Heilige Kuh von David Duchovny

Seit der TV Serie Californication ist David Duchovny einer meiner Lieblingsschauspieler. Bereits in der amerikanischen Hollywood Talk Show Inside The Actors Studio stellte sich Duchovny den zahlreichen Fragen von James Lipton und den Schauspielstudenten im Publikum. So erfuhr ich unter anderem von Duchovny’s Literaturstudium. Dass der ehemals gefeierte Akte X Star nun ein Buch geschrieben hat, ist für mich wie Weihnachten. Was aber nicht heisst, dass ich seinen Roman deshalb schonen werde.

Die Schweiz ist das Kuhland schlechthin. Bauern im ganzen Land bewirtschaften ihre Höfe und verkaufen ihre Milch an die Grossverteiler. Was wäre die Landschaft der Schweiz bloss ohne Kühe? Klar, wie haben die Berge, die Seen, die Wälder… aber eben auch viele Kühe.

So ist es auch eine Kuh, die in Duchovny’s Roman die Hauptrolle spielt. So leben auf dem Bauernhof in Heilige Kuh allerlei bekannte Tierarten. Truthähne, Gänse, Hunde, Schweine und eben auch Kühe. Und ..… diese Tiere können sprechen, auch Elsie. Die junge Kuh Elsie bemerkt eines Tages, dass sie sich von Bullen angezogen fühlt. Sie spricht mit ihrer Freundin Mallory darüber und muss feststellen, dass auch Mallory sich von Bullen angezogen fühlt. Eines Nachts beschliessen sie, das Bullengehege aufzusuchen, indem sie aus ihrem eigenen Gehege ausreissen. Schnell wird aus diesem einen Ausflug eine Gewohnheit. Elsie geniesst diese nächtlichen Eskapaden, die sie auch in die Nähe des Menschenhauses führen.

Auch eine Heilige Kuh macht Muh.

In einer Nacht beschliesst Elsie, ihren Kopf ins offene Fenster zu strecken, um zu sehen, was die Menschen so treiben. Die Menschen sitzen still auf ihren Sesseln und starren in eine Lichtkiste. Elsie vermutet, dass es sich dabei um eine Gottheit handeln muss, wenn die Menschen dermassen konzentriert darauf starren. Und so schaut auch Elsie auf das, was über die Lichtkiste flimmert: eine Dokumentation über das Töten und Schlachten von Tieren (auch Kühe)! Elsie beschliesst daraufhin in der Welt nach dem Sinn des Tierlebens zu suchen. Sie kannte bisher ja nur das wohlbehütete Leben auf dem kleinen Bauernhof.  Auf ihrer spannenden Reise nach dem Sinn des Tierlebens erfährt Elsie, dass in einem Land namens Indien Kühe wie sie selber heilig sind.

 

4von5

IMG_1392

hier Heilige Kuh probelesen

 

Anfänglich musste ich mich ein wenig an die aussergewöhnliche Mixtur des Inhaltes gewöhnen. Die Story beginnt als lustige Kindergeschichte mit viel Witz und Charme. Während des Lesens bleiben der Witz und der spezielle Charme wichtige Bestandteile der Geschichte (z. B. eine sprechende Kuh). Doch dann entpuppt sich das Buch eigentlich als Dokumentation und von Philosophie geprägtes Werk. Der Roman handelt von der jungen Kuh Elsie, die durch das am Fernsehen Gesehene beschliesst, sich selber ein Bild von der weiten Welt zu machen und so aus ihrer kleinen Bauernhofwelt ausbricht. Man erfährt während der Lektüre vieles über Tierhaltung und Fleischproduktion auf der ganzen Welt. Die Geschichte handelt auch von Religionsformen und deren Umgang mit Tieren. Für Elsie scheint Indien das Traumland par excellence zu sein. Dort können Kühe frei herumlaufen, und wenn Inder auf Kühe stossen, lassen sie den Kühen den Vortritt. Doch während sie herumreist und sie auf fremde Tiere trifft, beginnt Elsie erstmals ihre eigenen Träume zu hinterfragen.

Ich musste viel lachen wegen Heilige Kuh, doch der Humor geht zumeist auf Kosten der Tiere. Oft fühlte ich mich während des Lesens an philosophische Werke wie Wer bin ich – und wenn ja, wie viele? von Richard David Precht oder den Film Matrix erinnert. Nebst den philosophischen Fragen handelt das Buch auch von der industriellen Verarbeitung von Fleisch, dem Einsatz von Antibiotika und der grausamen Massentierhaltung. Und selbstverständlich davon, wie der Mensch aus purer Geldgier den Planeten verdreckt.

Was mir jedoch nicht so gut gefallen hat, ist, dass der Roman teilweise wie ein Drehbuch verfasst wurde: viele Seiten und eher wenig Text. Hier hätte ich mir lieber ein wenig mehr Inhalt gewünscht. Über den Galgenhumor des Autors kann man sich streiten. Während die einen sich totlachen, werden sich andere eher zu Tode ärgern. Das ist nun mal so. Mir persönlich hat das Buch auf jeden Fall sehr gut gefallen und ich bin gespannt, ob und was Duchovny als nächstes schreiben wird.

Duchovny hat mit Heilige Kuh eine Art Kinderbuch mit schwarzem Humor erschaffen, was aber schlussendlich ein tiefsinniges Werk eines überzeugten Vegetariers ist. Wer über den Tellerrand spähen möchte und gerne lacht, sollte das Buch unbedingt lesen. Der Inhalt selber hinterlässt, natürlich dem Thema gerecht, einen trüben Nachgeschmack. Da muss man einfach durch, das ist die Realität.

Heilige Kuh von David Duchovny, Heyne Verlag, 224 Seiten, Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

Teile dich mit

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: