One Second After – Die Welt ohne Strom von William R. Forstchen

2 von 5 Sternen

"...hat was von gequirlter Republikanerkacke...."

Stell Dir vor wir hätten von einem Tag auf den andern keinen Strom mehr. Was würde das mit uns machen, wie würden wir uns organisieren, wie sähe unser Leben aus? Eines weiss ich: sicherlich NICHT so, wie es in One Second After abgeht. Zumindest nicht in Europa.

Der Historiker Forstchen hat schon über 40 Bücher veröffentlicht. Leider heisst das noch nicht, dass man auch alles lesen kann, was er schreibt. One Second After ist so ein Buch. Der Roman beginnt spannend und büsst lediglich durch ein diffuses Gefühl von Oberflächlichkeit etwas an Lesevergnügen ein. „Man hat ja noch Hoffnung“, und so liest man weiter.

Die Geschichte handelt von John Matherson, Geschichtsprofessor und Ex-Colonel (also quasi Forstchen selber), der aufgrund eines EMP Angriffs auf die Vereinigten Staaten ungewollt (oder auch gewollt) zum Helden avanciert. Nach dem EMP Angriff, einer im Weltraum gezündeten Atombombe, kollabieren alle elektronischen Geräte, z.B. Autos, TVs, Radios und Computer. Die USA steht vor dem Kollaps, ohne Kommunikationstechnik verliert man auch in Johns Wohnort rasch den Überblick. Von heute auf morgen sieht sich die Bevölkerung mit mittelalterlichen Zuständen konfrontiert. Medikamente werden rar und auch Johns Tochter, die an Diabetes leidet, scheint dem Tod geweiht.

Forstchen beschäftigt sich in One Second After mit der Frage, wozu Menschen bereit sind, um ihre Familie als auch sich selbst zu schützen. Eine noble Fragestellung, die gewiss ihre Berechtigung hat in unserer Welt. Aber so?

One Second After strotzt nur so von patriotischem Pathos und ist sich auch nicht zu schade, dem Militär unaufhörlich ein Kränzchen nach dem andern zu winden. Was sich zunächst wie eine Roland Emmerich Verfilmung liest, entpuppt sich mit jeder weiteren Seite zum Lob auf die Flagge mit den vielen Sternchen. Amerika hier, Amerika da. Auch die Menschen in Forstchens Roman sind nicht Menschen. Nein! Sie sind Amerikaner. Und so reibt uns der Autor diesen Fakt auch immer wieder fleissig unter die Nase, bis es uns zu den Ohren wieder herauskommt. Wo der Mensch und die Beschreibung der Charaktere zu kurz kommt, wird dafür an selber Stelle dick mit der Strategieabhandlungs-Kelle angerichtet. So ertappt man sich auch dabei, dass man gerne mal ein paar Seiten überspringt, weil man es einfach nicht mehr lesen mag. Forstchens Roman erscheint mir wie eine Auflistung strategischer Massnahmen und Krisenmanagement Entscheidungen, die durch die Überdosis amerikanischen Nationalstolzes jeden Europäer mit der Literaturkeule erschlägt. Gefällt mir nicht, muss man nicht lesen. Da gibt es besseres zu dem Thema, z.B.Feuerflut von Charles Sheffield.

One Second After- Die Welt ohne Strom von William R. Forstchen, Deltus Verlag (512 Seiten), rezensiert von Virginia

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