{GELESEN} Das Erbe der Elfen von Andrzej Sapkowski

erbederelfen

Echte Fans der „Witcher“ Games, die einfach ein wenig in der Geralt-Atmosphäre der Original-Bücher verweilen möchten, werden hiermit glücklich. Es wird jedoch von einigen Online-Foren empfohlen, die Chronologie der Bücher einzuhalten. Wirklich gute Fantasy findet man aus meiner Sicht eher in anderen Romanen.

Das im Jahre 2007 erschienene Computerspiel The Witcher des polnischen Entwicklerstudios CD Projekt RED war ein Überraschungshit und brachte dem Entwicklerstudio das notwendige Kapital, um u.a. einen eigenen erfolgreichen Online-Shop mit dem Namen „Good old Games“ (gog.com) im Jahre 2008 zu eröffnen und die Fortsetzung des Spielehits im 2011 abzuliefern. Ich bin ein grosser Fan von The Witcher, vor allem von Teil 1. Am 19. Mai 2015 wird der sehnlichst erwartete dritte Teil The Witcher 3: Wild Hunt erscheinen, der wiederum auf den Büchern des polnischen Autoren Andrzej Sapkowski basiert. Auf Anraten eines Arbeitskollegen habe ich mich nun dazu entschieden, den ersten Roman aus Geralts Fantasy-Reihe zu lesen.

Doch zuerst möchte ich meinen Unmut darüber kundtun, dass die Reihenfolge der zahlreichen Romane nirgends klar definiert wird. Hier sollten sich der Verlag und die Online-Shops über einen etwas professionelleren Auftritt Gedanken machen. Erst nach zahlreichen Recherchen im Internet konnte ich die Reihenfolge der Romane ermitteln.

Diese ist wie folgt:

1. „Zeit des Sturms“ – Selbstständiger Roman
2. „Der letzte Wunsch“ – 1. Kurzgeschichtenbuch
3. „Das Schwert der Vorsehung“ – 2. Kurzgeschichtenbuch
4. „Das Erbe der Elfen“ – 1. Roman aus der Reihe
5. „Die Zeit der Verachtung“ – 2. Roman aus der Reihe
6. „Feuertaufe“ – 3. Roman aus der Reihe
7. „Der Schwalbenturm“ – 4. Roman aus der Reihe
8. „Die Dame vom See“ – 5. Roman aus der Reihe
9. „Etwas endet, etwas beginnt“ – Zusatzbuch

Es empfiehlt sich angeblich, diese Chronologie einzuhalten, da scheinbar v.a. in den zwei Kurzgeschichtenbüchern viele grundlegende Details über die Charaktere erwähnt werden, die in der Haupt-Roman-Reihe scheinbar gänzlich fehlen. Ich habe mich aus Zeitgründen dennoch für den ersten Roman aus der Geralt-Reihe mit dem Titel Das Erbe der Elfen entschieden.

 

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Ciri, die junge Enkelin von Calanthe verfügt über einige spezielle Hexen-Fähigkeiten. Der effiziente Umgang mit Hexen-Fähigkeiten muss jedoch zuerst professionell erlernt werden. Der Hexer Geralt, der Ciri gerettet hat, nimmt sie mit zum Stammsitz der Hexer, nach Cer Mohen, wo er ihr unter anderem auch die Kampfkunst (mit und ohne Schwert) beibringt. Doch schnell wird klar, dass sich das Unternehmen schwieriger als erwartet gestaltet. Geralt muss um Mithilfe von einigen Bekannten bitten. Zudem läuft die Zeit davon, denn Ciri ist zwar noch ein Mädchen, doch wie alle anderen wird auch sie älter und schliesslich zur Frau, was eine Ausbildung unmöglich machen würde. Zusätzlicher Zeitdruck besteht auch von anderer Seite, denn Geheimdienste möchten das Mädchen aus Sicherheitsgründen umbringen.

Wie bereits erwähnt, habe ich das Buch einzig und allein auf Anraten des Arbeitskollegen gelesen. Und weil es auf dem gleichnamigen, genialen PC-Spiel basiert. Ich erhoffte mir eine einigermassen unterhaltsame Lektüre in einem Fantasy-Reich. Doch der Einstieg gestaltete sich holprig und ziemlich schwer. Ich denke, dass sich der Autor nicht weiter um einen einfachen Einstieg für den Leser bemüht hat, denn die Charaktere wirken durchgehend blass und oberflächlich. Hexer, Elfen und Könige heissen wie sie heissen und reden und handeln entsprechend. Doch was die Charaktere ausmacht, ausser ihren Äusserlichkeiten wie weisse Haare und dunkle Augen, bleibt in der Fantasie des Autors verborgen, denn er verliert darüber nämlich kein einziges Wort.

