Blinder Feind von Jeffery Deaver

 

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"Ein rückwärts erzählter Thriller"

Thriller sind immer eine gute Sache, wenn sie auch gut geschrieben sind. Derzeit scheint es, als spriessen die Thriller Autoren wie Pilz aus dem Boden. Einige Pilze sind sehr gut im Geschmack und andere wiederum können dich töten. Schimmelpilze verursachen angeblich Krebs und andere Lungenkrankheiten. Und dann sind da die Ausnahmen; das sind Pilze, die eher selten sind, nicht nur schön anzusehen sind, sondern auch noch sehr gut schmecken.

Am Anfang (somit eigentlich am Ende der Geschichte) erfährt man, dass Gabrielas Tochter Sarah entführt wurde. Der Erpresser fordert eine hohe Lösegeldsumme und eine Liste, genannt „die Oktoberliste“. Die beiden Sachen muss Gabriela unter Zeitdruck dem Erpresser übergeben, damit ihre Tochter Sarah frei gelassen wird. Was es mit der mysteriösen Liste auf sich hat und warum sie ausgerechnet “Oktoberliste“ heisst, will bis zum Anfang (also Schluss) des Buches ein gehütetes Geheimnis bleiben. Wie Sarah entführt wurde, wird auch erst im Verlauf der Geschichte (gegen Schluss, also am Anfang der Geschichte) erörtert. Wer die Hintermänner und alle Beteiligten sind, erfährt man auch gegen Anfang der Geschichte (somit gegen den Schluss). Was zuerst wie eine durchschaubare „Entführungsgeschichte“ aussieht, entblösst mit fortwährender Lektüre die Macht, die Ausgangslage und Motive der Täter zu verstehen. So markieren der Anfang wie auch das Ende der Geschichte zwei wichtige Bestandteile dieses aussergewöhnlichen Thrillers.

Erst konnte ich mir nicht erklären, wie ein Autor sein Buch rückwärts schreiben will. Bevor ich das Buch gelesen hatte, malte ich mir aus, wie eine solche Geschichte angegangen werden müsste. Ich dachte, es wäre eine normal erzählte Geschichte, geschrieben, um am Schluss einfach rückwärts erzählt zu werden. Also einfach mal nur die Chronologie umdrehen. Vermutlich würde das nicht so einfach werden, das war mir bewusst. Wenn man Deavers Blinder Feind liest, fällt einem nach einigen rückwärts gelesenen Kapiteln auf, dass eine einfache Rückwärtsdrehung der Kapitel gar nicht funktionieren würde. Eine rückwärts erzählte Geschichte wirft andere Fragen auf, als eine vorwärts erzählte Geschichte. Jeffery Deaver hat es geschafft, die zu Beginn noch offenen Fragen mit Bravour zu beantworten. Und am Schluss (also am Anfang) bringt die Geschichte dann doch noch einige unerwartete Wendungen mit sich. Nur die Polizisten und deren Arbeit wirken meist ziemlich banal und zu einfach beschrieben. Auch wirkt die Geschichte anfangs ein bisschen fade und ohne Faden. Da hätte ich mir einen besser ausgesuchten Aufhänger gewünscht, vielleicht mit ein bisschen mehr Pepp. Dennoch sollten nur erfahrene Schriftsteller wie Deaver solche „Experimente“ wagen. Zu viele Überlegungen und Vorbereitungen müssen am Schluss sorgfältig zusammengefügt werden. Dies bedarf einer gewissen Schreiberfahrung.

Ein gut konzipiertes und gekonnt umgesetztes Experiment, das mit der Ahnungslosigkeit der Leser spielt. Ein Muss mit dem gewissen Etwas für alle Thriller Liebhaber.


Blinder Feind von Jeffery Deaver, Blanvalet Taschenbuch Verlag (384 Seiten), Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

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