. „Das Erbe der Elfen“ – 1. Roman aus der Reihe
5. „Die Zeit der Verachtung“ – 2. Roman aus der Reihe
6. „Feuertaufe“ – 3. Roman aus der Reihe
7. „Der Schwalbenturm“ – 4. Roman aus der Reihe
8. „Die Dame vom See“ – 5. Roman aus der Reihe
9. „Etwas endet, etwas beginnt“ – Zusatzbuch

Es empfiehlt sich angeblich, diese Chronologie einzuhalten, da scheinbar v.a. in den zwei Kurzgeschichtenbüchern viele grundlegende Details über die Charaktere erwähnt werden, die in der Haupt-Roman-Reihe scheinbar gänzlich fehlen. Ich habe mich aus Zeitgründen dennoch für den ersten Roman aus der Geralt-Reihe mit dem Titel Das Erbe der Elfen entschieden.

 

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Ciri, die junge Enkelin von Calanthe verfügt über einige spezielle Hexen-Fähigkeiten. Der effiziente Umgang mit Hexen-Fähigkeiten muss jedoch zuerst professionell erlernt werden. Der Hexer Geralt, der Ciri gerettet hat, nimmt sie mit zum Stammsitz der Hexer, nach Cer Mohen, wo er ihr unter anderem auch die Kampfkunst (mit und ohne Schwert) beibringt. Doch schnell wird klar, dass sich das Unternehmen schwieriger als erwartet gestaltet. Geralt muss um Mithilfe von einigen Bekannten bitten. Zudem läuft die Zeit davon, denn Ciri ist zwar noch ein Mädchen, doch wie alle anderen wird auch sie älter und schliesslich zur Frau, was eine Ausbildung unmöglich machen würde. Zusätzlicher Zeitdruck besteht auch von anderer Seite, denn Geheimdienste möchten das Mädchen aus Sicherheitsgründen umbringen.

Wie bereits erwähnt, habe ich das Buch einzig und allein auf Anraten des Arbeitskollegen gelesen. Und weil es auf dem gleichnamigen, genialen PC-Spiel basiert. Ich erhoffte mir eine einigermassen unterhaltsame Lektüre in einem Fantasy-Reich. Doch der Einstieg gestaltete sich holprig und ziemlich schwer. Ich denke, dass sich der Autor nicht weiter um einen einfachen Einstieg für den Leser bemüht hat, denn die Charaktere wirken durchgehend blass und oberflächlich. Hexer, Elfen und Könige heissen wie sie heissen und reden und handeln entsprechend. Doch was die Charaktere ausmacht, ausser ihren Äusserlichkeiten wie weisse Haare und dunkle Augen, bleibt in der Fantasie des Autors verborgen, denn er verliert darüber nämlich kein einziges Wort.

Auch über die diversen Settings wird mehr schlecht als recht berichtet. Zu wenig Informationen und fehlende Beschreibungen liessen mein Kopfkino gar nicht erst anspringen. Bei Fantasy Büchern für mich ein Muss. Was mich am meisten irritiert hat, waren die unbeholfenen und belanglosen Dialoge, die leider auch etwas naiv zusammengebastelt daherkommen. Geralt ist im PC-Spiel im Grunde genommen ein Hexer und Anti-Held. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass der Autor diese Eigenschaft irgendwo in seinen zahlreichen Büchern erwähnt hat, doch beim Lesen fühlte ich nichts davon beim Protagonisten. Die Atmosphäre hingegen wird ganz passabel rübergebracht. Kann aber auch sein, dass viele Details auf die zahlreichen Büchern verstreut sind, weswegen sich dieses erste Buch damit zurückhält. Doch genau im ersten Band müsste der Autor eigentlich ein grundsolides Fundament für eine gute Fantasy-Welt setzen, um diese dem Leser schmackhaft zu machen.

Die belanglosen Dialoge, die Langatmigkeit und der unmotiviert aufgebaute Plot verderben hier leider den Brei, weswegen ich keine Zeit in weitere Bücher aus Geralts Reihe mehr investieren werde. Doch auf das PC Spiel „Witcher 3“ freue ich mich selbstverständlich umso mehr.

Das Erbe der Elfen von Andrzej Sapkowski, dtv,  380 Seiten, Leseprobe, rezensiert von Cristoforo
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