Gastrezension: Totenlied von Tess Gerritsen

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Diese Gastrezension kommt von Blogger Solera. Wir freuen uns, dass Solera sich bei uns mit einem Gastartikel einbringt und wünschen Euch viel Spass bei der Lektüre.

Auf eine Empfehlung von Virginia vom Private Readers Book Club habe ich mir vor ein paar Monaten das Hörbuch „Totenlied“ von Tess Gerritsen besorgt und während meiner Gartengestaltungsaktion im August durchgehört. Seit damals habe ich immer wieder an dieser Rezension gesessen, doch zufrieden war ich nie.

Insgesamt hat das Hörbuch einen zwiespältigen Eindruck bei mir hinterlassen: Einerseits war ich als Musiker fasziniert von den Schilderungen, die durchaus gelungen waren (es gibt Autoren, denen man es leider nur allzu deutlich anmerkt, dass sie keine Musiker sind, was bei Tess Gerritsen glücklicherweise nicht der Fall ist), andererseits ist die Protagonistin ein derart getriebener und unlogisch handelnder Charakter (auch wenn die Geschichte am Ende gerade noch „die Kurve kriegt“), dass sich an einigen Stellen alles in mir dagegen sträubte.

Eigentlich ist letzteres ein Beleg für die ausgereifte schriftstellerische Fertigkeit der Autorin, das musste ich nach einigen Tagen, die ich diese Rezension habe ruhen lassen, einsehen. Denn wie ich auch bei einem Film nur bei einer wirklich gelungenen Darstellung eine echte Antipathie gegen den Bösewicht entwickle, so entstand dieses Gefühl vor allem, weil die Schilderungen im (Hör-)Buch mich anscheinend sehr direkt ansprachen.

img_3636hier geht’s zur Hör- und Leseprobe zu Totenlied

Zum Inhalt

Die Handlung von „Totenlied“ weist zwei Erzählstränge auf, die sich immer wieder abwechseln und am Ende vereinen:

  1. Julia, die zweite Violinistin eines Streichquartetts, kauft bei einem Antiquitätenhändler in Italien ein altes Notenbuch voller Zigeuner-Melodien. Im Buch liegt auch noch ein weiteres loses Notenblatt, auf dem der Walzer „Incendio“ eines italienischen Komponisten namens Todesco notiert ist. Wieder daheim in den USA beginnt sie mit dem Üben des Walzers, doch jedes Mal, wenn sie den Walzer spielt, geschehen seltsame Dinge: Beim ersten Mal wird ihre Katze getötet, beim zweiten Mal wird ihr von ihrer eigenen kleinen Tochter eine Glasscherbe ins Bein gerammt… Ihr psychologischer Zustand verschlechtert sich, sie fühlt sich verfolgt und bedroht. Gleichzeitig entfremdet sie sich allen Menschen in ihrer Umgebung. In ihrer zunehmenden Verzweiflung reist sie nach Venedig, um die Ursprünge des Walzers genauer zu erkunden und so möglicherweise das Rätsel um ihre eigene Verfassung zu lösen…
  2. Italien, Mitte/Ende der 1930er bis Mitte der 1940er Jahre: Lorenzo, ein jüdischer Geiger, arbeitet mit der Cellistin Laura auf die Teilnahme an einem Musikwettbewerb hin. Während der wöchentlichen Proben entwickeln die beiden tiefe Gefühle füreinander. Im Vorfeld des Wettbewerbs kommen immer wieder die für Juden veränderten Gesetze und Umstände zur Sprache, doch keiner der beiden fühlt sich davon eingeschränkt oder bedroht. Am Tag des Wettbewerbs werden die beiden jedoch kurz vor der Teilnahme aufgrund Lorenzos jüdischer Abstammung disqualifiziert. Sie spielen dennoch, müssen danach aber erwartungsgemäß ohne Preis das Feld räumen, denn die für den Wettbewerb Verantwortlichen wollen ihr eigenes Leben nicht durch die Verleihung eines Preises an einen jüdischen Musiker gefährden. Frustriert zieht Lorenzo sich in seine eigene Welt zurück. Ein paar Jahre später wird das gesamte jüdische Viertel in ein Arbeits- bzw. Konzentrationslager umgesiedelt. An einer Zwischenstation wird Lorenzo als fähiger Musiker erkannt und vom Rest der Gruppe getrennt. Er wird einem kleinen Orchester vorangestellt, um Musik für alle möglichen Anlässe, vor allem aber zur Tarnung der Ermordung jüdischer Gefangener zu spielen. Alle übrigen – auch Lorenzos gesamte Familie – landen ohne Umwege in einem polnischen Vernichtungslager.

Mehr darf ich nicht verraten, um für möglicherweise interessierte zukünftige Hörer/Leser noch ein wenig Spannung im Spiel zu halten. Das Ende ist eine gelungene Auflösung der ineinander verwobenen Handlungsstränge, mehr dazu im Fazit.

Zum Hörbuch

Die Hörbuch-Fassung ist insgesamt gelungen, technisch auf jeden Fall einwandfrei, jedes Wort ist glasklar verständlich, jede Gefühlsregung wird deutlich transportiert. Die Charaktere werden sehr plastisch durch unterschiedliche Modulationen voneinander abgesetzt und bleiben auch in längeren Dialog-Strecken gut zu unterscheiden. Das ist wirklich toll.

Einen Kritikpunkt habe ich jedoch, denn meiner Meinung nach schießt die Vorleserin, Mechthild Großmann, an der einen oder anderen Stelle ein wenig über ihr Ziel hinaus. An Stellen großer emotionaler Erregung finde ich ihre Art des Vorlesens schlicht und einfach etwas übertrieben – andererseits liegt das vielleicht auch nur daran, dass dies eben nicht meine Art wäre, mich zu verhalten bzw. auszudrücken. Dieser Makel ist aber in der Summe zum Glück eher gering.

