Private Readers Buchtipp KW34/2016: Dark Wood

PR Buchtipp

Virginia sagt darüber:

„Wer mal wieder Lust auf etwas Nervenkitzel und Abenteuer verspürt, dem könnte Dark Wood gefallen. Dieser Roman aus deutscher Feder vom in Chicago geborenen Thomas Finn ist vielleicht mit der Bezeichnung „Horrorthriller“ etwas fehl platziert, denn wirklichen Horror erlebt der Leser erst gegen Ende des Romans. Trotzdem ist Dark Wood ein unterhaltsamer, lustiger, mit Stereotypen besetzter Plot, der den Leser nicht los lässt und vergnügliche Stunden verspricht.“

Klappentext
Die Handlung: Ein gnadenloser Kampf ums Überleben
Die Schauplätze: Norwegens undurchdringliche Wälder. Ein unheimliches Höhlensystem. Ein geheimes Militärlager aus dem Zweiten Weltkrieg mit Forschungslabor. Ein uraltes Wikingergrab.
Die Charaktere: sechs Angestellte einer Hamburger Werbeagentur, vier Männer, zwei Frauen, die sich nicht besonders mögen. Das TV-Team einer neuen Reality-Show. Ein Verräter. ETWAS, das in den Wäldern lauert: uralt, grausam – und ansteckend!

{GEHÖRT & HÖRTIPP} Monster 1983

Bild via ivarleonmenger.de

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Multitalent Ivar Leon Menger ist bereits mit der 2. Staffel von Monster 1983 beschäftigt und das ist auch gut so! Sogar SEHR gut! Denn es ist das beste Suspense Hörspiel, das ich bisher hören durfte. Wer den alten Stephen King vermisst, wird in dem gebürtigen Darmstädter Ivar Leon Menger seinen neuen Horrorguru finden.

Oregon, Sommer 1983 – eine Serie mysteriöser Todesfälle rüttelt das Küstenstädtchen Harmony Bay aus seinem friedlichen Schlaf. Sheriff Cody, den es nach dem Tod seiner Frau dorthin verschlagen hat, wird bereits kurz nach seiner Ankunft zur Pflicht gerufen, denn es geschehen merkwürdige Dinge: Ein Gefangenentransport zerschellt an einer Klippe, ein russischer Spion ist wie vom Erdboden verschluckt und es tauchen immer mehr Leichen auf, die merkwürdige Einstiche im Rücken aufweisen.

Cody und sein Team gehen davon aus, dass die Morde von einem Serienkiller begangen werden, der seine Opfer bestialisch im Schlaf ermordet. Doch wer steckt wirklich dahinter? Welches Geheimnis verbirgt der Bürgermeister? Was führen die Regierungsbeamten im Schilde? Und wohin ist eigentlich Sheriff Codys Vorgänger verschwunden?

Bald wird klar: Hinter der idyllischen Fassade des kleinen Küstenörtchens lauert etwas Unheimliches. Dunkle Geheimnisse bahnen sich bedrohlich ihren Weg ans Tageslicht. Und das monströse Treiben, das die verträumte Stadt heimsucht, wird schließlich auch zu Sheriff Codys schlimmsten Albtraum. (Quelle: Klappentext amazon.de)

 

5 von 5

via audible.de

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unbedingt hier reinhören!

 

„Schatz, welchen Film schaust du dir an?“, ruft Cristoforo zu mir ins Wohnzimmer rüber. Gemütlich liege ich auf dem Sofa und spiele Angry Birds Pop auf meinem iPhone. „Das ist kein Film!“, antworte ich zurück. „Was sagst du?“ „DAS IST KEIN FILM!“, rufe ich mit Nachdruck noch einmal rüber ins Büro. „Wie? Das ist ein Hörspiel?“ Pause „Krass, ich dachte du siehst dir einen Film an!“ Zitat Ende!

So ist das mit Monster 1983, das Hörspiel hört sich nicht nur an wie ein Film, sondern hält zudem das Kopfkino schön auf Trab. Monster 1983 gefällt mir extrem gut und ich bin ziemlich verschnupft, denn bis die zweite Staffel kommt, dauert es noch ein Weilchen. Voraussichtlich wird die zweite Staffel (gemäss audible) im Winter veröffentlicht. Wie soll man das so lange aushalten? Jetzt wo ich endlich einen adäquaten Ersatz für den Stephen King meiner Kindheit gefunden habe.

