{GELESEN} Der Glasgarten von Christa Hein

via boersenverein-bayern.de

 

Vor allem bei entsprechend melancholischer Stimmung ein grossartiger Lesegenuss. Verträumt und wie auf Wellen getragen, taucht man mit Protagonistin Julie in die Untiefen familiärer Geheimnisse ein.

Wir möchten uns zuerst herzlich bei der Frankfurter Verlagsanstalt für das schöne Rezensionsexemplar bedanken.

Nach dem Tod ihrer Mutter erbt Julie ein Cottage an der französischen Nordatlantikküste. Zeitgleich erfährt Julie auch zum ersten Mal von der Existenz ihrer angeblichen Halbschwester: Florence. Sofort macht Julie sich auf dem Weg zur Küste Frankreichs, um mit den Recherchen über ihre Familienhistorie zu beginnen. Doch auf ihrer Suche nach Antworten stösst Julie auf tief verborgene Familiengeheimnisse, die sie sich nie hätte erträumen lassen. Als sich ihre ganze Familie quer stellt und jemand Julies Recherchen sogar zu verhindern versucht, wird ihr klar, dass sie ungewollt zu viele Geheimnisse aufwirbelt.

Julies Suche nach ihrer Halbschwester an der französischen Nordatlantikküste entpuppt sich als schon fast poetische Reise, die den Leser in die Mitte einer geheimnisumwobenen Familie entführt. Christa Heins aussergewöhnlich verträumter Schreibstil mit entsprechend passendem Setting (die nordfranzösische Küstenlandschaft) hat mir persönlich gut gefallen. Beim Lesen fühlte ich mich wie in einem Traum über das offene Meer, nur von den Wellen getragen.

 

4 von 5

Glasgarten von Christa Hein
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Doch das verträumte Wellengleiten barg für mich als Leser auch eine Gefahr. Ob von der Autorin beabsichtigt oder nicht, kann ich letztlich nicht beurteilen, aber oft fühlte ich mich beim Lesen, wie ich mich im weiten Meer und in nächtlichen Träumen fühle: verloren und schutzlos. Was das Lesen für mich faszinierend aber zugleich auch anstrengend gestaltete und intensive, melancholische Gefühle weckte, die mir nicht immer behagten.

Die Charaktere gehen in der Geschichte keine Umwege, sondern führen den Leser strikt geradeaus Richtung Ziel, der Auflösung des grossen Familiengeheimnisses. Dies führt leider zu einer etwas statischen Aneinanderreihung von Ereignissen auf engstem Leseraum.

Ja, die Familiengeschichte ist mit etwas mehr als 300 Seiten vielleicht zu kurz geraten. Einerseits liest sie sich wie in einem Traum und zugleich wirkt sie durch die Kürze etwas statisch und unfassbar. Die Charaktere funktionieren zwar gut, bleiben aber durch das zu schnelle und zielstrebige Handeln konturlos und oberflächlich.Ich könnte mir vorstellen, dass mehr Raum für den Charakteraufbau in Form von mehr Seiten, der interessanten Geschichte sehr gut getan hätte.

Ich wollte nun mal sehr gerne viel mehr über Julie und ihre Familie erfahren.

Dennoch der Roman ist ein Lesegenuss, den es sich vor allem bei entsprechend melancholischer Stimmung zu lesen lohnt.

Der Glasgarten von Christa Hein, Frankfurter Verlagsanstalt,  320 Seiten, Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

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