Die Hörbuchfassung enthält noch einen kleinen Bonus, der dem gedruckten Roman sicherlich fehlen wird: Eine Aufnahme des von der Autorin selbst komponierten Walzers. Nun könnte man als Musiker leicht die Nase rümpfen und das Haar in der Suppe suchen, schließlich „wildert“ die Autorin in einem fremden Metier, doch nach dem Ende dieses emotional durchaus aufgeladenen Hörbuchs diesen Walzer präsentiert zu bekommen (noch dazu in wirklich guter Audio-Qualität), ist sicher nicht nur für mich ein sehr schöner Moment. Ich habe ihn angehört und dabei die Abrundung des gesamten Hörbuch-Erlebnisses genossen.

Fazit

Alles in allem ist das Hörbuch also sicher eine gute Wahl. Wenn noch ein wenig Zeit vergangen ist, vielleicht ein halbes Jahr oder etwas mehr, höre ich es mir in aller Ruhe noch einmal an. Mal sehen, ob sich der Genuss vergrößert, wenn ich nicht mehr auf jedes kleine Detail achten muss, weil mir der Ausgang der Geschichte schon bekannt ist. Oft kommen dann andere, auf den ersten Blick eher nebensächliche, für die Gesamtstimmung und das innere Bild der Geschichte aber so wichtige Details stärker zur Geltung, wodurch die Wirkung intensiviert werden kann. Und dann werde ich herausfinden, ob sich meine Abneigung gegen die Protagonistin irgendwie verändert hat.

Gastrezension: Zorro von Isabel Allende

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Unsere erste Gastrezension kommt von Blogger Solera. Einige von Euch kennen ihn und seinen Blog Solera1847 sicherlich bereits. Wir freuen uns, dass Solera sich bei uns mit einem Gastartikel einbringt. Also…..Bühne frei für seine Rezension zu Zorro von Isabel Allende.


„(Zorro) is the father of Batman and Superman. He’s the father of all the action heroes with the double personality. Most of those guys have magic tricks. Zorro has only his own skills.“ (Isabel Allende, 2003)


Kindheitserinnerungen

In meiner Kindheit sah ich im Vorabendprogramm des öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramms (mehr gab es damals ja noch nicht in Deutschland) die in nostalgischem schwarz/weiß gehaltene Serie „Western von gestern“. Der Begriff „Serie“ ist hierbei technisch nicht korrekt, denn „Western von gestern“ bestand jeweils aus einer Zusammenstellung verschiedener und inhaltlich nicht näher zusammenhängender Kurzfilme, die – das war das verbindende Element – im Wilden Westen spielten. Für mich war die faszinierendste Figur, die auch immer wieder mal vorkam (was dann jeweils einen Freudenjuchzer hervorrief), ganz klar der maskierte Wildwest-Robin Hood: Zorro.

Jede einzelne Episode war für mich ein Highlight, denn Zorro stand immer ganz klar auf der Seite des Guten, setzte sich für die Schwachen ein – und er siegte immer. Als Kind war das schön einfach (und ganz passend zum schwarz/weiß-Format der Sendung), daher ist das positive Image der Figur Zorro bereits da in meinem Unterbewusstsein geprägt worden. Und ich möchte wetten, dass es Unmengen anderer Personen ebenso ergangen ist. Und das bringt uns zum Roman „Zorro“ der chilenischen Schriftstellerin Isabel Allende.


Die Autorin

Eigentlich müsste man Isabel Allende kaum mehr vorstellen, denn bereits ihr Debüt-Roman „Das Geisterhaus“ aus dem Jahr 1982 machte sie weltweit berühmt. Dennoch kann ich an dieser Stelle vielleicht noch die eine oder andere Facette hinzufügen, die auch für den Genuss des Romans von Bedeutung ist. Dazu gehört, dass Isabel Allende sich dessen voll und ganz bewusst ist, eine Romanschriftstellerin zu sein. Sie weist jegliche journalistische Fähigkeit entschieden von sich:

„I’m a lousy journalist because I can’t stick to the plain truth, I have to embellish it.“ (Dan Glaister: „Loving Zorro, Writing Zorro“, S. 9).

Pablo Neruda drückte sich ihr gegenüber da noch viel deutlicher aus:

„You’re incapable of being objective, you put yourself at the centre of everything. I suspect that you lie a lot, and where there is no news, you invent it. Wouldn’t it be better to turn to writing novels? In literature, these defects are virtues.“

Frei übersetzt:

Sie sind unfähig, objektiv zu bleiben, Sie stellen sich selbst immer ins Zentrum. Ich vermute, dass Sie viel lügen, und wenn es keine Neuigkeiten gibt, erfinden Sie welche. Wäre es nicht besser, Sie würden sich dem Romanschreiben zuwenden? Alle Ihre Schwächen werden beim Schreiben von Romanen zu Stärken.


