Wie alles begann…

alias Grace

„alias Grace“ von Margaret Atwood war das erste Buch, das bei uns besprochen wurde.

Meine Leidenschaft für das Lesen wurde in mir schon sehr früh entfacht. Im Vorschulalter habe ich meinen Eltern und den Grosseltern aus der Zeitung „vorgelesen“ und auf Wörter gezeigt und diese widergegeben. Die Verblüffung meiner Eltern war gross, als sie merkten, dass ich die Wörter schon erkennen konnte.

Im Teenie-Alter habe ich mich dann oft hinter Büchern verkrochen, einfach um meine Ruhe zu haben, um der Welt zu entfliehen. Es war und ist für mich bis heute eine Art Parallel-Universum, das sich auftut, kaum dass man in das Buch vertieft ist. Und das geniesse ich sehr. Ich denke, es wäre für mich absolut unvorstellbar ohne Bücher, ohne Lesen zu leben. Es wäre schlichtweg nicht zum aushalten. Lesen gibt mir die Möglichkeit, das „Jetzt“ voll auszukosten, ohne dabei gleichzeitig an meine eigenen Probleme und Sorgen denken zu müssen. Die sind während des Lesens nicht existent. Die schönste und auch einfachste Ablenkung der Welt kleidet sich in Buchstaben.

Das Lesen von Bücher ist jedoch auch eine sehr einsame Angelegenheit. Ich habe mich oft gefragt, wie es wohl wäre, wenn ich mit anderen über das soeben gelesene Buch sprechen könnte, mit anderen darüber lachen, sinnieren und der Geschichte noch einmal Leben einhauchen. Einen Book Club selbst zu gründen kam mir nie in den Sinn. Doch im Mai 2009 habe ich den Film „The Jane Austen Book Club“ auf DVD gesehen. Tagelang verfolgten mich die Gefühle, die dieser Film in mir ausgelöst hatte. Es war als hätte ich Freunde gefunden, wenn auch nur im Film. Ich wollte unbedingt auch Teil eines solchen Book Clubs werden, vielleicht wären diese Gefühle der Zusammengehörigkeit ja nicht nur mittels Film sondern auch real erlebbar?
Also machte ich mich auf die Suche nach einem Book Club im Internet. Und fand….nichts! Einfach rein gar nichts. Und das wenige, was ich gefunden habe, kam nicht in Frage, weil es mir einfach nicht entsprach. Zu hochintellektuell, zu gewollt literarisch, zu zelebriert (Man sehe sich nur die teilweise hochgestochenen Literatur-Diskussionen an im Fernsehen. Schrecklich!). Was ich mir wünschte, waren neue Freunde. Offene Menschen, die andere Meinungen und Eindrücke respektieren und diese als wertvoll erachten. Menschen, die etwas zusammen teilen möchten, denen es um das Erlebnis geht, um das Zugehörigkeitsgefühl. Mir wurde nach und nach bewusst, dass ich dies nur erreichen könnte, indem ich selbst einen Book Club gründen würde.

Wie durch ein Wunder stiess ich via google schon beim ersten Klick auf die meetup.com Seite, die genau das anbot, was ich suchte. Eine Plattform wo man dem Club beitreten, sich für reale Treffen anmelden und sich austauschen konnte. Nach langem Überlegen wie ich den Book Club benennen sollte, entschied ich mich für „Private Readers“. Noch keine 2 Minuten nach dem Launch trat schon der erste Interessent bei (dazu noch eine mir fremde Person). Ich lud direkt einige Freundinnen per Mail ein, versuchte Leute dazu zu bewegen bei dieser Sache mitzumachen. Es war als würden sich die Türen zum Himmelreich öffnen, alles verlief ohne jeglichen Widerstand und ohne Tücken.Mit 4 Personen führten wir dann das erste Treffen am 5. Juli 2009 bei Starbucks in Aarau durch. Wir hatten alle vorgängig „alias Grace“ von Margaret Atwood gelesen. Ich werde das erste Treffen wohl nie vergessen. Es war ein klein wenig so wie wenn man heimkommt, nachdem man sehr lange weg war. Ich war mega happy. Und ich bin es immer noch! Ich hatte zum ersten Mal etwas gefunden, das meinem Leben Bedeutung verlieh, weil ich dabei nicht alleine war.

Heute wächst Private Readers immer mehr und vergrössert sich stetig. Langsam aber sicher. Mittlerweile führen wir auch diesen Internet-Blog, der auch von „nicht“ Private Readers (so heissen unsere Mitglieder) gelesen wird. Die Private Readers lesen Bücher, rezensieren sie auch schriftlich und tauschen sich an den Treffen vor Ort in Aarau über gelesen Bücher aus und besprechen das angesetzte Buch mit viel Leidenschaft und Engagement.

Meine Vision ist, dass Private Readers zu einer Bewegung avanciert. Heutzutage konsumiert man gern passiv, sitzt vor der Glotze oder vor dem Computer. Kann es das gewesen sein? Wie wird es in 50 Jahren aussehen?

Lesen ist eine so einzigartige, schöne Sache, die man in meinen Augen feiern muss, und feiern bedeutet auch „teilen“. Nur allein zuhause ein Buch lesen, um es dann wegzulegen, ist zu wenig. Ist es nicht wundervoll, dass man nicht nur lesen, sondern sich nach dem Lesen auch noch über das Gelesene unterhalten kann bei Kaffee und Kuchen und gleichzeitig die Möglichkeit hat,  Ansichten auszutauschen mit Gleichgesinnten und nebenbei Freundschaften für’s Leben zu schliessen. Das ist das, was ich mir für Private Readers wünsche und was ich bei den Private Readers „Read & Meet“ (unseren Treffen) jedes Mal neu erleben darf.

In diesem Sinne versuche ich immer offen zu sein für alles Neue, das Private Readers noch entgegengebracht werden wird in der Zukunft. Ich durfte schon sehr viel lernen, erleben und erschaffen durch die Aufgaben/Administration, die der Private Readers Book Club mit sich bringt. Meine Inspiration wächst von Tag zu Tag mehr und ich empfinde grosse Freude durch den Private Readers Book Club. Ich hoffe auf noch viele viele Jahre.

Virginia
Gründerin des Private Readers Book Club

  1. :-) Hoi Bibliophilin!
    Das freut mich sehr! Danke Dir! Lese auch gern Deine Beiträge und freue mich über die gegenseitige Verlinkung! :)
    Es grüsst Dich herzlich aus der Schwiiiiz,
    Virginia

    Gefällt mir

Teile dich mit

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s