Montecristo von Martin Suter

MSuter

Wer sich auf Schweizer Literatur freut, wird Martin Suters „Montecristo“ mögen. Der Diogenes Roman entführt den Leser in die verschwörerische Welt der Schweizer Banken. Ein wenig mehr „Unerwartetes“ hätte dem Buch nicht geschadet. Aber es ist ein gutes, routiniert geschriebenes Werk, wie wir es von Martin Suter erwartet haben.

Der Videojournalist Jonas Brand erhält als Wechselgeld einen 100 Franken Schein, der dieselbe Seriennummer wie ein anderen 100 Franken Schein aufweist, den Jonas bereits besitzt. Jonas macht sich auf die Suche für den Grund des doppelten Lottchens. Je intensiver er recherchiert, desto seltsamere Dinge widerfahren ihm. Ein Einbruch in seine Wohnung und ein Überfall auf offener Strasse lassen ihn stutzig werden. Als die Geschichte „Montecristo“ des Videojournalisten  bei einer eher unüblichen zweiten Durchsicht der Filmförderer doch noch finanziert wird, muss sich Jonas Brand entscheiden, worauf er seinen Fokus richten will: auf die Suche nach der Wahrheit über die doppelte Seriennummer oder auf die Filmproduktion. Die Entscheidung fällt ihm nicht leicht, auch weil niemand den plötzlich aufgetauchten, anonymen Spender für die Verfilmung von „Montecristo“ zu kennen scheint.

 

4von5

Montecristo hier probelesen

 

Martin Suter hat Schreiberfahrung. Soviel sei schon einmal gesagt. Wie aus einem Guss produziert, präsentiert sich die Geschichte wie ein in sich fest geschlossenes Werk. Professionell und gekonnt hat Suter die Charaktere beschrieben, deren Beziehungen aufgezeigt und interessante Schweizer Settings beschrieben, ohne dabei zu stark auf die nationalistische Schiene zu geraten. Das gefällt mir besonders gut.

Die Story selbst weiss gänzlich zu überzeugen. Spätestens hier merkt man, dass ein waschechter Autor am Werk war. Auch die Thematik über das intransparente Schweizer Bankensystem ist gut konstruiert und der Autor hat, wie man es sich von ihm gewöhnt ist, auch hier wieder einmal gut recherchiert. Wobei ich dennoch gestehen muss, dass vor allem zu Beginn des Romans die Geschichte etwas verwaschen und durchwachsen wirkt. Die Charaktere entfalten eher ab der Mitte ihre Persönlichkeiten. Da hat wohl die Falle namens „Routine“, wie bei so manch erfahrenen Autoren, zugeschnappt. Was ich damit sagen will, ist, dass man Neues und Gewagtes vergebens in Montecristo sucht. Während Martin Suter sich in Der Koch noch auf einige erzählerische Experimente eingelassen hat, so wirkt die Story in Montecristo wie ein guter Thriller mit einigen guten Wendungen. Unvorhersehbares und Wendungen abseits vom Mainstream hätten Suters Roman gut gestanden.

Aber dennoch: Montecristo ist ein weiterer Suter Roman, solide geschrieben und immer nah dran am Zeitgeschehen.

Montecristo von Martin Suter, Diogenes Verlag, 288 Seiten, Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

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