Alice im Wunderland von Lewis Carroll

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„Es war beste Tafelbutter!“

Als Kind in den Achtzigern aufgewachsen, liebte ich natürlich die Trickfilme wie Das letzte Einhorn, Dumbo oder eben Disneys Alice im Wunderland. Alles Klassiker, die man gesehen haben muss. Dass unsere Leihbibliothek  das Original von Lewis Carroll im Regal stehen hatte, war für mich eine Einladung, es endlich einmal zu lesen.

Alice liegt gelangweilt auf einer Wiese als plötzlich ein weisses Kaninchen mit rosaroten Augen an ihr vorbeirennt. Alice beschliesst, dem weissen Kaninchen zum Kaninchenbau zu folgen. Plötzlich fällt sie in das Kaninchenloch hinein, tief hinunter, in eine fantastische Welt, in der sich die Grenzen der Physik und Logik aufzulösen scheinen.

Was mich an Disneys Trickfilmfassungen wie Mary Poppins, Dumbo oder Alice im Wunderland schon immer gestört hat, sind die „stupiden“ Gesangseinlagen. Warum Walt Disney aus alten Klassikern immer Trickfilm Musicals machen wollte, werden wir wohl nie erfahren. Bitte versteht mich nicht falsch: ich liebe die erwähnten Filme!

Ende 2014 habe ich den Film Saving Mr. Banks mit Tom Hanks und  Emma Thompson gesehen. Er handelt von der Entstehungsgeschichte des im Jahre 1964 erschienenen Film Mary Poppins. Ganz klar wird vermittelt, wie Walt Disney jahrelang P.L. Travers, die Autorin von Mary Poppins, überzeugen musste, um aus einer ernsten Geschichte ein Trickfilm-Musical zu machen. Was bei Mary Poppins von Disney erzwungen wurde, passt bei Alice im Wunderland dann doch eher ins Disney Raster. Aber obwohl auch Lewis Carroll einige wenige Gesangseinlagen beschrieben hat, so glaube ich nicht, dass das Buch eine Form von Musical vermitteln wollte.


Wenn man das Buch liest, entdeckt man schnell die Verliebtheit des Autoren, vor allem Nonsens nieder zu schreiben. Dennoch bedeutet Nonsens nicht gleich Nonsens. Wie in J.R.R. Tolkiens Der Kleine Hobbit, so befinden sich echte Wortspielperlen in Carrolls Meisterwerk aus dem Jahre 1865. Vom weissen Kaninchen, über die Pfeife rauchende Raupe bis zum verrückten, Tee trinkenden Hutmacher ist in Alice im Wunderland alles vorhanden.

Wortspiele wie:

„…ich hab‘ dir doch gesagt, dass Butter für Uhrwerke ungeeignet ist.“

„Es war beste Tafelbutter!“

 

oder

„Alice, hast du schon die falsche Suppenschildkröte gesehen?
„Was ist eine falsche Suppenschildkröte?“
„Ein Tier, mit dem man falsche Schildkrötensuppe kochen kann.“

……machen das Buch zu etwas Besonderem.

Immer wieder musste ich über die schnelle Dynamik im Buch lachen. Alice gerät sehr schnell von einer lustigen Situation in die Nächste. Bis zum Schluss baut sich Carrolls Nonsens kontinuierlich auf. Nichts an der Schreibweise deutet auf das vorletzte Jahrhundert hin. Im Gegenteil, das Buch ist schnell, lustig und macht extrem viel Spass. Auch heute noch ein absolutes Muss!

Alice im Wunderland von Lewis Carroll, Anaconda Verlag, 160 Seiten, Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

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