Zorro – Der „definitive“ Roman

Im August 2003 klingelte eine Gruppe von völlig unbekannten Personen an der Wohnungstür von Isabel Allende in San Rafael (in der Nähe von San Francisco). Als sie die Tür öffnete und niemanden erkannte, sagte einer der Gruppe: „Uns gehört Zorro.“ Der Anführer der kleinen Gruppe war John Gertz. Sein Vater hatte 1920 die Rechte an der Figur Zorro vom Autor des ersten Groschenromans gekauft. Gemeinsam mit Disney hatte er sich dann daran begeben, eine Vielzahl unterschiedlicher medialer Verkörperungen Zorros in die Welt zu setzen – mit Erfolg, wie meine eigenen Kindheitserinnerungen zeigen. Sie unterhielten sich eine Weile, bis dann irgendwann die Katze aus dem Sack gelassen wurde: John Gertz und seinen Geschäftskollegen war aufgefallen, dass Zorro in Filmen, TV-Sendungen und Comics vertreten war, nur nicht in der „ernsthaften“ Literatur. Also hatten sie sich auf die Suche nach einem Schriftsteller begeben, der den Hintergrund der Figur Zorro mit Leben erfüllen könnte:

Zorro1 Zorro von Isabel Allende – hier mit Klick zur Leseprobe surfen

 

„Someone to fill in the backstory of Zorro, the early years; someone who, like Zorro, knew California well and could think in Spanish; someone with a track record in historical research; someone who could bring a Latin sensibility to the myth of the Mexican-American do-gooder. And so they knocked on Isabel Allende’s door. (…) We have the character and you have the talent to write the book. Are you interested?“

Mitgebracht hatten sie einen ganzen Karton voller Material: Alte Filme, Comics, Aufnahmen der Fernseh-Serien und dergleichen. Und so begann Isabel Allende, sich wieder in den Helden Zorro zu verlieben. Das Resultat dieser literarischen Romanze möchte ich mit diesem Beitrag vorstellen.


Zufall

Dass ich den Roman jemals in die Hand genommen habe, geht auf einen reinen Zufall zurück: 2006 waren wir (damals noch nur zu dritt) in unserem Auto auf einer zweiwöchigen Reise quer durch Schottland. Neben vielen wundervollen Sommertagen ereilte uns ein paar Tage lang auch das unvermeidliche englische Wetter, bei dem sich Regen und Nebel die Klinke in die Hand gaben. Gerade als wir in Inverness angekommen waren, regnete es den ganzen Tag sehr ergiebig von morgens bis abends ohne jede Pause. Also suchten wir kurzentschlossen einen Buchladen auf, kauften ein bisschen frisches Lesefutter, fuhren zu unserer nächsten Unterkunft und verbrachten dann den restlichen Tag gemütlich beim Lesen.

Ich wählte aus einem Regal, das mit dem Slogan „Nimm drei, zahle zwei!“ warb, die angeratenen drei Bücher. Die beiden anderen Bücher habe ich meiner Erinnerung nach niemals angefangen, ich weiß nicht einmal mehr, welche es waren, doch schon die Einleitung von „Zorro“ hat mich so eingefangen, dass ich alles um mich herum vergaß. Mit dem Roman war ich fertig, bevor wir uns wieder auf den Kontinent zurückbegaben.


Handlung

Eine kleine Vorbemerkung muss sein: „Zorro“ ist ein etwa 400 Seiten starker Roman, dessen Reiz in der Illustration fremder Orte, dem Zeichnen von konträren Charakteren und – natürlich – atemberaubender Action liegt, eben genau das, was man von einem klassischen „Abenteuer-Roman“ erwartet. Insofern ist jede Inhaltsangabe von vornherein zum Scheitern verurteilt, denn selbst eine umfängliche Auflistung aller exotischen Orte, an denen die Geschichte in ihrem verworrenen Verlauf spielt, kann niemals die sprachliche Gewandtheit der Autorin widerspiegeln. Und genau die macht den Roman zu einem solchen Genuss. Dennoch werde ich es versuchen, die groben Züge der Handlung darzulegen (der Schweiß tropft schon…):

Diego de la Vega ist der Sohn des aus Spanien stammenden kalifornischen Grundbesitzers Alejandro de la Vega, der im Laufe seines langen Lebens zu einigem Wohlstand und politischem Einfluss gekommen ist, und einer indianischen Mutter namens Toypurnia, die durch den mehrjährigen Aufenthalt beim spanischen Gouverneur Pedro Fages und seiner Frau Eulalia de Callís in eine anmutige Schönheit namens Regina „verwandelt“ wird. Diego wird als einziger Sohn dieser Ehe fast gleichzeitig mit einem weiteren indianischen Jungen namens Bernardo geboren, die beiden wachsen gemeinsam auf – bereits hier in zwei parallelen Gesellschaften: der der hispanoamerikanischen Großgrundbesitzer einerseits und der der Indianer andererseits.

Die formelle Ausbildung übernimmt der örtliche Pater Mendoza, die informelle Toypurnias Mutter Weiße Eule, das weibliche Äquivalent zum Medizinmann ihres Stammes. Im Verlauf eines Initiationsrituals, bei dem Bernardo und Diego nach einigen Tagen des Fastens auf die Suche nach einer Vision geschickt werden, entdecken die beiden ihre jeweiligen Totem-Tiere: Bernardo ein junges Fohlen, Diego einen Fuchs, spanisch „el zorro“.

Als die beiden Jungen zu jungen Männern herangewachsen sind, begeben sie sich gemeinsam in die alte Welt, um in Barcelona zu studieren bzw. (der eigentliche Grund) bei Maestro Manuel Escalante in der Kunst des Fechtens unterwiesen zu werden, dessen Abhandlung über die Fechtkunst sie seit Jahren auswendig beherrschen (und nach deren Anleitung sie ebenso lange trainieren). Kaum sind sie im von den Franzosen besetzten Spanien dort angekommen, wo sie im Haus von Tomás de Romeu, einem Freund von Alejandro de la Vega, wohnen werden, verliebt sich Diego unsterblich in dessen Tochter Juliana. Deren Schwester, Isabel, ein burschikoser Querkopf, freundet sich mit beiden, insbesondere aber Bernardo an.

Alsbald wird Diego ein Fechtschüler von Manuel Escalante, erweist sich – wenig erstaunlich – als sein begabtester und eifrigster Schüler und verdient sich somit Einblick in einige Geheimnisse. Dazu gehört auch die Mitgliedschaft in einer Art Freimaurerbund, der geschworen hat, den Menschen Gutes zu tun und Gerechtigkeit herzustellen. Schon bald wird Diego Mitglied in dieser Vereinigung.

