Ein Jahr auf dem Land von Anna Quindlen

AQuindlen

"Klare Kaufempfehlung: kurzweilig, prägnant und witzig!"

Anna Quindlen? Noch nie gehört! Und dabei soll sie ja angeblich eine der ganz wenigen grossen Autorinnen sein, die die USA zu bieten hat. Wurde doch auch schon einer ihrer Romane mit Hollywood Grösse Meryl Streep in der Hauptrolle verfilmt. Aber das war mir schnurzpiepegal, von sowas lasse ich mich nicht beeindrucken. Ich wollte nur eines: nach Alles ist gutgegangen musste ich eine literarische Erholungspause einlegen. Bernheims autobiografischer Ausflug in eine Welt, in welcher der eigene Vater dich bittet, ihm beim Freitod zu helfen, war dann ehrlich zuviel des Guten für mich.

Und ich lag zum Glück bei der Wahl von Quindlens Roman genau richtig. Mir gefiel die direkte, humorvolle, aber auch tiefgründige Art von Frauenroman (ich hasse dieses Wort), die deine eigenen, schlechten Zeiten etwas erhellt. Ein Jahr auf dem Land unterhält bestens und ist deshalb auch ideal zum Abschalten.

Die Autorin hat mit Ein Jahr auf dem Land die Thematik Neuanfang aufgegriffen und diese mit viel Selbstironie und Humor aufgemöbelt. So begegnen wir der 60 Jahre alten, geschiedenen Rebecca, Mutter von Ben. Einst gefeierte Fotografin, steht sie heute vor finanziellen Abgründen, denn der Erfolg von früher ist seit Jahren ausgeblieben. Sie vermietet daraufhin ihre New Yorker Wohnung und zieht mit dem Vorsatz, lediglich ein Jahr auf dem Land zu verbringen, ins Grüne. Natürlich ist die neue Bleibe, die sie nur von Fotografien aus dem Internet kennt, eine Katastrophe. Lediglich eine einzige Steckdose findet sie vor, dafür gibts umsonst einen agilen Waschbären unter dem Dach, der Rebecca schon in der ersten Nacht in Angst und Schrecken versetzt.

Rebecca erkundet nach und nach ihre Umgebung und stösst dabei nicht nur auf liebenswerte Menschen wie z.B. der Tea Shop Besitzerin oder Jim, den Dachdecker, sondern sie trifft auch im Wald auf ominöse kleine, weisse Holzkreuze. Rebecca, ganz Fotografin, hält diese Momente mit ihrer Kamera fest, ohne zu wissen, dass sich hinter diesen Kreuzen eine tragische Geschichte verbirgt.

 

4von5

hier gehts zur Leseprobe

 

Ich empfehle diesen Roman allen, die gern eine kurzweilige, amüsante Lektüre mögen, die sich beim Lesen anfühlt, als ob man beim Zugfahren aus dem Fenster guckt und sich die Landschaft ansieht. Quindlen schreibt ohne Umschweife, direkt auf den Punkt. Kein Satz ist zu lang und keine Erklärung zu ausführlich. Hier ist jedes Wort da, wo es hingehört, wie das Geschirr in einem gut geordneten Küchenschrank. Etwas verwundert war ich lediglich über den Titel des Buches. Warum man den englischen Titel Still Life with bread crumbs (Stilleben mit Brotkrümeln) in der deutschen Fassung als Ein Jahr auf dem Land herausgibt, verstehe ich nicht. Da hätte aus meiner Sicht der Originaltitel doch auch sehr gut gepasst. Ein Jahr auf dem Land ist dann doch sehr abgedroschen und dröge und passt so gar nicht zum Buch, erscheint der Titel doch einfach viel zu nichtssagend, im Vergleich zum Inhalt und dem Können der Autorin.

Ein Jahr auf dem Land von Anna Quindlen, DVA, 320 Seiten, Leseprobe, rezensiert von Virginia

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