Auch über die diversen Settings wird mehr schlecht als recht berichtet. Zu wenig Informationen und fehlende Beschreibungen liessen mein Kopfkino gar nicht erst anspringen. Bei Fantasy Büchern für mich ein Muss. Was mich am meisten irritiert hat, waren die unbeholfenen und belanglosen Dialoge, die leider auch etwas naiv zusammengebastelt daherkommen. Geralt ist im PC-Spiel im Grunde genommen ein Hexer und Anti-Held. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass der Autor diese Eigenschaft irgendwo in seinen zahlreichen Büchern erwähnt hat, doch beim Lesen fühlte ich nichts davon beim Protagonisten. Die Atmosphäre hingegen wird ganz passabel rübergebracht. Kann aber auch sein, dass viele Details auf die zahlreichen Büchern verstreut sind, weswegen sich dieses erste Buch damit zurückhält. Doch genau im ersten Band müsste der Autor eigentlich ein grundsolides Fundament für eine gute Fantasy-Welt setzen, um diese dem Leser schmackhaft zu machen.

Die belanglosen Dialoge, die Langatmigkeit und der unmotiviert aufgebaute Plot verderben hier leider den Brei, weswegen ich keine Zeit in weitere Bücher aus Geralts Reihe mehr investieren werde. Doch auf das PC Spiel „Witcher 3“ freue ich mich selbstverständlich umso mehr.

Das Erbe der Elfen von Andrzej Sapkowski, dtv,  380 Seiten, Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

  1. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich kein bisschen mit dieser Renzension übereinstimme.
    Zu behaupten das Setting, aber vor allem die Charaktere seien „blass und oberflächlich“ lässt meiner Meinung nur darauf schließen, dass der Leser nicht über den Tellerrand hinwegblicken kann, Die als „belanglos“ beschriebenen Dialoge geben nämlich einen übermäßig guten, aber vor allem sehr tiefgreifenden Eindruck der Charaktere – Unterschwellig lernt man über Hass, Liebe, Sehnsucht. Nur steht da eben nicht wie in leichterer Lektüre „Geralt liebt Yennefer“, es steht zwischen den Zeilen.
    Genießen kann man die Sage nunmal erst, wenn man sich nicht nur bespaßen lassen will ohne selbst nachzudenken, Wie nämlich auch das Spiel, muss man im Buch manchmal innehalten, sich Zeit lassen. Einfach um zu verstehen.
    Und wem das gefällt, der ist genau richtig bei dieser wirklich überaus gelungenen Saga.

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  2. Hallo,

    eine schöne Review zu einem Buch, dass ich wohl auch so niemals gelesen hätte.
    Falls Ihr mal Zeit und Lust hättet, würde ich mich freuen, wenn ihr mein (bisher halbes) Buch lesen würdet, sodass ich die Defizite besser erkennen und vor der Veröffentlichung ausmerzen kann :). Es ist auch Fantasy, aber ich versuche etwas realistisch heranzugehen…
    Falls Interesse besteht, könntet ihr mir eine Mail schreiben bitte :)
    Liebe Grüße
    Kai

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  3. Interessant. Ich kenne nur den ersten Kurzgeschichtenband („Der letzte Wunsch“). Den kann ich empfehlen, da zumindest die ersten Geschichten darin zum besten an Fantasy gehören, was ich kenne. Wobei ich praktisch schon seit Jahren fast keine Fantasy mehr lese, weil mich beinahe alles aus dem Genre anödet. Diese Kurzgeschichten waren anders. Die ersten zumindest, die späteren haben dann schon nachgelassen, weshalb ich es auch nicht mit einem anderen Buch von Sapkowski versuchte.

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    • danke für den tipp. evtl. lese ich dann doch mal ein kurzgeschichtenband. gemäss meinem arbeitskollegen geht die hauptstory ab band 3 so richtig los. was mich jedoch am meisten irritert hat, waren die etwas unbeholfenen und oberflächlichen dialoge.

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    • anscheinend ergibt die ganze story erst ab dem dritten buch so richtig sinn. in den ersten zwei büchern werden die einzelnen stränge erläutert. wenn du dich v.a. für story des spieles interessierst und diese vertiefen möchtest, geht es schon i.o. ich habe einfach keine lust, mich damit näher zu befassen, weil es mir nicht sonderlich interessant geschrieben erscheint. ich empfehle dir eher “Das Lied von Eis und Feuer 01: Die Herren von Winterfell” von George R.R. Martin. das ist das erste original-buch zu „game of thrones“ und dieses ist im gegensatz zu andrzej sapkowskis story wirklich exzellent geschrieben. rezension folgt noch… gruss cristoforo

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