Parallel dazu erhält Diegos Liebenswerben um Juliana einen empfindlichen Dämpfer, denn diese hat schon einen Verehrer, noch dazu einen äußerst aufdringlichen, dem überdies noch schier unerschöpfliche finanzielle Möglichkeiten zur Verfügung stehen: Rafael Moncada (ganz nebenbei bemerkt: Er ist der Sohn der oben erwähnten Eulalia de Callís). Mit unzähligen mehr oder weniger aufrichtigen und teils geradewegs hinterhältigen Tricks versucht er, Juliana davon zu überzeugen, er sei der einzig Wahre für sie. Im Zuge einer dieser Aktionen, die Diego und Bernardo natürlich sofort durchschauen, lernen sie einen Zigeuner-Clan kennen, mit denen es später im Verlauf der Geschichte noch ein paar Berührungspunkte geben wird.

Eines Tages trifft ein Brief aus Kalifornien ein: Bernardo muss sofort nach Hause zurückkehren, da seine Freundin/Frau Blitz in der Nacht mit einem – ihrem gemeinsamen – Kind in der Mission von Pater Mendoza aufgetaucht ist. Trotz aller freundschaftlichen Bande zwischen den beiden jungen Männern ist sofort klar, dass Bernardo zurück nach Amerika reisen muss. Binnen Tagen findet er ein Schiff und geht an Bord – ihn treffen wir erst kurz vor dem Ende der Geschichte wieder.

Nach ein paar Jahren des Studiums in Spanien verändert sich die politische Situation dramatisch: Die Spanier erobern ihr eigenes Land zurück und werfen die Franzosen mit brutaler Gewalt aus dem Land. In der Folge wird die alte Verfassung wieder eingesetzt, die Inquisition reinstitutionalisiert – und eine wahre Säuberungswelle beginnt. Tomás de Romeu, ein erklärter Freund der Franzosen, gerät somit in große Gefahr. Da er keinen nennenswerten politischen Einfluss hat, wähnt er sich nicht in Gefahr und verbleibt mit seiner Familie am Ort. Rafael Moncada sieht in dieser Situation seine Chance gekommen und denunziert ihn kurzerhand, woraufhin er verhaftet wird. Kurz vor seiner Hinrichtung nimmt er Diego noch das Versprechen ab, sich um die beiden Töchter zu kümmern, sie nach Kalifornien zu bringen und sie dort unter den Schutz von Alejandro de la Vega zu stellen.

Nun beginnt eine dramatische Flucht: Diego, Isabel, Juliana und Nuria, die Gouvernante der beiden Mädchen, fliehen – in Lumpen als Pilger verkleidet – auf dem Jakobsweg nach La Coruña. Hier erhalten sie unter anderem Hilfe von den oben bereits erwähnten Zigeunern. Von ihnen lernt Diego im Austausch für einige Dienste, die er ihnen erweist, Unterricht im artistischen Reiten – was sich später noch als sehr hilfreich erweisen soll.

Einige Wochen später erreichen die vier erschöpften „Pilger“ endlich die anvisierte Hafenstadt, dort treffen sie durch Zufall auf einen Schiffskapitän, der ebenfalls Mitglied in eben jenem Geheimbund ist, dem auch Maestro Manuel Escalante und Diego de la Vega angehören. Er schmuggelt sie außer Landes und nimmt sie mit auf eine Reise in Richtung Amerika. Wie es sich für einen echten Abenteuerroman nun einmal gehört, wird das Schiff dann aber in der Karibik von Piraten gekapert. Beim Anblick der hübschen jungen Damen ist sofort klar, dass hier ein großes Lösegeld zu holen sein müsste. Also nimmt der Pirat Jean Lafitte alle vier gefangen. Und es passiert, was Diego immer für unmöglich gehalten hatte: Juliana, seine angebetete Juliana, verliebt sich Tage Hals über Kopf in den charmanten Seeräuber. Dessen Frau ist bei der Geburt ihres ersten Sohnes gestorben. Nach ihrer schnell anberaumten Hochzeit, gegen die Diego fruchtlos protestiert, dürfen die verbliebenen drei Flüchtlinge weiter gen Kalifornien ziehen.

Als sie endlich dort ankommen, ist aber nichts so, wie es einmal gewesen war: Rafael Moncada, von beinahe irrem Rachedurst angetrieben, hat seinen gesamten Reichtum eingesetzt, um politischen Einfluss in Kalifornien zu gewinnen. Dann hat er systematisch Alejandro de la Vega mit falschen Anschuldigungen ins Gefängnis gebracht, wo dieser – mittlerweile ein alter Mann – mehr tot als lebendig vor sich hin vegetiert. Die Indianer, die früher in überwiegend friedlicher Koexistenz zu den Weißen in ihren Dörfern lebten, haben sich weit in die Wildnis zurückgezogen. Moncada lässt immer wieder Indianer fangen, die dann als Sklaven nach Perlen tauchen müssen, mit denen er seinen Reichtum weiter vergrößert. Jeder Leser erkennt: Eine Aufgabe, die nur der legendäre Zorro lösen kann.

Wie genau er das auflöst, darf ich hier nicht verraten, denn ein kleines bisschen Spannung muss ich den Interessenten ja noch aufheben. Ein kleiner Tipp noch: Die gesamte Geschichte wird aus einer faszinierenden Perspektive geschrieben (eben nicht aus der Sicht des allwissenden Erzählers). Ganz am Schluss wird dies endlich mit Sicherheit aufgeklärt – und sorgt somit ein weiteres Mal für Erheiterung beim Leser.