Ich weiss man soll nicht vergleichen. Es ist irgendwie nicht gerecht, aber so sind wir Menschen nun mal. Wir assoziieren und urteilen. Somit kommt man nun einfach gut durchs Leben. Auch wenn es um die anspruchsvolle Bücherwahl geht. Und Menger erinnert mit an meinen hoch verehrten Stephen King in seinen „besten“ Jahren.

Bei meiner Recherche zu Ivan Leon Menger bin ich auf dessen Webseite gestossen. Der Mann ist ein Multitalent. Er ist Autor, Werber, Regisseur, Verleger. Wenn er morgen noch eine Kaffeekette eröffnen würde, wäre ich nicht überrascht. Er ist ein Multipotentialist. Er kann vieles und das sogar noch sehr gut, ganz gegen die vorherrschende Erwartung, dass nur der intensiv eingleisig Gebildete es zu was bringen kann.

Ich möchte nicht lange fackeln und mir den Mund fusselig reden, weshalb du dieses Hörspiel kaufen solltest. Ich kann dir nur ans Hörerherz legen, dass dieses Hörspiel extrem spannend, fesselnd und hochprofessionell umgesetzt wurde. Das Hörspiel spricht für sich selbst. Da muss ich nichts schön oder schlecht reden. Ich kann nur sagen, dass ich sehr froh bin, dass ich mir die 1. Staffel gegönnt habe und ich dieses Hörspiel jedem Hörer uneingeschränkt empfehlen kann. Wenn es nicht zu teuer wäre, würde ich es euch allen schenken. Ich glaube, das sagt schon alles aus, oder? ;-)

Monster 1983 von Ivar Leon Menger, audible.de, 10 Std. 56 Minuten, Hörprobe, rezensiert von Virginia

{GEHÖRT} Der Gerechte von John Grisham

Bild via bookstoeat.com

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Ein Grisham, der uns Leser entweder zu schaffen macht oder uns optimistisch stimmt. Eines ist sicher: für einen Funken Irritation bei seinen Lesern hat der Autor auf alle Fälle mit seinem neuen Werk gesorgt.

„Grisham! Kenn ich, gibt’s doch auch Filme von! Was für ein grelles Cover, so schön rot, so aggressiv! Irgendwie habe ich grade Lust auf einen Justizthriller. Ach ja, warum eigentlich nicht. Au weia, der Auflauf muss aus dem Backofen!“ Ich schmeisse mein Handy auf das Sofa und renne zum Backofen. Fix schaufel ich mir meinen Anteil auf einen Teller und setze mich wieder auf das Sofa im Wohnzimmer. Jetzt aber das Hörbuch laden und lauschen….

Die Geschichte handelt von Sebastian Rudd, einem etwas zwielichtigen Anwalt, der sich vor allem um die kriminelle „Unterschicht“ Klientel kümmert, was nicht bedeutet, dass diese nicht durchaus über ein ansehnliches Vermögen verfügt. Drogendealer, Mörder, Vergewaltiger, Rudd ist Idealist und davon überzeugt, dass jeder Mensch einen fairen Prozess verdient. Seine Kanzlei ist genauso eigen wie Sebastian Rudd selbst, besteht sie doch lediglich aus einem umgebauten Lieferwagen inklusive Bar und Waffenschrank. Unterstützt wird Rudd von seinem langjährigen Freund, der ausschliesslich als Fahrer für ihn fungiert.

Und wovon handelt denn nun die Geschichte zu diesem neuen Grisham Protagonisten?

Total Grisham untypisch treffen wir statt auf eine einzelne Story auf mehrere Handlungsstränge, die Rudd’s und des Lesers ganze Aufmerksamkeit fordern. Zu Beginn scheint es Grisham vor allem darauf angelegt zu haben, dass der Leser seinen Anwalt Sebastian Rudd und dessen Umfeld kennenlernt, weshalb man sich als Leser auch ziemlich schnell mitten im Leben des vielbeschäftigten Anwalts wiederfindet. Von dort steigen wir mit Rudd auf das Justizkarussell und lassen uns über mehrere Runden von verschiedenen Fällen einlullen. Dies gestaltet das Hören des Hörbuches teilweise etwas schwierig, weil die Story verwinkelt und mehrgleisig fährt.

