{GELESEN} Die uns lieben von Jenna Blum

Es gibt wohl kein diffizileres Thema, an dem man sich versuchen kann als Autor: eine fiktive Geschichte mit Schauplatz im Zweiten Weltkrieg. Jenna Blum schafft es, wie auch schon vor ihr Markus Zusak und John Boyne, dieses heikle Thema zu meistern. Ihr Roman Die uns lieben erzählt einfühlsam die Geschichte einer leidenschaftlichen, aber verbotenen Liebe und von der Kluft, die zwischen einer Mutter und ihrer Tochter durch Unausgesprochenes erzeugt wird.

Vor knapp zwei Wochen haben Virginia und ich den Dokumentarfilm Yaloms Anleitung zum Glücklichsein gesehen. Im Film spricht der Psychiater und Bestseller-Autor Irvin D. Yalom über seine Ansichten über das Leben und darüber, dass es für ihn als Psychiater wichtig sei, dass seine Patienten die Vergangenheit ihrer Eltern kennen, da diese viele psychologische Probleme aufdecken könne. Wir alle haben Eltern, Familienangehörige oder Bekannte, die den Zweiten Weltkrieg erlebt haben und darüber berichten konnten. Ich denke schon, dass der Zweite Weltkrieg die nachfolgenden Generationen auch nachträglich geprägt hat. Jenna Blum ist Amerikanerin. Sie wuchs mit einem jüdischen Vater auf, ihre Mutter hat u.a. deutsche Wurzeln. Somit ist wohl die Auseinandersetzung mit dem Zweiten Weltkrieg in Die uns lieben naheliegend. Die Geschichte handelt von Trudy, die die Vergangenheit ihrer Mutter nicht kennt und nach und nach die bittere Wahrheit erfährt.

Ein goldenes Rechteck aus einer Wollsocke, ganz hinten in einer Ecke, ist das, was Trudy in der Wäscheschublade ihrer Mutter Anna findet. Trudy weiss von der Vergangenheit ihrer eher schweigsamen Mutter Anna so gut wie gar nichts.

Da Trudy in Minneapolis als Geschichtsprofessorin arbeitet, kennt sie sich auf dem Gebiet der Recherche gut aus. Die historischen Kenntnisse kommen Trudy zugute, denn im goldenen Etui findet sie unter anderem ein altes Schwarz/Weiss-Foto ihrer Mutter, die neben einem SS-Offizier in Uniform abgebildet ist. Während Trudys Suche nach der Wahrheit über die Vergangenheit ihrer Mutter, stösst sie auf erschreckende Hinweise, die Trudys Leben stark geprägt haben.

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Fiktive Kriegsgeschichten, die sich Autoren lediglich aus Recherchen zurechtbiegen, finde ich immer ein wenig heikel. Viele Autoren wagen sich auch erfolgreich an dieses empfindliche Thema heran wie z.B. John Boyne mit Der Junge im gestreiften Pyjama oder Markus Zusak mit Die Bücherdiebin. Auch hier haben die intensiven Recherchen von Jenna Blum, die u.a. für die von Stephen Spielberg gegründete „Survivors of the Shoah Foundation„ gearbeitet hat, Früchte getragen. Die Story, aufgeteilt in Erzählstränge der Jahre 1997 sowie 1939 bis 1945 wirken sehr authentisch. Die Geschichte über Trudys und Annas Vergangenheit ist interessant geschrieben. Die ganze Härte des Krieges und die Unterdrückung durch die Nazis haben mich beim Lesen wie eine dunkle Wolke überschattet. Emotional und bewegend, so habe ich diese fiktive Geschichte erlebt. Nur das Tagebuch der Anne Frank oder die Erzählungen meiner Eltern oder Verwandten, die den Zweiten Weltkrieg am eigenen Leib erfahren haben, gehen mir im Gegensatz dazu richtig unter die Haut. Eine gut geschriebene, fiktive Geschichte, wie sie Jenna Blum hier präsentiert, ist aber auf alle Fälle eine dem Thema gerecht gewordene Lektüre.

Die uns lieben von Jenna Blum, Aufbau Verlag, 518 Seiten, Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

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