{GELESEN} Kastelau von Charles Lewinsky

Wer lediglich einen gut geschriebenen Roman sucht, wird hier nur bedingt fündig. Der etwas zermürbende Aufbau, bestehend aus Briefen, Tagebucheinträgen, Interviews und fiktiven Wikipedia-Einträgen, können den Lesespass trüben. Wer sich jedoch darauf einlassen kann, einen Roman, der einem Puzzle gleicht, zu lesen, findet hier eine gut konstruierte und interessante Kriegsgeschichte.

Der „Walk Of Fame“ in Hollywood ist in Gefahr, als im Jahre 2011 ein Mann mit einer Spitzhacke auf den Stern eines Oscar-Preisträgers namens Arnie Walton einschlägt. Als der Mann mit der Spitzhacke von der Polizei angeschossen wird, stirbt er an einem Herzinfarkt.

Der Mann hiess Samuel Saunders, ein Filmemacher, der einige Dokumente hinterlassen hat, aus welchen sich die Geschichte in Kastelau zusammenfügt.

Ein Filmteam versucht im Winter des Jahres 1944, für den angeblichen Dreh des Filmes „Lied der Freiheit“, dem vom Krieg gemarterten Berlin zu entfliehen. Das beschauliche Bergdorf Kastelau in den bayerischen Alpen scheint für den Film die ideale Filmkulisse abzugeben. Aber nach kurzer Zeit wird allen Beteiligten klar, dass das von Schnee eingeschlossene Dorf alles andere als „ideal“ ist, um den besagten Film zu drehen. Dennoch ist Kastelau der passende Ort, um aus sicherer Entfernung das Ende des Kriegs abzuwarten. Die Filmcrew stellt sich den zahlreichen Herausforderungen, den Film so zu konstruieren, dass es den Anschein erweckt, als müsste dieser unbedingt in Kastelau gedreht werden.

 

4von5

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„Aller Anfang ist schwer“, dachte ich als ich mit dem Lesen von Kastelau begann, denn das Buch bietet keine geführte Story im herkömmlichen Sinne. Lewinsky präsentiert „nur“ zahlreiche Briefe, Tagebucheinträge, Interviews und fiktive Wikipedia-Einträge, welche die Realität der fiktiven Geschichte untermauern sollen. Und genau aus oben erwähnten „Schnipseln“ muss man sich als Leser die Geschichte zusammenreimen. Das bedeutet, dass man statt von Kapitel zu Kapitel, sich von Eintrag zu Eintrag durch den Roman liest. Jetzt könnte man sich als aufmerksamer Leser fragen, ob dieses etwas unübliche Konstrukt für eine gute Geschichte überhaupt funktionieren kann.

Meine Antwort lautet: Jain. Denn es hängt massgeblich vom Leser ab, ob er oder sie dieses Buch geniessen kann. Nur wer sich damit einverstanden erklärt und sich darauf einstellen kann, wird schliesslich ein gut geschriebenes Werk entdecken können. Ich musste mich durch die ersten fünfzig Seiten ackern, um des Puzzles Lösung Schritt für Schritt näher zu kommen. Einige Male musste ich lachen und bei anderen Passagen wurde ich beim Lesen auch traurig. Ich finde die Idee anhand zahlreicher Dokumenten einen Roman zu erschaffen zwar passabel, aber ich persönlich müsste nicht nochmal sowas lesen. Dann bevorzuge ich doch lieber gut durchdachte Romane, die sich fliessender präsentieren. Dennoch scheint mir Lewinskys Experiment recht gelungen. Das Buch ist trotz oder vielleicht gerade wegen der etwas gewagten Herangehensweise des Erfolgsautors ein durchaus interessantes Werk.

Kastelau von Charles Lewinsky, Nagel & Kimche Verlag, 400 Seiten, Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

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