Es kam mir vor, als ob ich die erste Staffel einer Serie vorgelegt bekommen und diese in einem Rutsch konsumiert hätte. Wäre Grishams Protagonist Sebastian Rudd nicht so ungemein kantig und interessant, wäre dieses Konzept wahrscheinlich als Buch gescheitert. Den einzigen roten Faden bildet Rudd’s Privatleben, das von seinem immerwährenden Kampf mit der Ex-Frau, von seinem Sohn und seiner Vorliebe für Käfigkämpfe handelt.

 

3 von 5

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Hier reinlesen oder reinhören!

Als Leserin gebe ich zu, dass ich etwas gespalten bin. Einerseits bin ich von Rudd begeistert und gut unterhalten von dessen Privatleben. Andererseits gibt es da auch die Seite in mir, der schlichtweg die konventionelle Ein-Plott Umsetzung fehlt. Ich konnte nicht herausfinden, ob Grisham plant, mit Rudd weitere Bücher zu füllen. Könnte es mir aber durchaus gut vorstellen. Denn sein Protagonist ist zu gut aufgebaut, um ihn jetzt fallen zu lassen. Und wenn er ihn fallen lassen würde, erschiene der Roman umso nichtsaussagender.

Natürlich erfährt man von Grisham wieder interessante Fakten zum amerikanischen Rechtssystem. So wusste ich z.B. nicht, dass die millionenhohen Klagesummen eher etwas über die „Wichtigkeit“ einer Anklage aussagen, als darüber, was am Ende ausbezahlt wird. Diese ausbezhalte Summe läge, gemäss Grisham, fast nie über einer Million. Lediglich durch die „Unsumme“ würde ausgedrückt, dass mit dem Ankläger nicht zu spassen ist: quasi einer Art Kampfgebrüll unter Anwälten.

Abschliessend vergebe ich 3 von 5 Sternen für den Wiedererkennungswert des Protagonisten und die interessanten Fakten zum Rechtssystem der USA. Weil mir die Mannigfaltigkeit an Fällen etwas zuviel des Guten war und der Roman insgesamt trotz ungekürzter Ausgabe in sich unfertig erscheint, ziehe ich 2 Sterne ab.

Der Gerechte von John Grisham, Randomhouse Audio,  14 Std. 43 Minuten, Lese- und Hörprobe, rezensiert von Virginia

Die Rezension für Menschen mit wenig Zeit: Baba Dunjas letzte Liebe

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Was
Baba Dunja ist eine Tschernobyl-Heimkehrerin. Wo der Rest der Welt nach dem Reaktorunglück die tickenden Geigerzähler und die strahlenden Waldfrüchte fürchtet, baut sich die ehemalige Krankenschwester mit Gleichgesinnten ein neues Leben auf. Wasser gibt es aus dem Brunnen, Elektrizität an guten Tagen und Gemüse aus dem eigenen Garten. Die Vögel rufen im Niemandsland so laut wie nirgends sonst, die Spinnen weben verrückte Netze, und manchmal kommt sogar ein Toter auf einen Plausch vorbei. Während der sterbenskranke Petrov in der Hängematte Liebesgedichte liest, die Gavrilovs im Garten Schach spielen und die Melkerin Marja mit dem fast hundertjährigen Sidorow anbandelt, schreibt Baba Dunja Briefe an ihre Tochter Irina, die Chirurgin bei der deutschen Bundeswehr ist. Und an ihre Enkelin Laura. Doch dann kommen Fremde ins Dorf – und die Gemeinschaft steht erneut vor der Auflösung.

Warum
Weil Sophie Rois diesem Roman erst seinen wahren Charakter einhaucht mit ihrer perfekten Interpretation Baba Dunjas. Wer das Buch liest, verpasst das Beste an dieser auch sonst schon herzerwärmenden Geschichte aus Sicht einer Oma, die man einfach liebhaben muss. Alina Bronsky hat mit Baba Dunja ein kurzes aber intensives Stelldichein verfasst, an das man noch gerne zurückdenkt aufgrund des lieblichen Humors und der eigenbrötlerischen Charaktere.

