Ein Mann namens Ove von Fredrik Backman

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"Ganz ehrlich: Ove geht mir auf die Nerven."

Wenn ein Blogger wie Fredrik Backman sich entscheidet, ein Buch zu schreiben, muss das nicht unbedingt heissen, dass am Schluss eine Zusammensetzung irgendwelcher Blog-Geschichten zustande kommt.

Auch in der Schweiz leben viele humorlose und unfreundliche Zeitgenossen, die sich ständig in die Angelegenheiten anderer einmischen. Als ich z.B. vor etwa 2 Jahren mit meinem „SUV“ meine Schwester in Zürich besuchte und mein Auto pedantisch genau auf dem ultrakleinen Parkplatz in Zürich Triemli vor ihrer Wohnung parkierte, „bewegte“ sich gerade ein altes Zürcher Pärchen (beide gingen an Stöcken) an meinem SUV  vorbei. Sie blieben stehen, schauten auf das Auto und schüttelten die Köpfe, als hätten sie Hundekot auf der Strasse entdeckt. Wohl bemerkt, wir sprechen hier von einem KIA Sorento; einem Serienfahrzeug, das in der ganzen Schweiz tausendfach verkauft wurde und bis heute immer noch wird. Ich dachte mir, dass solche Leute kein eigenes Leben haben müssten, wenn  sie sich dermassen über die Sachen anderer kümmern müssen. Vielleicht sind ältere Zürcher aber auch einfach nur stadtgeschädigt!?!

In Backmans Buch Ein Mann names Ove handelt es sich, wie im Titel beschrieben, um die Figur Ove, einen Querulanten wie er im Buche steht. Der 59-Jährige hat vor sechs Monaten seine Frau verloren und wartet eigentlich nur noch darauf, endlich selber gehen zu dürfen. Allein lebt Ove noch im selben Haus und vermisst jeden Tag seine verstorbene Frau.

Ove regte sich schon immer über andere Leute auf. Er regt sich über falsch parkierte Fahrräder oder Autos auf, absolviert nächtliche Quartierkontrollgänge und prüft den Müll aller Nachbarn auf vorschriftsgemässe Mülltrennung.  Im Buch kauft sich Ove einmal einen Computer, der gar kein Computer ist, dabei geht er den Verkäufern mächtig auf die Nerven. Ein anderes Mal erzählt er von einem „Trottel“ der nicht sein Fenster öffnen kann, ohne dabei von der Leiter zu fallen. Und wieder einmal trifft Ove einen Menschen, der einfach nur schwul ist. Allen Beteiligten geht Ove mächtig auf die Nerven. Auch dem Leser.

Der Bezug der Geschichte Oves zum Blog des Autors ist unübersehbar. Die Kapitel sind in sich geschlossene Geschichtchen, die stets dem gleichen Schema folgen:

  • Ove geht aus dem Haus. Was kommt auf ihn zu?
  • Er regt sich über irgendeinen Nachbarn auf. War ja klar.
  • Er lässt seine Wut an den Mitmenschen freien Lauf und putzt die-/denjenigen runter.
    Wie kann man nur?
  • Manchmal kassiert er eine Retourkutsche. Was für ein Wunder.
  • Uneinsichtig flüchtet Ove zurück in sein Haus. Der uneinsichtige Einzelgänger.
  • Er vermisst seine Frau. Och, das traurige Ende eines jeden Kapitels.

Der Geschichte wird das auferlegte Schema mehr und mehr zum Verhängnis. Was zu Beginn noch recht lustig erschien (ich musste manchmal auch lachen), nervte mich beim Lesen mit der Zeit gewaltig. Ich bin ein grosser Fan von Loriot oder von skurrilen und lustigen Charaktere à la Mister Bean. Dennoch müssen sich die jeweiligen Kapitel auch unterscheiden und irgendwann auch ein wenig Unerwartetes bieten. Dies vermag das Buch, von mir aus gesehen, leider nicht. Die Kapitel sind im Grunde genommen Wiederholungen, nach dem oben beschriebenen Muster. Das wurde für mich langweilig, öde und es war „alles schon mal da gewesen“. Ich hatte das Gefühl, immer wieder das Gleiche zu lesen, nur unter verschiedenen Umständen.

Wem Schilderungen des Umgangs eines Querulanten in klischeehaft geschriebenen Geschichtchen mag, wird das Buch sicherlich mögen. Mir war es zu durchschaubar und irgendwie wiederholte sich das Geschehen in jedem Kapitel aufs Neue.

Ein Mann namens Ove von Fredrik Backman, FISCHER Krüger Verlag (368 Seiten), Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

Eine Antwort

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