{GELESEN & BUCHTIPP} Die granulare Gesellschaft: Wie das Digitale unsere Wirklichkeit auflöst von Christoph Kucklick

Bild via nextmedia-hamburg.de

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Wer sich gerne über Themen wie Datenschutz, Geheimdienste oder den Umgang von Verkaufsfirmen mit digitalen Menschendaten informieren und sich dabei eine fundierte Sichtweise aneignen möchte, sollte bei diesem Ullstein Hardcover Sachbuch zuschlagen. Aber Achtung, hier gilt: das Buch ist nichts für Paranoiker!

„Unter Granularität verstehen Computerwissenschaftler das Mass der Auflösung, die Präzision von Daten; je feinkörniger, desto granularer.“ (Zitat aus dem Buch)

Stell Dir unsere Welt in der Gegenwart vor: viele Menschen, wie Du, sitzen vor dem PC, Tablet oder Smartphone, bestellen online und bewerten ab und zu auch die Produkte. Auf Facebook teilst Du mit Freunden Deine Vorlieben, die auch ab und zu mit „ich mag das“ angeklickt oder vielleicht sogar noch kommentiert werden. All das geschieht nicht mit Konsequenzen, die sich verdeckt im digitalen Hintergrund abspielen. Alle Bestellungen, alle Käufe, alle „ich mag das“-Klicks etc. werden auf riesigen Servern abgespeichert, um sich ein Profil der Person zu verschaffen, die sich dermassen freudig und aktiv im Internet engagiert. Bitte vergiss auch nicht die Geheimdienste wie die NSA. Die Datensammlung erfolgt vermeintlich unsichtbar und hinterlistig, bereits beim Besuch einer Internet-Site oder bei einer Sucheingabe auf Google.

So werden wir zum gläsernen Menschen oder wie der Autor es nennt: Homo granularis. Viele Firmen und auch die Geheimdienste arbeiten mit komplexen Computer Programmen, die durch die Verwendung von Algorithmen praktisch wie ein Orakel die Zukunft vorhersagen können. Was werden wir tun, was werden wir kaufen, wie kann man den Menschen beeinflussen und zum Handeln bewegen usw. Und für immer genauere Vorhersagen benötigt die Software immerzu noch mehr Daten, was auch eine höhere Datenauflösung (grössere Menge and Daten) mit sich bringt. Aber nicht nur Geheimdienste nutzen derartige Software, auch Spielcasinos, Versicherungen, Online-Shops oder die Polizei. Auch im medizinischen Sektor werden genaue Patientendaten gesammelt, was dazu führt, dass man für jeden einzelnen Patienten massgeschneiderte Therapien mit besserem Heilungsergebnis sicherstellen kann. Auch Banken oder Kreditkartenfirmen eruieren, aufgrund des Kaufverhaltens von Kunden, eine versteckte Bonität im digitalen Hintergrund. PCs waren von Anfang an die Maschinen der Regierung und Werkzeuge zur Verwaltung aber auch die Schöpfer vom Abbild jedes einzelnen Bürgers: mit unseren Daten, dem neuen Rohstoff. Anhand der Daten werden Menschen sortiert, diskriminiert und kontrolliert. Und das bereits schon heute.

 

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die granulare gesellschaft
hier in das Buch reinlesen

 

Am Anfang (ich spreche über die ersten Debatten in den Medien über die AGBs von Facebook vor ein paar Jahren) wollte ich nicht glauben, welche Auswirkung Datensammlung haben könnte. Auch ich benütze seit Jahren täglich mein iPhone, surfe im Internet, recherchiere auch über neue Bücher und bestelle ab und zu online. Mir ist auch klar, dass Firmen wie Amazon meine Kundendaten sammeln, um mir zugeschnittene Angebote zu unterbreiten. Manchmal falle ich auf die Masche rein. Was mich ein wenig beunruhigt, sind eher die damit einhergehenden Machtansprüche der Politiker, die ihr manipulatives Handeln zugunsten der Volkswirtschaft rechtfertigen. Denken wir nur schon an den Kauf der deutschen Regierung von gestohlenen Bankdaten oder den Bundestrojaner, der angeblich auf jedem PC hausen soll. Solche Themen sind unheimlich spannend, können aber regelrecht beunruhigen.

Der Autor dieses spannenden Sachbuches, Christoph Kucklick (promovierter Soziologe und Chefredakteur bei der beliebten Zeitschrift GEO), schreibt auch über die Vorteile der digitalen Datensammlung. Ich persönlich, als Fan von guter Science Fiction wie 1984 von George Orwell oder dem aktuelleren Roman SCORE von Martin Burckhardt, habe die sachlichen Ausführungen von Christoph Kucklick regelrecht verschlungen. Man muss solche Bücher auch ganz klar mit einer gesunden Skepsis lesen. Dennoch leuchten die erörterten Themen in diesem Sachbuch durchaus ein und machen es aus meiner Sicht zu einer klaren Leseempfehlung für jeden mündigen Bürger.

Die granulare Gesellschaft: Wie das Digitale unsere Wirklichkeit auflöst von Christoph Kucklick, Ullstein Hardcover, 272 Seiten, Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

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