Wieviel
5 von 5

 

Lese- und Hörprobe

Private Readers Buchtipp KW02/2016: Die Betrogene

PR Buchtipp

Virginia sagt darüber:

„Zum ersten Mal las ich einen Roman von Charlotte Link, von der ich bis vor kurzem noch glaubte, sie sei eine britische Schriftstellerin. Weit gefehlt, wie ich heute weiss. Die deutsche Autorin schreibt lediglich Geschichten, die vorzugsweise in Grossbritannien spielen. Warum das so ist, muss ich noch recherchieren. Eigentlich ist es ja auch nebensächlich, denn Charlotte Link ist nicht umsonst eine gefeierte Bestseller-Autorin, deren Romane reissenden Absatz finden. Für meinen ersten Link war ich positiv überrascht und ich verstehe, warum viele Menschen gern ihre Romane lesen.
In der Hörbuchvariante wurde ich über die insgesamt 11 Stunden und 56 Minuten gut unterhalten. Etwas unschlüssig bin ich mir über das Genre. Ist es nun ein Thriller oder ein Krimi? Für mich war es eine Mischung, ein Thrimi. Lediglich gegen Ende des Romans, als mir durch die Blume mitgeteilt bzw. durch eigene Überlegungen klar wurde, wer der Mörder sein muss, wurde die Spannung gedrosselt. Ich dachte, wozu jetzt noch fertig hören? Das ist aber auch das einzige, was ich zu bemängeln hatte.“


Klappentext
Es gibt nur einen Menschen, den die Polizistin Kate Linville liebt: ihren Vater. Als dieser grausam ermordet wird, verliert Kate ihren letzten Halt. Da sie dem alkoholkranken Ermittler vor Ort nicht traut, begibt sie sich selbst auf die Spurensuche. Und entlarvt die Vergangenheit ihres Vaters als Trugbild, denn er war nicht der, für den sie ihn hielt.

{GELESEN & HÖRTIPP} Die Zeitmaschine von Hank Zerbolesch

Bild via zerbolesch.de

Zeitreisen! Darüber gibt es bereits mehr als genügend Literatur! Warum also noch ein weiteres Zeitreisenspektakel? Weil man es kann und weil es nicht verboten ist. Und das ist ab und an auch sogar richtig gut so. Hank Zerboleschs DIE ZEITMASCHINE ist der beste Beweis dafür.

Für die Rezensionsanfrage von Hank Zerbolesch die Zusendung des Hörspiels auf CD möchten wir uns an dieser Stelle sehr herzlich beim Autor bedanken.

Es ist früh morgens, 7 Uhr um genau zu sein. DIE ZEITMASCHINE halte ich in der Hand während ich in mein Auto steige. Ich bin schlecht gelaunt, um ehrlich zu sein: mir gehts gelinde gesagt, richtig beschissen.

Trotzdem lege ich die Hörspiel CD ein und drücke auf PLAY.

5 von 5

Die Zeitmaschine von Hank Zerbolesch

Die Zeitmaschine auf amazon.de besuchen

Sigmund und Carl-Gustav Leid haben jahrzehntelang daran geforscht. Und es endlich geschafft. Sie haben eine Zeitmaschine gebaut: und sie funktioniert sogar! Als die Brüder im Labor an der bergischen Universität Wuppertal altbekannte Tupperdosen auffinden und die Mutter unauffindbar bleibt, ist für beide eines klar: Mutter ist auf Zeitreise. Und mit sich trägt sie die Zeitmaschine, ein kleines Kästchen. Rasch bauen Sigmund und Carl-Gustav eine zweite Maschine und reisen mit Hilfe von Marvin, einer künstlich geschaffenen Intelligenz, der Mutter durch Raum und Zeit nach. Dabei treffen sie auf die berühmtesten Psychologen der Welt und sogar auf Jesus. Aber wo zum Teufel ist denn nun die Mutter?

„Siiiiiiiichmuuuuund!“ schallt es aus meinen Autolautsprecher. Ich muss laut herauslachen. Mutter Leid strapaziert meine Bauchmuskeln. Und das nicht zu knapp. Zeitreisen ist doch sowas von ernst und Science Fiction lastig. Und hier plärrt mir ein Dialekt um die Ohren, den ich als Schweizerin einfach nur köstlich finde. Ist das der Wuppertaler Jargon? Wahrscheinlich.

Als ich im Büro ankomme und meinen Wagen prätentiös auf dem weissen Rechteck parkiert habe, überkommt mich ein wenig die Muffigkeit. Ich will unbedingt weiterhören. Nicht aussteigen. Lieber würde ich an diesem Hörspiel hängen bleiben und es bis zu Ende hören. Geht aber nicht. Aber: ich habe wenigstens etwas, worauf ich mich in den nächsten Tagen freuen kann, sobald ich unterwegs bin.

