{GELESEN & BUCHTIPP} Anleitung zur Schwerelosigkeit: Was wir im All fürs Leben lernen können von Chris Hadfield

chrissy

Für Fans „echter Science“ Fiction ein MUSS! Viele, sehr viele Aspekte (technische wie auch psychologische) werden in diesem Buch erstmals von einem Astronauten direkt und ungeschönt erörtert.

Als Kind baute ich mit Vorliebe Raketen aus Legosteinen. Ich bastelte Raketen aber auch aus ausgebrannten Feuerwerkskörpern (nach der Nationalfeier am 1. August). Ins Schulmalbuch malte ich sehr oft bunte Raketen. Eigentlich war ich als Kind von Raketen fasziniert, doch Astronaut wollte ich nie werden. Die Vorstellung, von einem technischen Raumanzug abhängig zu sein, macht mir bis heute noch Angst. Dennoch bin ich von Astronauten fasziniert. Chris Hadfield wurde v.a. durch seine Interpretation von David Bowie’s „Space Oddity“ bekannt (siehe Video unten).

Am 28. Januar 1986 startete die letzte Challenger (STS-51-L) mit ihrer Besatzung Richtung Weltraum. Zum 150-jährigen Jubiläum von Texas und dem 25-jährigen Jubiläum der NASA hätte das Besatzungsmitglied und Astronaut Ronald Erwin „Ron“ McNair während dieser speziellen Mission (im Weltraum) einen Song aus Jean Michel Jarres (meinem Lieblingsmusiker) Album „Rendez-Vous“ auf seinem Saxophon spielen sollen. Doch alles sollte anders kommen und so geschah es, dass 73 Sekunden nach dem Start die Challenger zum Feuerball wurde und explodierte. Die Trägerraketen lösten sich und bildeten, umgeben von heissen Dampfwolken, ein feuerwerkähnliches Bild am Himmel. Alle 7 Besatzungsmitglieder starben an diesem Tag durch diese Explosion, sie alle hatten keine Chance zu überleben.

Bei einer Geschwindigkeit von 28 000 Km/h sich als übergrossen Würfel (Raumanzug) durch einen Kreis (Ausgangsluke) drücken: in etwa dieser Art und Weise erklärt der ehemalige kanadische Astronaut Chris Hadfield, wie er die Raumkapsel das erste Mal verliess, um im Weltall spazieren zu gehen. Doch der Weg zum ersten Weltraumflug war holprig und schwierig. Seine Laufbahnkarriere als Astronaut begann er bereits im Alter von 9 Jahren. Am 20. Juli 1969 verfolgte (nebst Chris Hadfield) die gesamte Menschheit die erste bemannte Mondlandung der NASA am Fernseher. Diese wundervolle Tat der NASA war der Wendepunkt in Hadfields Leben. Er schaute nach der geglückten Mondlandung hinauf zum Mond und wusste sofort, dass er eines Tages Astronaut werden wolle. Es bedurfte jedoch einige entscheidende Zufälle und Glücksmomente in Hadfields Laufbahn, damit er seinen Traum verwirklichen konnte. Doch Zufall und Glück alleine reichten natürlich nicht aus. Viel Übung und Vorbereitung ist notwendig, um als waschechter Astronaut (Weltraumtouristen, die sich für viel Geld eine Reise in den Weltall leisten können, sind keine Astronauten!) an einer Weltraummission teilnehmen zu können.

Es sind Jahre immenser Anstrengungen notwendig, da man sich ständig den aktuellsten Wissensfundus erarbeiten, seine Fitness verbessern und das technische Know-How ausbauen muss. Und… man muss lernen, wie ein Astronaut zu denken. Und diese Denkweise muss jahrelang antrainiert werden, denn sie muss den instinktiven Umgang mit den persönlichen Ängsten und Phobien (Chris Hadfield leidet unter akuter Höhenangst) gänzlich „ersetzen“. Man muss lernen, Probleme vorauszusehen, um sie zu vermeiden und in kritischen Situationen sinnvoll zu reagieren. Der Aufenthalt im Weltraum ist ja nicht ohne. In der Raumkapsel degeneriert der Körper, ohne die Belastung durch die Schwerkraft (Muskeln und das Skelett bauen sich ab und die Sehkraft lässt nach) von der ersten Sekunde an. Man beginnt Kalzium auszuscheiden (im Urin) und und und…

 

5 von 5


hier probelesen!

 

Von diesem Buch erwartete ich keine Bilder oder Weltraumfotos, wie man sie in anderen Büchern über Astronauten vorfindet. Vom Inhalt des Buches erwartete ich eigentlich nur eines: so viel Wahrheitsgehalt wie nur möglich. Wie oft musste ich in TV-Interviews mit Astronauten mitanhören, wie toll und heldenhaft ihre Taten doch schlussendlich seien. Jetzt kommt ein Buch eines Astronauten daher, das im Grunde besagt, dass sich jedermann die Astronautentechniken aneignen kann. Schliesslich lernt ein Astronaut erst während seiner langen und harten Ausbildung, wie ein Astronaut zu denken. Der Inhalt dieses Buches geht so weit, dass er mir sogar die Angst vor den Anzügen und Raumkapseln ein wenig nehmen konnte. Nicht, dass ich mich jetzt gleich für eine Ausbildung als Raumfahrer bewerben würde. Nein, dann bleibe ich doch lieber mit beiden Füssen auf der Erde.

Aber ich muss gestehen, dass ich mich nach dem Lesen des Buches doch ein wenig wachgerüttelt fühlte, denn das Buch ist nicht eine schiere Aneinanderreihung von technischen Erklärungen zu NASA-Missionen. Vielmehr bietet es einige tiefe Einblick in die Psyche eines Astronauten, auch in dessen Privatleben. Nur in einem Punkt bin ich mit Chris Hadfield nicht einer Meinung. Er behauptet, Astronauten seien keine Helden. Ich lehne diese Meinung ab. Jetzt noch mehr als vor dem Lesen des Buches. Astronauten sind DIE Helden, bedenkt man, wie sie Probleme angehen, meistern und auch lösen. Das Durchhaltevermögen und die Disziplin, die ein Astronaut mitbringen muss, lässt die Ausbildung zum Bachelor als Waldspaziergang erscheinen. Wer will sich schon als grossen Quader durch eine Runde Luke drücken? Und wer will schon sechs Monate auf der Raumstation ISS verbringen, im Wissen, dass er sich danach genauso lange auf der Erde rehabilitieren muss? Wer will schon mit ständigem Achterbahngefühl im Körper durch die Schwerelosigkeit schweben? Es sind Helden, genannt „Astronauten“.

Anleitung zur Schwerelosigkeit: Was wir im All fürs Leben lernen können von Chris Hadfield, Heyne Verlag, 368 Seiten, Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

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