{GELESEN} Im Tunnel von Peter Zingler

Bild via media1.faz.net

Wer gerne ehrliche und ungekünstelte, biografische Romane liest, sollte hier zugreifen. Drama, Comedy und auch etwas Geschichte sowie die plastischen Charaktere machen dieses Buch äusserst lesenswert.

Wir bedanken uns herzlich bei der Frankfurter Verlagsanstalt für das schöne Rezensionsexemplar von Peter Zingler’s Roman „Im Tunnel“.

Da liegt es nun also vor mir, das Rezensionsexemplar. Es ähnelt dem Autoren Peter Zingler sogar optisch, denn der Einband ist in der, wie ich vermute, Lieblingsfarbe des Autoren gehalten: schwarz. Und auch der Hut, mit dem Peter Zingler meist abgebildet zu sehen ist, ist mit von der Partie auf dem Cover. Eine eigentlich subtile, aber genau deshalb spannende Idee, dem Cover den Look des Autoren zu verpassen. Das gefällt mir, denn Peter Zingler ist ein Mann mit Charakter.

Wird er heute frei kommen? Es ist der 30.12. um 6:00 Uhr morgens und er ist ja „nur“ ein guter Einbrecher. Kein Schwerverbrecher, kein Mörder, kein Vergewaltiger oder dergleichen. Bis 17:00 Uhr muss er noch ausharren, dann wird klar sein, ob er gehen darf oder ob er seine restliche Strafe absitzen muss. Das geht Paul Zakowski in der Abgangszelle durch den Kopf während er den definitiven Entscheid des Gerichts abwartet. Während verschiedene Instanzen erzwingen möchten, dass Paul seine restliche Zeit absitzt, nutzt dieser selbst die Wartezeit, um in sich zu gehen und sich an frühere Zeiten zu erinnern.

 

4 von 5

 

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hier geht’s zur Leseprobe

 

Das Lesen ist wie die Rückblende eines Erzählers, der eigentlich nichts mehr zu verlieren hat. Oder anders gesagt, wie jemand, der nur noch gewinnen kann. Oder wie es Zingler so schön formuliert: es liest sich wie ein Auto, das in einen Tunnel fährt und nicht mehr zurück kann. Gewollt oder ungewollt. Die verschiedenen Ebenen an Erinnerungen von Paul Zakowski, Peter Zinglers Alter Ego (die Geschichte ist autobiographisch), fliessen gekonnt ineinander über, ungekünstelt, wie an der Hand geführt, manövriert der Autor den Leser durch sein Leben. Die Charaktere und Dialoge wirken dermassen greifbar, was dazu führte, dass ich diese allesamt sofort in mein Herz schliessen konnte. Man spürt, dass hier ein erfahrener Schreiber (Zingler ist einer der erfolgreichsten Drehbuchautoren von Fernsehkrimis und Adolf-Grimme-Preisträger Bronze für den ORF Tatort „Kinderspiel“) aus dem Vollen geschöpft hat. Diesbezüglich ist es schon eine Ehre für mich, dass ich ein solches Werk lesen durfte. Nebst den vielen anderen Romanen, die ich in letzter Zeit lesen durfte, empfand ich dieses Buch nämlich als das Ehrlichste von allen. Und das alleine ist schon eine Rarität an sich, so finde ich. Leider wirkt die Story im Gegenzug dazu stellenweise fast ein wenig blass. Einige Spannungsmomente, könnte ich mir vorstellen, hätten der gut aufgebauten Story noch an Intensität verliehen.

Die grosse Ehrlichkeit des Autors führte auch zu vielfachen Beschreibungen von sexuellen Handlungen und Gedanken, was ich persönlich manchmal ein wenig deplatziert empfand. Einige Texte über Frauenbrüste oder Schwanz-Tattoos verhelfen der Geschichte im Grunde genommen nicht zu mehr Tiefe und hätten auch weggelassen werden dürfen. Aber das ist lediglich meine persönliche Meinung. Denn nichtsdestotrotz ist dieser Roman eine gut verfasste, persönliche Geschichte von Peter Zingler. Zudem soll ja ein zweiter Teil folgen. Ob da das Auto wieder aus dem Tunnel herauskommt, wie Zingler in einem Interview berichtet hat?!? Wir werden es sehen. In der Zwischenzeit freue ich mich jetzt bereits auf den Nachfolgeroman.

Im Tunnel von Peter Zingler, Frankfurter Verlagsanstalt, 574 Seiten, Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

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