Nuria

Ein für den Verlauf der Handlung nur bedingt wichtiger, aber einfühlsam und humorvoll geschilderter Charakter ist Nuria, das „Kindermädchen“ für Juliana und Isabel de Romeu. Zuerst nimmt man sie als eine typische strenge und allen nicht der Kernfamilie angehörenden Personen gegenüber extrem reservierte Gouvernante wahr, doch im Verlauf der dramatischen Ereignisse entpuppt sie sich als wahrer Engel für alle, die mit ihr zu tun haben. Aus ihrer anfänglichen Zurückhaltung Diego und Bernardo gegenüber wird bald eine innige Zuneigung, immer und immer wieder zaubert sie ein Schmunzeln auf das Gesicht des Lesers. Meine Frau und ich waren von diesem herrlich lebendig beschriebenen Charakter so angetan, dass wir den Namen Nuria unserer jüngsten Tochter gaben. Und er passt auch perfekt zu ihr…


Hörbuch

Es gibt auch eine sehr gelungene Hörbuch-Fassung (insgesamt 14 CDs), die von der österreichischen Schauspielerin Sissy Höfferer gelesen wird.

Zorro2 Zorro: Ungekürzte Lesung – mit Klick zur Hörprobe surfen

Bei einer Gesamtdauer von etwa 16 Stunden — es handelt sich um die ungekürzte Romanfassung — kommt nie auch nur für einen Moment Langeweile auf, da jeder einzelne Charakter von Sissy Höfferer auf eindringliche Weise so dargestellt wird, wie es zur Geschichte passt. Auch der Schalk, der an vielen Stellen durch die Handlung blitzt, wird von ihr im genau richtigen Maß verkörpert. Wer sich dieses Hörbuch gönnt, macht unter Garantie keinen Fehler!


Fazit

Wirkliche Abenteuerromane sind meiner Wahrnehmung nach in den letzten Jahren rar geworden. Mit „Zorro“ ist Isabel Allende jedoch ein derartiges Glanzstück gelungen, dass man sich ernsthaft fragen darf, warum dieses Genre nicht mehr so beliebt zu sein scheint. Wie schon erwähnt besticht der Roman durch faszinierende Charaktere, die so liebevoll gezeichnet werden, dass die Bösewichte einen bis in den von Albträumen zerrütteten Schlaf und die Helden bis in die gloriosesten Tagträume hinein verfolgen. Gleichzeitig spielt er in einer Zeit, in der die Welt noch so groß und weit war und so viel zu entdecken bot, dass eine Reise fast von allein zu einem Abenteuer geriet — ob man wollte oder nicht. Diese Lust am Entdecken, an der Vorfreude und gleichzeitig Angst vor der Überraschung, die hinter jedem Winkel lauerte, hat Isabel Allende mit großem Geschick eingefangen und auch dem heutigen Leser so anmutig präsentiert, dass man sich mit fast kindlicher Faszination von ihr in diese Welt voller Wunder entführen lässt. Und die Reise ist es wert. Darüber hinaus ist Isabel Allende das schier Unmögliche gelungen: Sie hat aus der Vielzahl sich teils widersprechender Legenden um die Figur Zorro eine zusammenhängende und stimmige Geschichte gewoben, die für alle seine späteren Fähigkeiten, für seinen Gerechtigkeitssinn, kurz: für seinen gesamten Charakter eine plausible Erklärung bietet. Allein deshalb lohnt es sich, den Roman zu lesen, denn alle Kindheits-Mythen bezüglich dieses Wild West-Robin Hoods fügen sich danach wie die Teile eines Puzzles zu einem größeren Ganzen zusammen.


verfasst von Solera1847

Buch-Rezension: Johnny Hübner greift ein von Hartmut El Kurdi

Buch-Rezension: Johnny Hübner greift ein von Hartmut El Kurdi
Andrea und Finnja

Private Reader Andrea mit ihrer Tochter Finnja

Diese Buchrezension wurde von Finnja, der Tochter von unserem Private Readers Book Club Mitglied Andrea geschrieben. Finnja ist knappe 10 Jahre alt. Inspiriert durch die Rezension von der Mama wollte auch sie einmal eine Rezension schreiben. Und hier ist nun die Rezension vom jüngsten Private Reader, den es je gegeben hat. Ein herzliches Dankeschön geht an Finnja und Andrea für diese tolle Tochter-Mutter Combo!

4 von 5

Ich wählte dieses Buch, weil ich vorher schon kurze Geschichten von dem Schriftsteller in einer Zeitung gelesen habe und mir seine Schreibart gefallen hat. Er schreibt sehr lustig. Meine Mama hat dann ein ganzes Buch von El Kurdi bestellt und ich habe es an einem Vormittag gelesen. Das hat sie sehr erstaunt.

Hartmut El Kurdi (geboren 1964 in Amman, Jordanien) ist ein deutscher Schriftsteller. Er wuchs in London und Kassel auf, studierte an der Universität Hildesheim Literatur- und Theaterwissenschaft und lebt seit 2009 in Hannover. 2003 erhielt er für sein vom DeutschlandRadio Berlin produziertes Kinderhörspiel „Angstmän“ den Deutschen Kinderhörspielpreis.
Von November 2009 bis Januar 2010 veröffentlichte die Wochenzeitung „Die Zeit“ 10 Wochen lang auf ihren Kinderseiten jeweils eine von El Kurdi neu erzählte Ruhrgebietssage.