Hank Zerbolesch hat mit DIE ZEITMASCHINE ein wunderbar komisches Hörspiel geschaffen. Ich habe selten so herzhaft gelacht. Die Dialoge sind köstlich und zeugen von herrlicher Komik. Sehr dazu beigetragen hat der Hörsprecher David Becher auch bekannt als Gerlinde Buschermöhle, der die betagte Mutter Leid interpretiert. Ohne diesen Hörsprecher wäre das Hörspiel trotz der witzigen und rasanten Dialoge vielleicht nicht so lustig geworden. Hier hat Hank Zerbolesch die ideale Besetzung für sein Hörspiel gefunden, was wiederum davon zeugt, dass der Autor wohl sehr genau weiss, wie man ein Hörspiel gekonnt umsetzt, sodass es der eigenen Vorstellung gerecht wird.

Das Hörspiel strotzt vor frivoler Anarchie, wobei mitunter auch Zigaretten auf einmal eine gewichtige Rolle spielen können. Und natürlich nicht zu vergessen, der nach Koks süchtige Marvin, gesprochen von Michael Heide. Nein, Marvin ist kein Mensch. Marvin ist eine künstliche Intelligenz wie HAL 9000 aus 2001: Odyssee im Weltraum. Marvin ist nicht verlegen, zu allem und jedem seinen Senf beizutragen, was zur allgemeinen Belustigung des Hörers beiträgt.

Wer uns Private Readers kennt, der weiss, dass wir nicht positiv rezensieren, nur weil wir ein Rezensionsexemplar zugeschickt bekommen haben und uns dafür nun erkenntlich zeigen wollen. So kann ich an dieser Stelle wirklich mit reinem Gewissen sagen, dass ich DIE ZEITMASCHINE jedem Hörspielliebhaber empfehlen kann, der gern etwas satirisch Lustiges hören möchte, das Tempo und Spass mit sich bringt. Ich würde mich freuen, wenn Hank Zerbolesch dieses Hörspiel auch noch weiterführen würde und wir Familie Leid auf anderen Abenteuern noch begleiten dürften. Ich wäre die Erste, die sich das Hörspiel besorgen würde. Es war einfach viel zu kurz. Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt. Es dürfte wirklich noch etwas MEHR sein. :-)

DIE ZEITMASCHINE von Hank Zerbolesch, Periplaneta, 133 Minuten auf 1 CD, eine Hörprobe zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Rezension war leider nicht erhältlich, rezensiert von Virginia

Wolfsschlucht von Andreas Föhr

5von5

"Wie geil ist DAS denn! Ein Krimi zum Schiessen komisch!"

Andreas Föhr kenn ich nicht, nie was von dem gehört. Ich wusste wirklich nicht, was ich von Wolfsschlucht zu erwarten hatte. Was für ein Glück, dass ich mich an diesen Krimi getraut habe. Ich wurde sowas von überaus positiv überrascht, dass ich mich jetzt schon auf den Nachfolgekrimi freue.

Eins muss ich vorneweg nehmen: diesen Krimi MUSS man sich einfach in der Hörbuchfassung vom Argon Verlag genehmigen. Und das hat einen triftigen Grund: Michael Schwarzmaier! Was für ein Stimmchamäleon dieser Hörbuchsprecher doch ist. Seine nuancierte Art zu lesen, seine Stimmwandlungsfähigkeiten sind einfach beeindruckend. Föhrs urkomischer, in bayrischer Sprache (und Schwäbisch) verfasste Krimi lebt durch Schwarzmaiers Talent. Besonders von Grossvater Manfred konnte ich nicht genug kriegen, z.B. wenn er sich in seiner rüpelhaften Art über andere Verkehrsteilnehmer aufregt. Da werden einzelne Worte wie „Seitenstrasse“ zum puren Hörgenuss! Saaaitnschtroooosssäää! Ich muss sogar noch im Nachhinein darüber schmunzeln.

