{GELESEN} Das Leben der Rebecca Jones von Angharad Price

Angharad Price

Das Leben der Rebecca Jones von Angharad Price ist keine leichte Kost für zwischendurch. Nichtsdestotrotz ist die Geschichte vor allem eins: sehr dicht, emotional und einnehmend geschrieben. Wer gerne etwas Zeit im letzten Jahrhundert mit der Jones Familie verbringen und in Melancholie schwelgen möchte, liest hier goldrichtig.

Meine Mutter hat mir früher oft von ihrer Kindheit in Neapel (Italien) erzählt. Sie wurde zum Beginn des Zweiten Weltkriegs geboren und wuchs unter ärmlichen Verhältnissen in einer Grossfamilie auf. Einmal erzählte sie mir, dass alle Kinder und ihre Eltern während der Ernte auf dem Feld helfen mussten. Alle Kinder (meine Mutter eingeschlossen) besassen aufgrund der Armut keine Schuhe und die Kleider bestanden vor allem aus zusammengeflickten Stoffresten. Die ganze Familie musste unter grosser Hitze im Sommer und auch während der Regenmonate im Winter, auf dem steinigen Boden harte Feldarbeit betreiben, um überleben zu können. Die Geschichte in Das Leben der Rebecca Jones erinnerte mich stark an die Erzählungen meiner Mutter.

Die Familie Jones lebt in einer kleinen Gemeinde während des letzten Jahrhunderts in einem abgeschiedenen Tal in Wales. Im Jahr 1905 kommt die kleine Rebecca Jones auf die Welt. Trotz der genetisch bedingten Blindheit ihrer drei (von vier) Brüdern, brechen eben diese drei Brüder auf, um in der Ferne ein Studium zu absolvieren und lassen Rebecca und ihren ebenfalls sehenden Bruder zurück. Rebecca und ihr Bruder bewirtschaften weiterhin den Hof der Eltern. Rebecca erzählt in der Ich-Form eine Geschichte voller Trauermomente, einigen wenigen Glücksmomenten und vom harten Leben einer Familie im abgeschiedenen Tal.

 

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rebeccajones
Das Leben der Rebecca Jones: hier zum Buch surfen

 

Im Buch sind wenige Fotos der Familie und des Hofes abgebildet. Es handelt sich dabei um Originalaufnahmen der besagten Familie Jones, also keine fiktiven Fotos. Zudem befinden sich im Buch (jeweils am Anfang und am Ende der jeweiligen Kapitel) einige Erzählungen/Gedichte der Jones Familie. Um die besagten Fotos und Erzählungen/Gedichte herum, hat Angharad Price eine wundervoll erzählte Geschichte konstruiert. Beim Zusammenstellen des Inhalts setzte sie vor allem auf die bereitwilligen Erzählungen diverser Familienmitgliedern und deren kooperativen Zusammenarbeit.

Literarisch brilliert das Buch mit einer eindrücklichen und emotional einnehmen Schreibweise, die dazu führt, dass man als Leser oft das Gefühl hat, ein Buch aus der damaligen Zeit zu lesen. Was ich dabei ein bisschen schade fand, war, dass sich die Autorin beim Aufbau der Kapitel etwas wiederholt. Zudem wirkt die Story erdrückend, im Sinne, dass sie sehr viele tragische Momente der Familie darstellt. Dies machte ein für mich fliessendes Durchlesen fast unmöglich, denn man benötigt Pausen, um das Gelesene zu verdauen. Ein wenig mehr Fokus auch auf die guten oder lustigen Momente der Familie (die hat es sicherlich auch gegeben) hätten hier nicht geschadet und die ganze Tragik der Familie für den Leser erträglicher gemacht. Die Wendung zum Schluss ist reine Geschmackssache. Ich fand diese eher störend und etwas unpassend, aber um selber entscheiden zu können, solltest du den Roman selber lesen. Ich kann mir vorstellen, dass der eine oder andere Leser sich daran erfreuen könnte.

Das Leben der Rebecca Jones von Angharad Price, Deutscher Taschenbuch Verlag,  176 Seiten, Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

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