{GELESEN} Duddits Dreamcatcher von Stephen King

Wer „Tommyknockers“ gelesen hat, kann „Duddits-DREAMCATCHER“ zwar lesen, aber es besteht für diesen Roman keine „Diesen King muss man gelesen haben“-Pflicht. Denjenigen, die Tommyknockers noch nicht gelesen haben, sage ich nur: „Auf was wartest du noch“? Duddits kann getrost warten. Ein King-Fan kann/wird jedoch auch den gut geschriebenen Duddits lesen.

Die Jahrtausendwende… ja, auch ich habe sie miterlebt. Das Internet steckte in den Kinderschuhen, die Handyanbieter stampften wie Spinnen aus Moria ihre Mobil-Funk-Netze aus dem Boden. Und die Wirtschaft drehte wegen der Jahrtausendwende komplett durch, aus Angst, dass PC-BIOS den Wechsel von 1999 auf 2000 nicht schaffen könnte. Und so gaben Firmen und Banken sehr viel Geld für Sicherheitssysteme und neue Computer aus. Auch die neuen PCs warteten mit dem gleichen BIOS-Problem wie die alten auf. Die Lügen der Wirtschaft trugen ein weiteres Mal Früchte. Wenigstens waren die Gemüter der Unwissenden beruhigt und die Jahrtausendkatastrophe blieb aus. Es war eine Zeit des Aufbruchs mit Blick in die Zukunft des neuen Jahrtausends. Ein Ereignis, das die Menschheit verändern würde. Viele freuten sich aus DIE BESONDERE Silvesterparty der Jahrtausendwende. Damals waren Serien wie Akte X hochaktuell.  Und just zu dieser Zeit schrieb King „Duddits – DREAMCATCHER“.

Es gibt Titel, die passen auf ein Buch wie das Pünktchen auf das „i“. Stephen King wollte sein Buch „Duddits“ angeblich zuerst „KREBS“ nennen, doch seine Frau Tabitha fand den Titel abscheulich, weshalb King sich dann für „Duddits – DREAMCATCHER“ entschied. Zum Glück, wie ich finde!

Jonesy, Biber, Pete und Henry verbindet eine tiefe Freundschaft. Die vier Freunde planen einen Jagdausflug in die Wälder von Maine. Während des Ausfluges macht sich Jonesy mit seinem Gewehr auf zur Jagd. Plötzlich hört er ein Rascheln hinter einem Gebüsch. Jonesy kann nicht sehen, was das Geräusch verursacht hat, geht aber davon aus, dass es sich dabei um einen Hirsch handeln muss. Und Jonesy zielt auf das, was er für einen Hirsch hält. Als ein Mann schwankend zum Vorschein kommt, ist Jonesy heilfroh, dass er zum Glück nicht abgedrückt hat. Als der Fremde Jonesy erblickt, wirkt dieser freudig erregt darüber, endlich einen Menschen im Wald anzutreffen. Er habe sich im Wald verirrt, rechtfertigt er sich Jonesy gegenüber und erläutert weiter, er habe sich tagelang nur von Moos und Blättern ernährt. Jonesy nimmt den Mann zur Waldhütte seines Freundes mit.

 

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Duddits

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Der mysteriöse Fremde namens McCarthy klagt über starke Bauchkrämpfe. Ständig stösst er laute Fürze aus, die nach Schwefel, totem Moos und allem anderen als nach normalen Flatulenzen riechen. McCarthy meint, er müsse sich einfach erholen und mal „richtig erleichtern“, dann würden die Bauchkrämpfe aufhören. Als McCarthy sich tatsächlich auf der Kloschüssel in der Waldhütte „richtig erleichtert“, ist das, was bei ihm hinten heraus kommt mehr als ein „grosses“ Geschäft im herkömmlichen Sinne. Als auch noch der Wald und die Umgebung vom Militär als Sperrzone definiert werden, geraten die Freunde in eine verzwickte Lage.

In dieser misslichen Lage erinnern sich die vier Freunde an Duddits, das Kind mit dem Down Syndrom, welches sie vor einer Prügelattacke von wilden Rowdies bewahrt hatten. Vielleicht kann Duddits diese Mal ihnen aus der Patsche helfen?

Stephen Kind in Hochform oder eben nicht… denn King gibt an, zu der Zeit, während der er an diesem Roman schrieb, körperliche Qualen gelitten habe. Diese Beeinträchtigung sei beim Schreiben auch in die Geschichte miteingeflossen. Bereits im späteren Roman Love aus dem Jahre 2006 merkt man King sein Leid auch an. Love hatte er, nach einem Autounfall, im Krankenhaus geschrieben. Ich kann mir gut vorstellen, dass Kings Wohlbefinden sich jeweils auf seine Bücher überträgt. Die Qualitätsschwankungen in Kings Romanen von „genial“ bis einfach „gut“ kann ich mir sonst nicht anders erklären. Während Bücher wie Es oder Wahn echte Geniestreiche darstellen, so dünkt mich, dass andere Romane wie Doctor Sleep oder Duddits einfach Kopien sind. „Duddits“ kann durchaus mit „Tommyknockers“ verglichen werden. Wobei Tommyknockers eine etwas klarere Aufbaustruktur, ähnlich wie sie in Es vorhanden ist, aufweist. Somit ist „Duddits“, aus meiner Sicht, eher einer der mittelmässigeren Bücher Kings.

Selbstverständlich ist die Geschichte ausnahmslos gut erzählt. Trotzdem wirkt der Storyaufbau um die Charaktere herum aufgeblasen. Ständige Handlungswiederholungen zermürbten mich beim Lesen. Oft vermischt King schreckliche Situationen mit Comedy, wie zum Beispiel dem Herumfurzen von McCarthy, was dazu führt, dass die ganze Waldhütte nach Schwefel stinkt. Der komödiantisch dargestellte Zustand führt jedoch zur Katastrophe für McCarthy. Kings Hang zum Amüsement ist auch wieder in „Duddits“ vorhanden. Mit Betonung auf „auch wieder“, denn eine ähnliche Situation finden wir bereits früher Es. Die Anspielungen auf Filme wie „Aliens“ oder „Akte X“ wirken heute ein wenig aufgesetzt, was aber zu seiner Zeit sicherlich den gewünschten Effekt erzielt haben dürfte, da sich die Leser in einer vom Zeitgeist umspielten Geschichte widerfanden. Der Charakter von Duddits selbst, dem Down Syndrom Kind, hat mich dann doch eher genervt. Ich glaube auch nicht, dass die Dialoge von Duddits einem Kind mit dem Down Syndrom gerecht werden.

Duddits Dreamcatcher von Stephen King, Heyne Verlag, 896 Seiten, Duddits, rezensiert von Cristoforo

  1. Eine sehr treffende Rezension. Mir erging es ganz ähnlich. Das recht häufige Herumreiten auf den Suizid-Gedanken wirkt zudem depressiv. Kein Vergleich zu »The Green Mile«, »The Stand«, »Die Arena« und etlichen anderen.

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