{GELESEN} SCORE von Martin Burckhardt

Utopie/Dystopie mal hautnah erleben? Dann lest diesen Roman. Lediglich unserer Legende Philip K. Dick kann der Autor das Wasser noch nicht reichen. Dafür ist Martin Burckhardt „noch“ zu wenig durchgeknallt. Aber bei Dick waren ja bekanntlich die Drogen massgeblich mitverantwortlich….

Filme wie Strange Days mit Ralph Fiennes, Transcendence mit Johnny Depp oder Blade Runner mit Harrison Ford haben eines gemeinsam: „das gekonnte Vermischen von verschiedenen Realitäten mit der Traumwelt“. Entsprechende Laune vorausgesetzt, mag ich solche Filme ungeheuer gern an einem gemütlichen Filmabend einlegen.

Die Spielefirma Nollet schafft in Zukunft „Das Paradies auf Erden“. So lautet auf jeden Fall der Slogan der besagten Firma, die den Staat komplett abgelöst hat und das Geld, Krankheiten und alle Gewalt abgeschafft hat. Damian ist anfangs davon überzeugt, dass das ständige Spielen und „Scores“ (Punkte) sammeln DIE Lösung aller Probleme darstellt. Arbeiten wird so zum Spielespass, den man dann geniessen kann, wenn man das auch möchte. Automatisch sammelt man so Scores (Punkte). Wer jedoch schlechte Scores-Resultate abliefert, wird von der Firma augenblicklich sanktioniert.

Durch die, in Menschen implantierten Chips, werden die Scores dann von einem Menschen zum anderen transferiert. Die somit vorherrschende totale Kontrolle verhindert jegliche Ausschreitungen und lässt Querdenkern praktisch keinen Platz im System. Doch das System hat auch seine Schattenseite, genannt „die Zone“. Dort müssen Menschen ausserhalb des Systems täglich um das Überleben kämpfen. Als sich ein Mitarbeiter/Spieler des Systems eines Tages umbringt, statt sich den Fragen zu seinen niedrigen Scores zu stellen, beginnt auch Damian das System zu hinterfragen und gerät immer mehr in den Sog der Firma, die so einiges an manipulativer Machtkontrolle zu bieten hat.

 

5von5



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Boaaah…war das düster! Beim Blick auf das Cover erwartete ich eher eine einfache Science Fiction Geschichte. Doch was Martin Burckhardt da geschrieben hat, wird durch den einfach gehaltenen Titel eher verniedlicht statt geehrt. Ähnlich wie in Philip K. Dicks Werken hat Martin Burckhardt eine utopische/dystopische Zukunftswelt zum Leben erweckt, in die wir in naher Zukunft hineingeraten könnten. Gedankenmanipulation und Gedankensteuerung gehörten dann zur Tagesordnung und würden einen ganz grossen Bestandteil unseres Systems darstellen. Das bedrückende Gefühl, mehr über Damians Wahrheit zu erfahren, hat mich bis zum Schluss begleitet und dazu geführt, dass ich das Buch praktisch in einem Rutsch durchgelesen habe. Das ist bei mir eigentlich eher selten der Fall.

Unsere Zukunft zeichnet Burckhardt in SCORE düster, die Charaktere leben in ständiger Ungewissheit ihr Leben. Ihr Handeln wird oft fremdbestimmt, auch wenn sie meinen, frei denkend zu handeln. Diese Vorstellung erscheint mir zwar sehr pessimistisch, doch wenn wir uns ehrlich beobachten, stellen wir bereits gewisse Parallelen zu heute fest. Beim Lesen der Geschichte muss man schon ein wenig, sagen wir mal philosophische Vorkenntnisse mitbringen und sich bereits über das eigene Leben im heutige Rechtssystem eigene Gedanken gemacht haben.

Der Inhalt des Romans ist wirklich keine leichte Kost. Er zieht uns Leser in einen Sog, dem wir nicht so einfach entkommen können. Geschrieben ist es sagenhaft einfach und doch komplett anders als viele derzeitige Romane, die ein ähnliches Thema angehen, wie zum Beispiel „Zero“, von Marc Elsberg. Zu vergleichen ist SCORE eher mit den zeitlosen Klassikern von Philip K. Dick. Die Schauplätze und die Story können durchaus mit den eingangs erwähnten Filmen wie „Blade Runner“, „Transcendence“ oder „Strange Days“ verglichen werden. Und es würde mich nicht wundern, wenn wir diesem Roman auch bald als Filmfassung im Kino wiederbegegnen würden.

SCORE von Martin Burckhardt, Albrecht Knaus Verlag, 352 Seiten, Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

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  3. Zitat: „Ihr Handeln wird oft fremdbestimmt, auch wenn sie meinen, frei denkend zu handeln. Diese Vorstellung erscheint mir zwar sehr pessimistisch….“
    Ich glaube, dafür brauche ich erst gar nicht in die Zukunft zu blicken, sondern mich einfach nur umzuschauen.
    LG von Rosie

    Gefällt 1 Person

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