{GELESEN & BUCHTIPP} Das achte Leben (Für Brilka) von Nino Haratischwili

ninoh

Wer sich auf eine Zeitreise begeben und mit einer Familie über mehrere Generationen hinweg alle Höhen und Tiefen des Lebens auskosten möchte, hat mit diesem Buch eine Goldquelle vor sich. Fundierte Recherchen und das einmalige Schreibtalent der Autorin machen das Buch zu einem echten Lesegenuss der besonderen Art.

Wir bedanken uns herzlich bei der Frankfurter Verlagsanstalt für die Zusendung des wunderschönen Rezensionsexemplars mit prachtvollem Cover und einer speziellen Geschenkhülle, welches das ganze Werk umschliesst. Selten haben wir solch schöne Bücher im Schweizer Buchhandel angetroffen.

Nino Haratischwili’s Roman erzählt über mehrere Generationen (100 Jahre) hinweg die Geschichte einer Familie, die in den Kriegswirren um den Fortbestand der Schokoladenfabrik bemüht ist. Der Roman beginnt mit der Geburt von Stasia im Jahre 1900. Stasia ist die Tochter eines Schokoladenfabrikanten aus Georgien. Generation für Generation wird die geheime Schokoladenrezeptur in der Familie weitergereicht. So ist es ein grosses Anliegen der Väter, dass in der Familie vor allem Buben auf die Welt kommen. Als im Familienstammbaum nur noch Mädchen geboren werden, scheint dieser Umstand zum ernsthaften Problem für das Bestehen des Familiengeheimnisses zu werden. Doch Kriege, die Revolution, der Kommunismus, die Perestroika usw. prägen die Familienmitglieder ungemein, so dass sich ein Drama nach dem anderen um die geheime Schokoladenrezeptur abzeichnet. Diese scheint nämlich mit einem Fluch belegt zu sein und der Familie vor allem Unglück zu bescheren.

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hier geht’s zum Roman mit Leseprobe

„Ja, ich habe es geschafft!“ Das dachte ich nach dem Lesen des schweren und dicken Brockens. Damit beziehe ich mich auf das Gewicht von knapp 1200 Gramm und das Volumen von 1280 Seiten. Dafür braucht man nämlich zwei echt starke Arme. Hier könnte man sich als Leser dann vielleicht lieber für die eBook-Variante entscheiden. Ich wurde jedoch damit belohnt, dass der Inhalt es echt in sich hat. Was Nino Haratischwili in vier Jahren harter Recherche- und Schreibarbeit auf die Beine gestellt hat, ist eine sagenhaft gut geschriebene Geschichte, die ein ganzes Jahrhundert eines Familiendramas beinhaltet. Die Autorin schafft es mit ihrer einzigartigen Schreibweise, brutale Dramen ganz locker rüberzubringen. Dies resultiert aus dem ausserordentlichen Schreibtalent der Autorin. Um die Protagonisten herum webt die Autorin eigens kreierte, sanfte und warme Texte, die mich regelrecht in ihren Bann zogen. Wie einem perfekt abgestimmten Orchester aus Worten lauschte ich beim Lesen dem Klang der Sätze. Oft hatte ich dabei ein kuscheliges, warmes und sanftes Gefühl in meiner Brustgegend. Sobald ich an Das achte Leben zurückdenke, erwacht auch das warme Gefühl in meiner Brust wieder zum Leben.

Dieses Buch begleitet den Leser sanft und dennoch ungeschönt durch die durch Kriege gezeichnete Zeitgeschichte Europas aber vor allem durch die der postsowjetischen Länder. Die Autorin hat gekonnt ihre subjektive Ansicht der Geschehnisse geschickt in die Geschichte einfliessen lassen.

Nun habe ich ein Gefühl dafür, was nebst unserer eigenen Geschichte (Erster und Zweiter Weltkrieg) wohl in Familien aus den sowjetischen Ländern vorgegangen sein muss. Oder zumindest welche Dramen sich dort abgespielt haben müssen. Obwohl die Autorin angibt, nicht alle Handlungsmotivationen der Charaktere persönlich zu verstehen, so hat sie genau diese erschreckend plastisch beschrieben. Ich als Leser konnte, bis auf einige Ausnahmen, die Beweggründe der Protagonisten nachvollziehen.

Den einzigen Kritikpunkt, den ich dem Roman entnehmen könnte, sind aus meiner Sicht die zahlreichen sexuell motivierten Handlungen der Charaktere. Während sich einige Handlungen im normalen Rahmen bewegen, so führen Hass, Liebe, Missgunst und Abhängigkeiten der Protagonisten oft zu sexuell motivierten, gestörten Handlungen. Dennoch ist das Buch ein echtes Meisterwerk, an dem man als Leser nicht vorbeigehen sollte.

Das achte Leben (Für Brilka) von Nino Haratischwili, Frankfurter Verlagsanstalt, 1280 Seiten, Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

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