Wolfsschlucht ist Föhrs, der mit dem Friedrich Glauser Preis ausgezeichnet wurde, sechster Regionalkrimi mit dem beliebten Tegernseer Ermittlerpaar Leonhardt Kreuthner und Clemens Wallner. Unorthodoxe Polizeimethoden stehen auf dem Tagesplan der Kripo Miesbach. Ganz ernst zu nehmen sind diese natürlich nicht. Mit einem absolut sicheren Händchen für schwarzen Humor schildert der Autor diese neueste Episode seiner Krimireihe.

Der Bestattungsunternehmer Florian Scheffler versinkt mitsamt seinem Leichenwagen in der Mangfall. Aber als wäre das nicht genug, verschwindet zur gleichen Zeit auch die Tochter eines ansässigen Psychiaters, Bianca Stein, spurlos. Bianca’s Auto wird später von einem Maibaum durchbohrt aufgefunden. Schnell kommt der Verdacht auf, dass diese beiden Fälle miteinander in Beziehung stehen könnten.

Föhrs Regio-Krimi ist aufregend, spannend und gespickt von witzigen Dialekteinlagen. Der Autor scheut sich auch nicht davor, mit Slapstick um sich zu schmeissen. Was schnell mal ins Lächerliche abdriften kann, wird hier von Föhr gekonnt umschifft, vielleicht auch der Dialektkomik wegen. Andreas Föhr, der auch Episoden zu  SOKO 5113, Ein Fall für zwei und Der Bulle von Tölz, schrieb, spielt in Wolfsschlucht seine ganze Erfahrung aus und das gefällt. Ich hätte mir keinen besseren Einstieg ins Regionalkrimi Genre wünschen können.

Wolfsschlucht von Andreas Föhr, Argon Verlag (2 CDs mit 592 Minuten Spieldauer), rezensiert von Virginia

RESILIENZ Das Geheimnis der psychischen Widerstandskraft von Christina Berndt

Eine Rezension von Private Reader Virginia

35von5

 
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Wenn man in einer schweren Lebenskrise steckt, greift man nach jedem Strohhalm, den man zu fassen bekommt. Christina Berndts Resilienz: Das Geheimnis der psychischen Widerstandskraft Was uns stark macht gegen Stress, Depressionen und Burn-out ist somit einer dieser Strohhalme, den man sich in der Buchhandlung seines Vertrauens kaufen kann. Die promovierte Biochemikerin schrieb bereits als Wissenschaftsjournalistin für den Spiegel, die Deutsche Presseagentur und den Süddeutschen Rundfunk. Sie hat nun ein umfassendes Sachbuch verfasst zum Thema Resilienz.

Es gibt sie, die Menschen, die auf Krisen und Schicksalsschläge mit Gelassenheit und Selbstsicherheit antworten. Sie verfügen über Resilienz, die Kraft der psychischen Widerstandskraft. Berndt liefert zahlreiche Forschungsergebnisse und zeigt auf, wie Resilienz entsteht und wie man auch im Erwachsenenalter noch an Widerstandskraft gewinnen kann. Aber ist diese geheimnisvolle Kraft für jeden zugänglich?

Mit Interesse habe ich mir dieses Sachbuch in der Hörbuchfassung von Ulrike Hübschmann gekonnt vorlesen lassen. Das Buch ist in verschiedene Kapitel aufgegliedert, beginnend mit dem Thema „Hier ist Stärke gefragt“ bis hin zu „Wie man Kinder stark macht“, was für viele verantwortungsbewusste Eltern sicherlich von Interesse sein dürfte. Auch die Genetik und Neurobiologie, sowie Umweltaspekte werden in diesem Werk mit viel Fakten präsentiert. Mit einem Selbsttest kann man zudem herausfinden, wie resilient man selber ist.

Beeindruckend ist, wie viel an Wissen und Fakten in dieses doch eher schmales (230 Seiten) Buch gepackt wurden. Dementsprechend ist es für sich gesehen, ein doch sehr umfangreiches Werk, auf das man immer mal wieder zurückgreifen kann.

Weniger überzeugt hat das Sachbuch mit der Auflistung von Menschen, die die Resilienz für sich gepachtet haben. Da die Zielgruppe dieses Sachbuches sich wohl mehrheitlich aus psychisch angeschlagenen Lesern zusammensetzt, erweckt das Buch rasch den Eindruck auf einen Kranken, dass man eigentlich an seiner Misere selber schuld ist. Es gibt nichts, was sich mit etwas mehr Resilienz nicht aus der Welt schaffen liesse, so der Eindruck. Dass im Buchtitel auch Depressionen mit einbezogen werden, erscheint etwas gedankenlos. Da Depressionen wohl sicherlich nicht nur eine Frage der Resilienz darstellen, sondern eher der biochemischen Vorgänge im Gehirn.