Johnny Hübner greift ein„Johnny Hübner greift ein“ bei amazon.de

Die Geschichte
Am Anfang bekommt Johnny Hübner eine Nachricht, dass ein Mädchen von einem Buch verschlungen wurde. Johnny ist von der „Geschichten-Rettungs-Zentrale“ und zu seinen Aufgaben gehört eben, dass er tagtäglich Menschen aus Geschichten befreit.
Als das Mädchen namens Olga durch besondere Umstände in die Geschichte fiel, geriet dort alles durcheinander. Sie landete in einer Geschichte mit vielen bösen Piraten. Diese entdeckten sie, und waren bereit, sie über Bord zu werfen. Dennoch konnte sie sich befreien und mit dem Smutje Giovanni und seiner Ratte Pelzi in ein Geheimversteck flüchten. Giovanni sollte auch über Bord geworfen werden.
Doch als Johnny Olga endlich rettet, kommen der Smutje und die Ratte versehentlich auch mit aus der Geschichte, in die sie ja eigentlich hineingehören. Wie sie es mit ganz besonderen Mitteln wieder schafften in ein Buch, aber dennoch nicht in dieselbe Geschichte zurückzufinden, verrate ich nicht.

Meine Meinung & Fazit
Das Buch hat 86 Seiten und ist mit witzigen Bildern gespickt. So wird das Lesen nicht langweilig. Ich fand manche Sprüche sehr lustig und die Geschichte war spannend erzählt. Das Buch ist sowohl für Mädchen wie auch für Jungs geeignet und ab ca. 8 Jahren. Ich würde das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen.

Johnny Hübner greift ein von Hartmut El Kurdi, erschienen bei Sauerländer, 86 Seiten, EAN-Code: 9783794161287, Leseprobe!

Buch-Rezension: Weisser Fluch von Holly Black

Buch-Rezension: Weisser Fluch von Holly Black

Private Reader Tanja

Diese Buch-Rezension wurde vom Private Readers Book Club Mitglied Tanja geschrieben. Sie ist bei jedem Read & Meet am ersten Sonntag im Monat in Aarau anzutreffen. Im Book Club mit dabei ist Tanja seit dem 1. November 2009 und jeher ein engagiertes Mitglied mit Leib und Seele. Sie liest gern Fantasyromane, u.a. Vampirgeschichten, aber auch literarische Werke haben es ihr angetan.


3 von 5 Sternen 3 von 5

Holly Black ist die Autorin von „Weisser Fluch“, der erste Teil einer düster magischen und modernen Trilogie. Bekannt wurde Holly Black durch ihre Fantasy-Reihe Die Spiderwick-Geheimnisse (engl. Originaltitel „The Spiderwick Chronicles“), die in Zusammenarbeit mit dem Zeichner Tony DiTerlizzi entstand. Seit sie 2002 den Roman Elfentochter veröffentlichte, der von der American Library Association als „Best Boock for Young Adults“ ausgezeichnet wurde, lebt sie als freischaffende Autorin. Ich muss ehrlich gestehen, dass mir der Name Holly Black gar nichts sagte, obwohl mir „Die Spiderwick Geheimnisse“ durchaus ein Begriff sind. Nun ja, das soll ja auch nichts heissen. Nun halte ich also den neuesten Thriller der amerikanischen Schriftstellerin in der Hand und beginne zu lesen. Zwei Tage später sind die 384 Seiten durchgelesen.

Die Geschichte
Cassel Sharpe ist ein fast normaler 17-jähriger Teenager, wenn da nicht seine Vergangenheit und seine Familie wären, welche ihn ständig wie ein dunkler Schatten begleiten. Cassel stammt aus einer Fluchmagier Familie, doch er ist der einzige Nichtmagier in der Familie. Fluchmagier sind magisch begabte Menschen, welche durch eine blosse Berührung ihrer Hand, das Leben anderer für immer verändern können. Es sind Menschen, die im Untergrund arbeiten, denn die Fluchmagie ist schon seit Jahrzehnten verboten. Doch diese Magie lebt weiter. Im Verborgenen arbeiten mafiaähnliche Familienclans gegeneinander und es gibt auch vor dem Tod keinen Halt. Es werden Erinnerungen gelöscht, Gefühle und Schicksale verändert. Niemand weiss, wer ein Fluchwerker ist und wer nicht. Es gibt nur einen Schutz: das ständige Tragen von Handschuhen.
Cassel, unser Protagonist, geht auf ein Internat und versucht seine Vergangenheit hinter sich zu lassen, doch sie holt ihn immer wieder ein. Vor drei Jahren hat er seine Freundin und Liebe Lila umgebracht – er weiss nicht warum und das lässt ihn nicht los. Eines Nachts erwacht er auf dem Dach seiner Schule wieder und hat keine Ahnung wie er da hinauf gekommen ist. Wurde er verflucht? Cassel beginnt in seiner Vergangenheit zu forschen. Plötzlich findet er sich in einer Welt wieder, in welcher er niemandem mehr vertrauen kann, nicht einmal seinen Brüdern. Cassel kommt einem Geheimnis auf die Schliche, welches sein Leben für immer verändern wird.

