Das Mädchen von Stephen King


mit Klick ins Buch

35von5

"Ich vermisse den typischen King Charme."

Ich besuchte noch die Primarschule, als ein kleines Mädchen nach einem Volksfest im Wald bei unserem Dorf missbraucht und erdrosselt wurde. Sie wollte beim Vita Parcour angeblich Hasen füttern, als sie von einem perversen Serienkiller angegriffen wurde. Ich dachte damals viel an den Wald, der an meinem ein Kilometer langen Schulweg angrenzte. Wir, die Kinder vom Dorf, mussten dort entlang, um zur Schule zu gelangen. Zu Fuss oder mit dem Fahrrad. Man musste einfach dort entlang, es war der einzige Weg . Dazumal war es noch nicht an der Tagesordnung, dass man seine Kinder mit dem Auto zu Schule fuhr. Man kann es damalige Naivität oder heutige Paranoia nennen, aber ich verstehe die Eltern und ihre Angst um ihre Kinder. Ich habe oft an das schreckliche Schicksal des kleinen Mädchens gedacht und was sie für Höllenqualen im Wald erlitten haben muss.

Die neunjährige Trisha geht mit ihrer Mutter und ihren Bruder Pete im Wald zum Wandern. Die kleine Familie hat es nicht leicht. Trishas Eltern sind geschieden und ihr Bruder bringt ihre Mutter ständig auf die Palme. So kommt es, dass die Mutter und der Bruder während eines Streits nicht mal bemerken, dass Trisha pinkeln muss. Sie geht in den Wald, weg von der Strasse und lehnt sich an einen Baum. Zum Pipimachen kommt auch die Ruhe dazu, die Trisha geniesst. Das ständige Streiten von Mutter und Bruder geht Trisha auf die Nerven, so dass sie diesen kleinen Rückzug und die Ruhe von dem Streit geniesst. Sie entscheidet sich, alleine weiter zu gehen. Einfach den Stimmen der beiden zu folgen. Als Trisha vom Weg abkommt, redet sie sich ein, dass es reicht anderen Stimmen zu folgen, wie z.B. jenen von anderen Wanderern. Mit einem Rucksack, einigen gekochten Eiern, einem Gameboy und einem Walkman steht Trisha plötzlich alleine da. Als sie keine Stimmen mehr vernehmen kann, muss sie sich eingestehen, dass sie sich im Wald verlaufen hat.

Von diesem Buch erwartete ich das Stephen King typische „gewisse Etwas“, das Gefühl einen alten Bekannten wieder zu treffen. Gefühle, die Kings Bücher beim Leser meistens zu wecken vermögen. Obwohl der Roman dem bekannten King-Mix aus Horror, durchgeknallten Charakteren und gut aufgebauten Stories zum Teil entspricht, so fehlt von mir aus gesehen das, was man Tiefe nennt. King hat sich in diesem Buch vor allem auf die Geschehnisse Trishas im fremden Wald konzentriert. Ähnlich wie in Das Spiel, wo eine Frau nach einem Sex-Spielchen tagelang ans Bett gefesselt bleibt, so ist auch das kleine Mädchen Trisha plötzlich alleine auf sich gestellt. An Ideen, was Trisha widerfahren könnte, mangelt es King nicht. Dennoch bleibt die Geschichte stets oberflächlich. Obwohl die kleine Trisha jede erdenkliche Art von Ängsten und Horror am eigenen Leib erlebt, konnte mich die Geschichte zu keiner tiefen emotionalen Regung bewegen, wie ich es bei dieser Thematik, die eigentlich an und für sich schon Ängste weckt, erwartet hätte. Auch diese Story ist wie gesagt King typisch gut geschrieben, da gibt es nichts zu meckern. Und dennoch fehlt hier der King Charme. So könnte das Buch von irgendjemandem mit schriftstellerischer Erfahrung geschrieben worden sein. Das Mädchen steht für gute Lektüre für zwischendurch, aber nicht mehr.

Wer ein gutes Buch sucht, mit einigen wenigen Überraschungen, kann hier zugreifen. Für gut geschriebene Thriller empfehle ich dann eher Bücher von Tess Gerritsen oder Jeffery Deaver. Richtige King Fans sollten das Buch dennoch lesen.
 

Das Mädchen von Stephen King, Knaur Taschenbuch, 304 Seiten, Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

Teile dich mit

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: