Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer von Alex Capus

3 von 5 Sternen

"Zürich wie es früher war…"

Zürich Hauptbahnhof, im November 1924: Laura d’Orianos, Felix Blochs und Emile Gilliéros Wege kreuzen sich dieses einzige Mal am Hauptbahnhof Zürich,  ohne dass sie voneinander wissen. Laura reist mit dem Orient Express auf der Strecke Konstantinopel – Paris, beseelt von dem Wunsch, einmal eine bessere Sängerin als ihre Mutter zu werden. Felix sitzt am Bahnhof Zürich ohne die Zukunft geplant zu haben. Er wird später Atomphysik studieren. Emile ist Kunstmaler geworden, obwohl sein verstorbener Vater eine technische Zukunft für ihn vorgesehen hatte.

Doch wie das Leben so spielt, hat das Schicksal für die drei Protagonisten in diesem Alex Capus Roman andere Wege vorgesehen: Laura wird Spionin, Emile wird Fälscher und Felix Bombenbauer.

Alex Capus beschreibt die Stadt Zürich aus dem frühen 20. Jahrhundert äusserst detailliert, die anderen Länder und deren Städte widmet er sich leider nur stiefväterlich. Die Gefühle und Emotionen der Protagonisten werden eher selten beschrieben. Ich bekam so leider keinen Lesedraht zu den Charakteren. Es liegt wohl am eher sachlichen Schreibstil von Capus.

Als Schweizer interessiere ich mich selbstverständlich für dieses schöne Land und wie es früher gewesen sein könnte hier. Doch Emotionen und interessante Charaktere müssen schon auch einen Teil eines Buches ausmachen, aus meiner Sicht. Leider erfährt man über die Charakterzüge und Eigenarten von Laura, Felix und Emile relativ wenig. Man weiss zwar, was sie werden wollen und was sie schlussendlich erreichen, aber wer sind sie eigentlich? Dass die Charaktere keinen Bezug zueinander aufweisen, empfand ich als störend. Ein Buch mit drei zusammenhangslosen Geschichten: „man kann sowas schreiben, muss man aber nicht.“, um es mal typisch schweizerisch diplomatisch zu sagen. Schade eigentlich, weil sonst schreibt der Autor wirklich sehr gut.

Vor allem für Zürcher und Zürichbegeisterte ist es spannend, die Stadt mal aus der Sicht von früher betrachten zu können. Auch diejenigen, die keine zusammenhängende Geschichte als Voraussetzung für ein gutes Buch betrachten, könnten den Roman mögen. Wer eine wirklich spannende Geschichte mit geschichtlichem Hintergrund sucht, der sollte sich bei anderen Autoren umsehen.

 

Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer von Alex Capus, Carl Hanser Verlag, 288 Seiten, Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

    • Hallo Flattersatz 👍 und ich dachte schon Cristoforo hätte das Buch nicht „verstanden“. 😁 Von Capus hätte ich gedacht, das müsste auch wieder so gut wie Leon & Luise sein. Hatte er wohl ne schwache Phase. Danke für deinen Kommentar, richte das gern auch Cristoforo aus 😊 liebe Grüsse aus dem Capusland Schweiz

      Gefällt mir

Teile dich mit

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: