{GELESEN} Zerrspiegel von Katja Montejano

Ein durch und durch packender Thriller, der recht brutal daherkommt. Thriller-Fans werden ihn lieben. Aber Vorsicht: das Buch ist nichts für zart besaitete Gemüter.

Katja Montejano hat kürzlich Private Readers für eine Rezension ihrer Bücher kontaktiert. „Eine Autorin aus der Schweiz, das muss ich mir genauer ansehen“, dachte ich mir. Ein paar Tage später habe ich dann von ihr zwei Thriller mit den Titeln Zerrspiegelund Vendetta: Die Rache der Anna Pizzo erhalten. Herzlichen Dank dafür an die Autorin.

Was ist ein Zerrspiegel? Ein Zerrspiegel ist ein Spiegel (klar!), der das auf seiner Oberfläche Gespiegelte verzerrt. Anzutreffen sind solche Spiegel vor allem in Luna Parks und auf der Kirmes. Der Killer in Katja Montejanos Thriller benützt einen Zerrspiegel als Foltergerät für seine Opfer. Sie werden in eine Kammer eingesperrt und vor einen Zerrspiegel gesetzt. Die Absicht des Killers: Sie sollen lernen, dass das Leben immer verzerrt erscheint.

Auch das junge Mädchen Jazz nimmt das Leben immer „verzerrt“ wahr. Sie leidet am Asperger Syndrom, weswegen sie die Mimik der Menschen nicht deuten kann. Nur Ordnung und Systematik ermöglichen ihr eine mehr oder weniger angemessene Lebensqualität. Eines Tages meldet sich ihre Schwester bei ihr, weil sie an einem Voice Contest in Deutschland teilnehmen möchte. Nach diesem Telefonat bricht der Kontakt zu Jazz Schwester ab. Auch ihre Mutter verschwindet plötzlich spurlos. Die Polizei nimmt die Ermittlungen auf. Aber die Suche nach Jazz Schwester und der Mutter gestaltet sich alles andere als einfach.

 

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Die Geschichte um Protagonistin Jazz mit dem Asperger Syndrom ist packend aufgebaut und überzeugt den Leser mit einem äusserst ausgereiften Konstrukt. Auch das Wechselspiel zwischen Killer, Opfern und Jazz ist sehr ausgeglichen und hält sich jederzeit die Waage. Direkt und äusserst brutal entführt die Autorin den Leser in die Welt eines Killers und dessen dunkle Seite. Konträr dazu tauchen wir tief ein in die verzerrte Welt eines behinderten Mädchens.

Der gut gewählte Anfang, der mit der Einführung in die Untiefen der Killerseele beginnt, führte dazu, dass ich das Buch regelrecht verschlungen habe. Beim Lesen fühlte ich mich oft an den Schreibstil von Cody McFadyen erinnert. Was mir persönlich im Allgemeinen nicht gefällt, sind ausgeprägte, brutale Darstellungen von Folter und sexueller Gewalt. Ich denke, dass man solche Themen zwar anbringen kann, aber nur gerade soweit, dass es dem Aufbau der Geschichte dienlich ist. Hier hätte die Autorin ruhig auch aus dem klischeebehafteten Schema von Sex und Gewalt ausbrechen können. Vor allem der Killer wirkte auf mich, wie schon passend auf dem Cover angedeutet, sehr brutal und verstörend. Aber ich gehe stark in der Annahme, dass die Autorin dies beabsichtigt hat. Es ist ihr also auf jeden Fall gelungen, dass ich mich unwohl gefühlt habe und das spricht ja wiederum für Katja Montejanos Schreibkunst. Mit der Darstellung des Charakters Jazz, die unter dem Asperger Syndrom leidet, zeigt die Autorin wiederum Mut zu Neuem. Das hat mir persönlich sehr gut gefallen.

Ich freue mich auf das baldige Lesen ihres Thrillers „Vendetta“, welcher bereits im Bücherregal auf der Lauer liegt.

Zerrspiegel von Katja Montejano, SWB Media Publishing, 260 Seiten, Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

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