Die Päpstin von Donna W. Cross

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Johanna, die erste Feministin der Welt.

Ich wurde römisch katholisch erzogen. An meine Taufe kann ich mich natürlich nicht erinnern, da ich damals noch ein Baby war, aber auf die erste Kommunion und meine Firmung freute ich mich damals besonders. Daran erinnere ich noch ganz gut. Nicht der Kirche wegen freute ich mich, sondern weil es an diesen zwei Tagen ein italienisches Fest mit den Verwandten gab (reichlich Essen im italienischen Restaurant) und viele Geldgeschenke meiner Tanten und Onkel. Der müssige Kirchengang war für mich eher ein misslungener Indoktrinierungsversuch. Weder die UNTI (Kirchenunterricht nach der Schule) noch die unsinnigen Predigten der Pfarrer konnten mich jemals überzeugen, dass es die Kirche braucht. Auch der in einen Umhang gehüllte Johannes Paul II, den ich vom Fernsehen her kannte und der über dreissig Sprachen beherrschte, war für mich noch lange kein Beweis, dass die zahlreichen Behauptungen der Kirche auch stimmten. Was mich auch heute noch ausserordentlich stört, ist, dass in der Kirche nur Männer das Sagen haben. Es gibt zwar Nonnen in Klöstern, aber Frauen sind in der katholischen Kirche immer die Unterdrückten.

Winter im Dorf Ingelheim im Jahre 814 nach Christus. Die heidnische Frau Hrotrud bringt die kleine Johanna auf die Welt. Diese wächst unter harten Bedingungen und strenger Bewachung des patriarchalischen und konservativen Vaters und Dorfpfarrers als „ungewolltes“ Mädchen auf. Für die junge Johanna scheint die „scuola della chiesa“ (Kirchenschule) der perfekte Ort zu sein, um ihren immensen Wissensdurst stillen zu können. Sie spricht und liest perfekt Latein (wurde heimlich von ihrem Bruder unterrichtet) und ist bestens vertraut mit biblischen Passagen. Der griechische Pädagoge Aeskulapius erkennt beim Besuch des Dorfes sofort die besondere Gabe Johannas und bittet, das Mädchen unterrichten zu dürfen. Doch Johannas Vater hält nichts davon, einem Mädchen irgendwelche Lehren, geschweige denn das Schreiben beizubringen. Dies wäre eine Sünde gegenüber Gott. Nur ein Mann dürfe diese Dinge lernen. Der Vater besteht darauf, dass sein Sohn Johannes besser geeignet wäre für die „scuola della chiesa“. Eines Tages flüchtet Johanna aus dem Dorf Ingelheim und schafft es gemeinsam mit ihrem Bruder Johannes bis zur „scoula della chiesa“, wo sie dann geschult wird. Als Johannas Bruder Johannes während eines Überfalls auf die Kirche im Kampf stirbt, nimmt die Schwester seine Persönlichkeit an und gibt sich fortan als ihren Bruder Johannes aus. Sie schneidet sich die Haare, bandagiert ihre Brüste und verdeckt ihren weiblichen Körper mit dem Mönchsgewand. So schafft sie es, mit ihrer besonderen Gabe schlussendlich bis zum Posten des Papstes. Doch in Rom stehen Intrige und Korruption an der Tagesordnung, so dass Johanna stets aufpassen muss, dass ihre wahre Identität nicht auffliegt.

Wer sich auf das Buch einlässt, lässt sich automatisch auf die Frage ein, ob die Gleichstellung der Frauen berechtigt ist. Selbstverständlich ist sie das, so finde ich. Auch Frauen sollten die Chance haben, ihre wahren Talente ausleben zu dürfen. Sei es als Künstlerinnen, CEOs oder „weiss ich nicht was“. Es gibt, wie bei den Männern, auch sehr gut geeignete Frauen für alle Posten auf der Welt. Und es gibt sie wirklich: die Frauen, die den Männern zeigen, „wie es geht“. Umgekehrt aber auch, das muss man fairerweise auch sagen. Dass zum Beispiel im Kanton Luzern Frauen immer noch teilweise als „Es“ bezeichnet werden, zeigt, dass das Thema Emanzipation der Frauen durchaus Stellenwert besitzt. Nicht zu vergessen ist das Lohnmissverhältnis, zum Beispiel in der Migros, wo die Männer immer noch Lohndominanz gegenüber Frauen innehalten. Das Buch Die Päpstin polarisiert selbstverständlich, da die Kirche angeblich versucht hat, die Existenz Johannas als weibliche Päpstin „auszulöschen“, indem sie damals im Nachhinein die Geschichtsbücher manipuliert haben. Donna W. Cross einziger Roman ist sehr gut geschrieben und macht Laune, immer weiterzulesen. Bis zum Schluss bleibt man am Buch hängen.

Die Geschichte Johannas als Päpstin im Mittelalter gehört einfach gelesen. Männer, die die Dominanz der Frauen scheuen, sollten sich andere Bücher kaufen oder einfach umdenken.

Die Päpstin von Donna W. Cross, Aufbau Verlag (585 Seiten), Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

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