Wurfschatten von Simone Lappert

 

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Als ich das Buchcover mit den Fischen das erste Mal erblickte, dachte ich, dass es sich dabei um ein tiefsinniges Buch handeln könnte und lieh es mir zu Beginn dieser Woche in der Bibliothek aus.

Jeder Mensch hat Ängste, doch die wenigsten befassen sich damit. Vielleicht aus Furcht, dass ein Untier aus dem Unterbewusstsein aufsteigen und alles zerstören könnte. So erlebe ich das kleine Völkchen Schweiz meistens bei der Arbeit, in der Freizeit und beim Einkaufen. Aber etwas ändert sich derzeit in Helvetien. Mein Arzt hat mir gebeichtet, dass jeder vierte Patient wegen Angstzuständen oder Burnout sich zu ihm in die Klinik zwingt. Ein Personalberater wiederum hat mir preisgegeben, dass er „Psycho-Problemchen“ überbewertet findet. Ein Personalberater einer grossen Schweizer Firma. Wie viele Schweizer Firmen heutzutage noch solchen unmenschlichen Führungsformen frönen, ist schwer abzuschätzen.

Ada wird in ihren jungen Jahren bereits von der Angst vor der Angst geplagt. Ihr Leben mit der Angst lässt es nicht zu, dass sie sich auf andere Menschen, geschweige denn auf echte Liebesbeziehungen zu Männern, einlässt. Zwar führt sie ab und zu ein „aktives“ Sexualleben und nimmt auch mal Männer mit nach Hause, aber an eine echte Liebesbeziehung ist nicht zu denken. Ada arbeitet als Schauspielerin. Mit der Bezahlung der Miete steht sie im Rückstand. Eines Tages taucht der Enkel des Vermieters auf; er ist ab jetzt ihr Wohngenosse. So könnten sie sich die Miete teilen. Unvorstellbar für Ada, dass sie nun einen Mitbewohner dulden muss. Sie wird so praktisch gezwungen, sich dem Leben und ihrer Angst zu stellen.

Ich kenne mich ein wenig mit Ängsten und Panikattacken aus. Das Buch ist im Grunde sehr gut geschrieben, keine Frage. Dennoch erfuhr ich zu wenig über Adas „Ängste“ und warum sie sich immer mehr in die Wohnung einkerkert. Worauf basiert nun ihre Angst? Wie sieht es mit einer Psychotherapie aus? Warum merkt niemand, dass sie medikamentös und psychologisch behandelt werden müsste? Genau solche Fragen werden in diesem Buch, das 2013 mit  dem Heinz-Weder-Preis für Lyrik ausgezeichnet wurde, nicht beantwortet. Wie schon in einer anderen Rezension erwähnt, frage ich mich immer wieder, wer solche Schweizer Preise überhaupt verleiht, und aufgrund welcher Kriterien. Ich will das Buch nicht schlecht machen, aber in einer Zeit, in der statistisch jeder/jede 5. SchweizerIn unter krankmachenden psychischen Ängsten leidet, will der besagte Preisverleiher nicht mehr darüber wissen? Aber vielleicht sagen sie sich ja “Schweigen ist Gold in der Schweiz“ und vergeben den Preis einfach nur, weil die Autorin Literarisches Schreiben in Biel studiert hat.

Ich habe erfolglos nach dem Kern der Geschichte im Buch gesucht. Geht es um die unerlebte Liebe zu den Mitmenschen, über die Verschlossenheit und Unfreundlichkeit Adas oder schlichtweg um die bitterböse Gesellschaft und deren Auswirkungen auf die psychische Gesundheit? Bei solch tiefgreifenden Themen erwarte ich einfach „mehr Fleisch am Knochen“.

Wurfschatten von Simone Lappert, Metrolit (207 Seiten), Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

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