Weisser Fluch von Holly BlackWeisser Fluch bei amazon.de

Meine Meinung
Weisser Fluch“, ist ein Jugendbuch das vor Allem 13-17 Jährigen Teenager, welche sich in fiktiven und magischen Gefilden zu Hause fühlen, gefallen wird. Die Sprache des Buches ist einfach gehalten und dadurch liest sich der Roman im Nu und vermag zu fesseln. Der Protagonist Cassel, ist ein verschlossener und scheuer Junge. Weder in seiner Familie, noch in seinem Internat, gehört er so richtig dazu. Es fällt ihm schwer, seinen Mitmenschen zu vertrauen und er fühlt sich ständig unsicher. Seine grosse Liebe hat er vor drei Jahren umgebracht und er weiss nicht einmal warum. Durch Cassel’s Biografie, wird man schnell um den Finger gewickelt und wird neugierig was alles noch im Verborgenen liegt. Es ist schwer zu glauben, dass dieser scheue Junge, tatsächlich ein Mörder ist. Holly Black schafft es, einen Spannungsbogen zu schaffen, so dass der Roman nicht langweilig und kitschig wirkt.
Pluspunkte gibt es auch dafür, dass die Geschichte nicht vorhersehbar ist und die Leser mit immer neuen Geheimnissen, die im Laufe der Geschichte ans Tageslicht kommen, überraschen kann. Leider kommen die Geschichte der Fluchmagie und deren Hintergründe zu wenig zum Vorschein. Ich hätte gerne mehr über diese Menschen, deren Hintergründe und die Entstehung der Fluchmagier erfahren. „Weisser Fluch“ spielt nicht wie z.B. „Harry Potter“, in einer surrealen Welt, sondern im heutigen New York und New Jersey. Das macht alles sehr fassbar und so bleiben die Verfluchungen der Magier das einzig Unrealistische. Mir hätte etwas mehr Mystik und Fantasie gefallen. Aber wir reden ja schliesslich von einem Thriller und keinem Märchen. Ich bin überzeugt, dass die jüngere Leserschaft mehr an der Liebesgeschichte zwischen Lila und Cassel interessiert ist als an den Stammbäumen und Geschichten der Fluchmagier-Familien. Und sowieso, bin ich wahrscheinlich zu voreilig, denn dies ist ja erst der erste Band einer Trilogie.

Fazit
Ich bin jedenfalls gespannt, wie es mit Cassel weitergeht und hoffe Holly Black schreibt bereits fleissig am zweiten Band. Wer keine Lust hat auf Trilogie, dem sei „Weisser Fluch“ trotzdem zu empfehlen, denn das Buch bzw. die Geschichte kann man auch als solches stehen lassen und sie ist auch so in sich geschlossen. Ich kann „Weisser Fluch“ wärmstens empfehlen, jedoch mehr als Geschenk für seine Kinder, Patenkinder oder Enkel im Teenager Alter. Es liest sich schnell und einfach und bietet für einige Stunden Spannung und Abenteuer.

Weisser Fluch von Holly Black, erschienen bei cbt, 384 Seiten, gebunden, Leseprobe hier

Gast-Rezension: Eine neue Erde von Eckhart Tolle

Heute habe ich die Freude eine Gast-Rezension zu veröffentlichen. Cristoforo, Private Reader und Betavision Blogger hat eine Rezension zu Eckhart Tolle’s „Eine neue Erde“ verfasst. Vielen Dank für diese ausführliche Rezension!

5 von 5 Sternen5 von 5!

EINE NEUE ERDE VON ECKHART TOLLE
Heute möchte ich über einen spirituellen Lehrer der Neuzeit und seine Werke berichten.

Eckhart Tolle wurde am 16. Februar 1948 in Dortmund-Deutschland geboren. Im zarten Alter von 13 Jahren zog er nach Spanien zu seinem Vater. Mit 19 zog er nach England, wo er später in London an der Universität ein Studium abschloss und an der Universität in Cambridge in Forschung und Supervision tätig war. Mit 29 erlebte er, nach eigenen Angaben, eine spirituelle Erfahrung (Erlösung). Auch hat er bereits verschiedene Bücher geschrieben und DVDs veröffentlicht. In seinen Büchern berichtet er über Begegnungen mit bekannten Prominenten, darunter den bekannten Astrophysiker Stephen Hawking. Wichtig zu erwähnen ist auch, dass Eckhart Tolle einige bekannte Prominente gecoacht hat. Darunter Filmlegenden wie Jim Carrey. Die Show von Eckhart Tolle und Oprah Winfrey „A New Earth“ wird als eine neuartige NewAge-Erfahrung der heutigen Zeit beschrieben.

Als ich vor 18 Monate das erste Mal Eckharts Tolle DVD „Entdecke Deine Bestimmung im Leben“ gesehen habe, war mir Eckhart Tolle unbekannt. Meine Freundin meinte lediglich, dass ich mir die DVD unbedingt anschauen solle. Sie verändere die Sichtweise gewisser Sachen und Angelegenheiten im Leben. Alles werde einfacher und leichter. Was es dann auch wurde. Für den wertvollen Tipp danke ich meiner Lebenspartnerin heute noch. Während ich mir den Vortrag am TV anschaute, erfuhr ich effektiv, wie ich meine Sichtweise ändern und ganz bewusst meine Person zum Ausdruck bringen konnte. Ausserdem erfuhr ich, dass es verschiedene Bestimmungen gibt. Nicht nur eine, wie bisher angenommen. Eigentlich sind es zwei Hauptbestimmungen, die Tolle beschreibt. Eine Bestimmung sei es, seine gesetzten Ziele im Leben zu verwirklichen. Die primäre Bestimmung, die das Universum einem setzt sei jedoch, dass man sich bereits am richtigen Ort befindet und bereits das mache, was man machen müsse. Und diese Bestimmung gelte es zu akzeptieren. Die Entdeckungsreise geht weiter zum Umgang mit den Menschen, der Natur und schliesslich mit sich selbst. Eckhart Tolle erzählt eigentlich nichts Neues, und doch sind seine Erzählungen interessant und erfrischend anders. Tolle hat eine Art und Weise zu berichten, sich rethorisch darzustellen, den Raum einzunehmen und die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen, die seinesgleichen sucht. Sehr respektvoll, freundlich, bestimmt und sympathisch.

Ein ebenso wichtiger Vertreter der spirituellen Philosophie und Lehre war auch der Inder Jiddu Krishnamurti (1895 – 1986). Krishnamurti ist Eckhart Tolles Vorbild. Tolle hat die Philosophie übernommen und führt diese weiter.