Alles in allem ist Resilienz ein spannendes Sachbuch, das man jedoch auch mit etwas Vorsicht geniessen sollte, wenn man selber in einer Lebenskrise steckt. Es empfiehlt sich hierbei doch eher, unbedingt die professionelle Hilfe eines Psychiaters in Anspruch zu nehmen. Wer in seinem Leben mehr oder weniger mit allen Widrigkeiten selber fertig wird, eröffnen sich mit diesem Sachbuch interessante Einblicke zur Selbsthilfe.

RESILIENZ Das Geheimnis der psychischen Widerstandskraft von Christina Berndt, dtv (280 Seiten) oder DAV (16 Stunden 36 Minuten), Leseprobe

Der Seidenspinner von Robert Galbraith

Eine Rezension von Private Reader Virginia


5von5

 



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Kaum ist der erste Band der neuen Krimireihe rund um Privatermittler Cormoran Strike, ausgelesen, liefert uns Robert Galbraith (Pseudonym von J.K. Rowling) bereits den Nachfolger mit dem Titel „Der Seidenspinner“. Rowling hatte sich kurz vor der Veröffentlichung des ersten Bandes erst auf Nachfrage der Sunday Times zu dem Pseudonym bekannt. Es sei eine befreiende Erfahrung für sie gewesen, als Robert Galbraith zu schreiben. Sie wollte damit einem zuvorkommenden Hype und dem Druck der Erwartung entkommen, um in Ruhe schreiben zu können, rechtfertigte sich die Mutter von drei Kindern.

Der Roman wurde erst nur mässig abgesetzt. Doch als bekannt wurde, dass sich hinter Robert Galbraith die Schöpferin von Harry Potter verbirgt, schossen die Verkaufszahlen umgehend in die Höhe und der Roman erklomm in nur einem Tag tatsächlich Platz 1 der Verkaufscharts auf amazon.

Die Annahme, dass der Seidenspinner ohne Demaskierung von Robert Galbraith ähnliche Erfolge wohl kaum zu erzielen vermocht hätte, kann man getrost verwerfen. Denn ob Rowling oder Galbraith, die Autorin weiss auch erwachsene Leser mit Krimivorliebe bestens zu unterhalten.

Im zweiten Band der Cormoran Strike Reihe ermittelt der ehemalige Soldat als Privatdetektiv im Falle des Autoren Owen Quine. Dessen Ehefrau bittet Strike, ihren Mann ausfindig zu machen. Es ist zwar nicht das erste Mal, dass Quine untertaucht für einige Tage, aber da der Inhalt des soeben vollendeten Manuskripts jegliche lebenden Personen aus dem Umfeld Quines durch den Kakao zieht, schwant dem erfahrenen Ermittler Übles.
Als der Autor ermordet in einem ihm zur Hälfte vermachten, leerstehenden Haus, aufgefunden wird, gerät Quines Ehefrau in das Fadenkreuz der Polizei. Strike ist sich sicher, dass Quines Ehefrau unschuldig ist. Vielmehr ist er der Überzeugung, dass „Bombyx Mori“ (Latein für Seidenspinner), Quines explosives Manuskript, den Schlüssel zur Auflösung des Mordfalles enthält.

Das zweite Werk der neuen Krimireihe steht seinem Erstling in nichts nach. Ganz im Gegenteil. Der Seidenspinner überzeugt mit einer detailverliebten, gut konstruierten Geschichte, voll von Irrungen und Wendungen, die unterhaltsam präsentiert und sogar mit einer sich anbahnenden Liebesgeschichte garniert, aufwartet. Strike und seine Assistentin Robin Ellacott werden lebendig und man ertappt sich dabei, dass man sich nichts sehnlicher wünscht, als dass aus den beiden ein Liebespaar wird. Nebenbei fiebert man dem Ende und somit der Auflösung des Mordfalles entgegen und möchte gleichzeitig, dass dieses Lesevergnügen nie endet.

