Alles ist gutgegangen von Emmanuèle Bernheim

mit Klick ins Buch

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"Warnung: Dieses Buch kann Sie verstören."

Alles ist gutgegangen. Na ja, ehrlich gesagt, geht in diesem Roman rein gar NICHTS gut. Und wenn ich, als unter Angststörung leidende Person, gewusst hätte, was mich in Alles ist gutgegangen wirklich erwartet, hätte ich mich tunlichst von dem Roman ferngehalten. Abgesehen davon hätte ich NIE gedacht, dass mich ein Buch dermassen mitnehmen würde.

Eigentlich hätte ich es besser wissen müssen, schon nach den ersten paar Kapiteln, aber dieser Roman erzeugt eine starke Sogwirkung, die man mit dem Begaffen eines Autounfalls vergleichen könnte. Man kann nicht hinsehen, aber auch nicht wegsehen.

Vielleicht sollte man auf dem Roman einen Warnhinweis vermerken, wie es auf Zigarettenschachteln üblich ist. „Dieses Buch kann Sie verstören“, oder so ähnlich.

In unerhörtem Tempo und mit fast schon stichwortartigen Sätzen, erzählt uns die Autorin von ihrem inneren Kampf. Wir empfinden den wahnsinnigen Druck, der auf ihr lastet, als ihr Vater sie bittet, ihm zu helfen, Suizid zu begehen. Emmanuèle Bernheims Vater ist schon länger krank, fühlt sich nicht mehr so, wie er sich einst fühlte und möchte deshalb auch nicht unnötig verlängern, was nicht zu ertragen ist.

Dies ist keine fiktive Geschichte, denn Emmanuèle Bernheim schreibt aus biografischer Sicht. Was sich wie eine Art Express Tagebuch präsentiert, hat es in sich. Eine Wucht, von der man als Leser am Ende mit 180 Sachen unausweichlich an die Wand gefahren wird. Dieser Roman ist schnell gelesen, treibt einen aber tagelang um.

IiiNAM5

Ich habe noch nie einen Roman gelesen, der mich dermassen verstört und Gefühle beschert hat, von denen ich hoffe, dass sie mich nie treffen werden. Mir hat dieses Buch Angst gemacht. Wer nicht grade an Panik- oder Angststörung leidet, kann dieses Buch ohne Angst angehen. Sollte aber darauf vorbereitet sein, dass es einschlägt wie eine emotionale Platzbombe. Besonders unterstützt wird dieser Eindruck durch die Erzählweise in der Ich Perspektive.

Ich habe mir nun extra ein wirklich „seichtes“ Buch raussuchen müssen, damit ich überhaupt noch was lesen möchte. Auch wenn ich diesen biografischen Roman am liebsten nicht gelesen hätte, so begeistert es mich doch ungemein, wie man mit so wenig Worten, eine derart gehetzte und dichte Atmosphäre schaffen kann. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Autorin einfach nur ihre Emotionen und Eindrücke zu Papier bringen wollte, um sich davon zu befreien. Dieser Eindruck hat sich mir beim Lesen nach und nach erschlossen. Was Emmanuèle Bernheim schreibt ist einfach nur direkt aus dem Herzen, ehrlich, ungeschönt und brutal wie die Realität nun einmal ist.

Eines ist klar, ich konnte mich dermassen mit dem Buch identifizieren, sowas sucht seinesgleichen. Ich glaube, dass dies daher rührt, dass es eben nicht nur eine fiktive Story ist, sondern das, was die Autorin erlebt hat, eins zu eins.

Wer sich traut und neugierig geworden ist, nur zu. Wer eher zu Depressionen oder Gemütsschwankungen neigt, oder wie ich an Angststörung leidet, sollte sich wirklich besser fern halten.

Alles ist gutgegangen von Emmanuèle Bernheim, Hanser Berlin, 208 Seiten, Leseproberezensiert von Virginia

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