Jiddu Krishnamurti

Gerne möchte ich Euch hiermit Eckhart Tolles Buch „Eine neue Erde“ präsentieren.


Eine neue Erde: Bewusstseinssprung anstelle von Selbstzerstörung (bei amazon.de)

 

Der Titel „Eine neue Erde“ verspricht Einiges. Und wenn mir solche Versprechen abgegeben werden, fordere ich diese in der Regel auch ein. Daher bewerte ich Bücher mit Titel, die solch hohe Versprechungen suggerieren sehr eingehend und genau.

Das Buch liest sich fliessend. Nur ab und zu musste ich zurückblättern und nachlesen. Die Kapitel sind kurz gehalten, so dass man sich nie verzettelt. Auch wenn man eine längere Lesepause von 2 Wochen oder länger einlegt, kann man wieder weiter lesen. Sofort befindet man sich auf dem richtigen Weg, den das Buch vorgibt. Was Tolle beschreibt, konnte ich meistens akzeptieren. Einzigartig ist die Art und Weise, wie die Themen zusammengestellt sind. Beim Lesen merkt man, dass sich Eckhart Tolle sehr viele Gedanken gemacht und Erfahrungen angeeignet hat, seine Lebens-Philosophie neu zu umschreiben. Einiges betrifft das alltägliche Leben und den Umgang mit unseren Zeitgenossen. Anderes wiederum betrifft persönliche Angelegenheiten. Die Kernaussage besteht darin, die heutige kollektive Welt der Gefühle zu veranschaulichen. Es geht darum, dass wir auf der Welt, in dieser Art und Weise, nicht länger miteinander umgehen können. Das Ego im Menschen ernährt sich hauptsächlich von negativen Gefühlen. Sei es, dass man von seinem Feind negativ bewertet wird oder vom Lebenspartner zurechtgewiesen. Unsicherheiten oder eigene Angstzustände nähren das Ego tiefgründig. Tolle gibt dem negativen Ego-Gefühl im Menschen sogar eine spezielle Bezeichnung: „Schmerzkörper“. Desto korpulenter der eigene „Schmerzkörper“ sei, umso Schlechteres erfahre man und gebe weiter. Eben dieser „Schmerzkörper“ sei es, der sich von negativen Emotionen nährt und dadurch wächst. Eine Spirale der Selbstzerstörung beginnt. Und so merkt man nicht, dass man auch andere verletzt und von sich weist. Man will mehr und mehr und nochmals mehr. Man ist ständig auf der Suche. Die Unsicherheit und Sucht treiben den Menschen, Dinge zu tun, die er vielleicht gar nicht will. Dies betrifft ein kleines Kind, eine Mutter, sowie auch unsere hochgeschätzten Politiker. Wer immer mehr vom Leben abverlangt, zerstört auch viel. Die Reaktion der Mitmenschen lässt schliesslich nicht lange auf sich warten. Eckhart Tolle ist davon überzeugt, dass die Menschheit im Kern gutmütig und sanft ist. Und es eine Frage der Zeit ist, bis die kollektive spirituelle Transformation einsetzt. Die allumfassende Veränderung in der Gesellschaft. Und wir dann eine neue Ebene der Selbstfindung erreichen. Im Buch „Eine neue Erde“ lernt man auch einfache Dinge mit grosser Wirkung. Zum Beispiel lernt man wieder, dem eigenen Atem zuzuhören. Dass durch diesen Prozess der Raum in sich geschaffen wird, der nötig ist, um sich zu spüren und den „Schmerzkörper“ zu neutralisieren. Wut, Aggressionen oder Sucht können mit der richtigen Haltung langfristig eliminiert werden. Es sei alles eine Frage der Zeit und des Raumes. Man lernt auch einiges über die Beschaffenheit der Atome. Dass wir zum grössten Teil aus Leerraum bestehen, und somit gar keine feste Masse sind. Ausserdem wird unser Platz im Universum veranschaulicht. Eckhart Tolle geht daher nicht weiter auf politische oder religiöse Ansichten ein. Auch werden Selbstsuggestionen nicht weiter erklärt. Meditationstechniken werden gemieden. Man müsse nur lernen, die eigenen Gedanken zu kontrollieren und neutralisieren. Mit Esoterik hat das Buch auch nichts zu tun. Es beschreibt lediglich den freien Umgang der Gedanken. Frei von Religionen, Sekten oder vorgegebenen Denkweisen. Es zeigt Wege auf, um den Umgang mit Mitmenschen und sich selber zu verbessern. Ich lernte durch das Buch wahrzunehmen und nicht zu urteilen. Lediglich zuzuschauen und zu empfinden. Im Buch befinden sich viele Ansätze und Umsetzungen. Wer Bücher von Dr. Joseph Murphy, Erhard Freitag oder Kurt Trepperwein gelesen hat, wird durch Tolle weitergehen können. Denn Eckhart Tolle beschreitet tiefere Wege der menschlichen Seele.

Wer gerne an sich arbeitet und an einer philosophischen Ansicht interessiert ist, wird seine helle Freude am Buch haben.

Was mich persönlich ein wenig gestört hat

Die teilweise umstrittenen Aussagen, die man den Mitmenschen, während eines Konfliktes stellen könnte. Ein Beispiel: Wenn ein Kind weint oder sich aggressiv verhaltet, könne man das auch schlichten. Man frage das Kind, was ihm widerfahren ist. Man soll es fragen, ob das soeben empfundene, negative Erlebnis einen Namen hat. Meine Meinung ist, dass man Konflikte auch mal stehen lassen sollte, denn sie gehören zum Leben dazu.

Dennoch finde ich das Buch im Grossen und Ganzen äusserst bereichernd. Das Gelesene hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck, sogar eine echte Veränderung. Es hat mich positiv geprägt.

Viel Spass beim Lesen.

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