Kriminalistisch bietet „Der Seidenspinner“ hochstehend britischen Crime Thrill, offeriert viele Fährten und noch mehr Sackgassen. Besonders in der Hörbuchvariante kommt man als Hörer nicht umhin, sich manchmal zu wünschen, man hätte doch besser das Buch gelesen. Die zahlreichen Charaktere, von Dietmar Wunder auch hier wieder prägnant vorgelesen, verwirren zeitweise den Hörer. Man kann es sich nicht erlauben, unaufmerksam zu werden und so findet man sich des öfteren wieder beim Zurückspulen des bereits Gehörten, um den zwischenzeitlich verlorenen Faden wieder aufzunehmen zu können.

Die Aussicht auf den dritten Band lässt freudige Erwartung aufkommen und den einen oder anderen Hörbuchliebhaber mit dem Gedanken spielen, sich vielleicht für den nächsten Band doch besser die Buchvariante zu besorgen.

 

Der Seidenspinner von Robert Galbraith, Blanvalet (672 Seiten) oder Random House (16 Stunden 36 Minuten)

Ich.Darf.Nicht.Schlafen. von S.J. Watson

Eine Rezension von Private Reader Virginia

 

3 von 5 Sternen

 

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Der erste Roman des Briten S.J. Watson erschien 2011. Danach ist es um den promovierten Physiker ruhig geworden bis zum 9. Oktober 2014, als auf seiner Homepage die Meldung publiziert wurde, dass sein zweiter Roman Second Life im Februar 2015 im Buchhandel erscheinen werde. Seit ein paar Tagen ist nun auch sein zweiter Roman in der Originalsprache käuflich zu erwerben. Wann die deutsche Fassung erscheint, ist bisher nicht bekannt. So begnügen wir uns vorab noch mit seinem ersten Werk.

Ich.darf.nicht.schlafen. erzählt die Geschichte von Christine, die seit einem Autounfall an Amnesie leidet. Jeweils über Nacht verliert sie ihre Erinnerungen und ist auf ihren Ehemann Ben angewiesen, der sie seit dem Unfall liebevoll und aufopfernd pflegt. Als Christine von ihrem Arzt kontaktiert wird, der sie auf ihr Tagebuch aufmerksam macht, das sie seit kurzer Zeit führt, kommt etwas Licht ins Dunkel.  „Vertraue Ben nicht“ steht in diesem Tagebuch in ihrer eigenen Handschrift. Die Angst ist geschürt.

S.J. Watsons‘ erster Roman spielt mit der Angst um den Verlust der eigenen Identität. Durch Christine erlebt der Leser quasi am eigenen Leibe mit, wie sich eine Amnesie auf die Psyche des Betroffenen auswirkt. Der tägliche Kampf um die Erinnerungen stellt in diesem Thriller die Plattform, auf welcher sich auch die Haupthandlung abspielt, die eigentliche Suche nach der Wahrheit. Wer ist mein Mann und kann ich ihm trauen oder nicht?

Der Schreibstil ist flüssig und unkompliziert und der Thriller liest sich rasch und beinahe „atemlos“. Auch das Hörbuch, gesprochen von Tanja Geke, weiss zu unterhalten und wird von der erfahrenen Synchronsprecherin packend und fesselnd vorgelesen. Leider schwächelt der Roman kurzzeitig, wenn der Leser in Sherlockmanier dem Täter auf die Schliche kommt. Christines unglaubliche Blindheit  gegenüber dem Offensichtlichen wirkt gekünstelt und unglaubhaft, was den einen oder anderen Leser verärgert. Auch vernachlässigt der Autor es, die Umgebung und andere Details genauer zu beschreiben, was vielleicht durchaus auch gewollt sein könnte, um dem Leser das Gefühl zu vermitteln, die Geschichte ausschliesslich mittels Christines Gedankenwelt zu erleben. Trotzdem hätte der Roman etwas mehr „Farbe“ vertragen können.

S.J. Watson ist ein gutes Debüt gelungen und es ist nun zu hoffen, dass der Jungautor mit seinem zweiten Roman „Second Life“ noch die eine oder andere Kinderkrankheit aus seinem ersten Roman zu kurieren vermag. Dass sein erstes Werk nun von Ridley Scott, mit Nicole Kidman in der Hauptrolle als Christine, verfilmt wurde, ist auf jeden Fall ein positives Zeichen.

Ich.darf.nicht.schlafen von S.J. Watson, Fischer Taschenbuch, 400 Seiten

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