Das Jahr, in dem ich dich traf von Cecelia Ahern

mit Klick ins Buch

3 von 5 Sternen

"Hat Ahern vielleicht schon einen Ghostwriter?"

Etwas irritiert lege ich das Buch nach dem Auslesen beiseite. Ich fühle mich verunsichert. Ist das wirklich ein Cecelia Ahern Roman? Ich könnte schwören, sie hat einen Ghostwriter, der diesen Roman für sie geschrieben hat. Lediglich eine Spur von Ahern finde ich noch im Humor der Charaktere. Ich bin enttäuscht einerseits, weil dieser Roman so anders ist als alle Romane, die ich vorher von der Autorin gelesen habe. Andererseits bin ich fast etwas überfordert mit dem Konstrukt, das mir Ahern in Das Jahr, in dem ich dich traf, präsentiert.

Mit einem Schubs finde ich mich als Leser, fast ein bisschen wie Alice im Wunderland, die ins Kaninchenloch fällt, mitten im blühenden Romanleben unserer Protagonistin Jasmine wieder. Sie wurde soeben von ihrem Job freigestellt und muss nun feststellen, dass sie mit der vor ihr liegenden, einjährigen Auszeit, überhaupt nicht klar kommt. Diese Auszeit hat man ihr bei der Kündigung auferlegt, um Jasmine davon abzuhalten, umgehend beim nächsten Konkurrenten anzuheuern. So widmet sich Jasmine, die übrigens in ihrem Leben nicht viel mehr gemacht hat, als zu arbeiten und sich um ihre grössere Schwester, die mit dem Down Syndrom zur Welt gekommen ist, zu kümmern. Ihr soziales Netzwerk ist überschaubar, Jasmine ist gern alleine. Um sich vom eigenen Elend abzulenken, fixiert sich Jasmine auf ihren Nachbarn Matt von gegenüber. Einem soeben gefeuerten Radio DJ mit Alkoholproblemen, dessen Ehefrau mitsamt Kindern auszieht. Jasmine „hasst“ Matt und findet immer wieder einen Grund, um sich an ihm zu reiben. Während ihrer Auszeit entdeckt sie nicht nur ihre Liebe zum Gärtnern, sondern auch zu Headhunter Monday, in den sie sich Hals über Kopf verliebt.

Hört sich an wie eine Liebesgeschichte? Mitnichten. Denn die Liebesgeschichte zwischen Monday und Jasmine spielt sich nur am Rande der Geschichte ab und könnte man als Beigemüse betiteln. Ahern konzentriert sich vor allem auf die Beziehung von Jasmine zum alkoholkranken Familienvater Matt und ihren ambivalenten Gefühlen ihm gegenüber. Dies wird schriftstellerisch verdeutlicht, indem Jasmine, aus deren Sicht wir die Geschichte erleben, sich in ihren Gedanken direkt an Matt wendet. Sie siezt ihn: „Ich sehe Sie, wie Sie mit ihrer Frau vor der Haustüre stehen und streiten“, und andere Sätze kommen im monologisierten Dialog daher. Und zwar ausschliesslich, über das ganze Buch hinweg. Es ist mir nicht klar, warum Cecelia Ahern sich für diese Form der Erzählung entschieden hat. Sie hat ungemein wenig mit ihren vorangegangenen Romanen gemeinsam. Vielleicht wollte Ahern einfach mal was anderes schreiben und experimentieren?

Irritierend fand ich dennoch, dass die Liebesgeschichte nur beiläufig stattfindet. Ich denke, das könnte einige Ahern Liebhaber verschrecken, denn diese sind sich doch seit dem Bestseller P.S. Ich liebe Dich an den typischen Ahern Stil gewöhnt. Aber auch die etwas schleppende, nichtsaussagende Story lässt den Leser nicht wirklich warm werden mit dem Roman. Es ist so eine Art „etwas und nichts“ Gefühl, das einem insbesondere ab der Hälfte bis zum Schluss begleitet. Hätte ich gewusst, wie der Roman endet, hätte ich ihn wohl nicht zu Ende gelesen, das muss ich unumwunden zugeben. Da hätte ich von Ahern doch mehr erwartet. Auch wenn ihre humorvolle Art zu schreiben immer noch an der Tagesordnung steht, reicht das nicht aus, der Roman kommt leider nicht an Aherns bereits veröffentlichte Romane heran.

Das Jahr, in dem ich dich traf ist nicht Aherns bester Roman, aber vielleicht experimentellster, das kann man getrost sagen. Ich bin gespannt, ob die Autorin sich in diese Richtung weiterentwickelt oder ob dieser Roman später einmal als Ausrutscher in die Bestseller Annalen eingeht.

Das Jahr, in dem ich dich traf von Cecelia Ahern, FISCHER Krüger, 384 Seiten, Leseprobe, rezensiert von Virginia

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