Der dunkle Schirm von Philip K. Dick

Dick

"Philip K. Dicks Hommage an seine Freunde."

Philip K. Dick (am 16. Dezember 1928  in Chicago geboren und am 2. März 1982 verstorben) war eine der schillerndsten Erscheinungen am Autorenhimmel. Er schrieb unter anderem 40 Romane, die seinesgleichen suchen. Filme wie Blade Runner mit Harrison Ford, Minority Report mit Tom Cruise oder sogar Matrix wurden alle nach Dicks visionären Erzählungen produziert. Philip K. Dicks Lebensgeschichte ist genauso durchgedreht wie seine Storys selbst. Er galt zu seiner Zeit als der Drogenautor. Dick wurde u.a. auch wegen seiner bewegten Drogenzeit und seiner Paranoia dem FBI und dem KGB gegenüber bekannt.

Filme wie Naked Lunch von David Cronenberg oder die filmischen Werke von Darren Aronofsky wie Black Swan, worin sich Realität mit der Vision vermischt, sind für mich allesamt wahre filmische Meilensteine. Auch die Macher der Matrix Trilogie haben bei den meisten Zuschauern ein Gefühl der philosophischen Hinterfragung unserer Gesellschaft bewirkt. Nur selten habe ich die Gelegenheit beim Lesen solche Gedankentiefgänge zu geniessen. Vor allem bei philosophischen Bücher wie z.B. den Sachbüchern von Richard David Precht ist das eher der Fall.

Philip K. Dicks Werke mag ich, weil er A seinerzeit komplett anders geschrieben hat und B, weil seine Werke wirklich aus einer anderen Parallelwelt zu stammen scheinen. Strukturen sucht man in Dicks Geschichten vergebens, denn diese werden genauso schnell wieder über Bord geworfen, wie sie vom Autor mühsam aufgebaut wurden. Einfach indem diese Strukturen durch komplett abstruse und verdrehte Realitätsverzerrungen ersetzt werden. Dick wusste es zu provozieren, zu erschrecken und zugleich zum Nachdenken anzuregen.

Der dunkle Schirm ist Dicks Hommage an alle seine Freunde aus seiner bewegten Drogenzeit. Viele dieser Freunde starben an den Auswirkungen der Drogenkonsums oder verloren ihren Verstand.

 

4von5

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Das Buch wurde im Jahr 2006 als neumodischer Zeichentrickfilm fürs Kino verfilmt. Für die Zeichentrickfiguren standen weltbekannte Schauspieler wie Keanu Reeves, Robert Downey Jr. und Winona Ryder pate.

Der Jedermanns Anzug bewirkt, dass der Träger seine Identität verschleiern kann. Im Drogenkrieg gegen Dealer und Junkies soll der Jedermann Anzug dazu dienen, sich in die Drogen Gangs einzuschleusen. Bob Arctor ist ein Geheimagent und gibt sich im Jedermann Anzug als Fred aus. Für die Drogenfahndung des kalifornischen Orange County muss er sich unter in Beobachtung stehende Junkies mischen und auch Drogen, wie die Substanz T, konsumieren. Langzeitschäden müsse er einfach in Kauf nehmen. Der Geheimagent muss einen der gefährlichsten Drogendealer beobachten, bis er merkt, dass er sich dabei selber beobachtet.

Aber zurück zum Buch: die Story selbst wirkt sehr stark übertrieben und hält sich weder an literarische sowie physikalische Gesetze. Nichts folgt irgendwann irgendwelchen Klischees. Ständig konsumieren die Charaktere Drogen und führen sich wie durchgeknallte Kleinkinder auf. Die Texte sind zeitweise dermassen abstrakt und realitätsfremd, wie sie nur aus dem Mund von LSD oder Kokainsüchtigen stammen können. Sogar das Handeln der Charaktere im Film Trainspotting machte für mich teilweise mehr Sinn. Und genau deshalb ist Dicks Buch erschreckend und faszinierend zugleich. Man merkt, dass er genau das beschrieben hat, was er selbst während seines Drogenkonsums erlebt haben muss. Der Höhepunkt für mich war, als ein Charakter sich und seinem Hund irgendwelche Wanzen (in Form von Blattläusen) versucht aus dem Körper zu schaffen, indem er und sein Hund stundenlang duschen. Oder wie aus einer bescheuerten Notlüge eines Junkies plötzlich eine echte Diskussion wird. Die Visionen der Charaktere sind teilweise recht erschreckend. Es ist so, als würde man beim Lesen direkt in den Kopf eines paranoiden, schizophrenen Menschen eintauchen. Zudem kommen die visionären Verzerrungen und das Verdrehen von Tatsachen, bis man sich als Leser auch nicht mehr sicher sein kann, was nun wahr ist und was nicht. Die Idee mit den Jedermanns Anzügen war Dick typisch und seinerzeit einzigartig. Der dunkle Schirm ist sehr gut geschrieben, aber für mich zu drogenlastig. Ich bevorzuge von Dick eher Werke wie Ubik oder die Valis-Trilogie.

Wer gut strukturierte Literatur, die sich an vorgegebene Regeln hält abstrakten Werken vorzieht, sollte um Dicks Bücher einen weiten Bogen machen. Alle anderen werden Dick als einzigartige Bereicherung empfinden. Zum Einstieg in Philip K. Dicks Welt empfehle ich eher Werke wie Ubik oder Nach der Bombe.

Der dunkle Schirm von Philip K. Dick, FISCHER Taschenbuch, 336 Seiten, Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

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