Solo: 007 – Ein James-Bond-Roman von William Boyd


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„Mein Name ist Bond, James Bond.“ 

Bei diesem Satz kommen mir eine Menge gute Erinnerungen in den Sinn. Ich war um die 6 Jahre alt. Ich lebte damals bei meinen Eltern in einem Wohnblock im Kanton Zürich. Wir hatten gerade unseren ersten Farbfernseher der Marke Grundig bekommen, noch ohne Fernbedienung.  Meine ältere Schwester meinte, wir sollten unbedingt auf ARD schalten, es laufe ein Film über einen Agenten, der ganz clevere Sachen macht. Ich konnte mich dann auch davon überzeugen, wie Sean Connery ein Haar mit ein wenig Spucke an der Kante eines Schrankes klebte und dann seinen Aktenkoffer mit Pulver einschmierte. So in etwa wurde ich Fan von 007.

Die Alzheimer-Erkrankung von Sean Connery stimmt mich traurig. Ich wünsche einem meiner Lieblingsschauspieler alles Gute!

Selbstverständlich erwarte ich viel, wenn es darum geht, dass ein heutiger Schriftsteller sich an Kult-Werken, wie beispielsweise James Bond 007, macht. Von diversen Private Readers habe ich bereits erfahren, dass das Buch „Ruhelos“ von William Boyd gelungen sei. Da ich v.a. Fan der 007-Filme (bis auf die schreckliche Adaption von Marc Forster) bin, habe ich die Original-Bücher von Ian Fleming noch nicht gelesen. In der Bibliothek habe ich „Solo“ von William Boyd ausgeliehen und nun gelesen. „007 kehrt zurück.“, verspricht Boyd!

Die guten alten 60er Jahre. James Bond ist gerade 45 Jahre alt geworden. Alleine in seiner Wohnung hat er seinen Geburtstag mit Alkohol gefeiert. „M“ ruft nach dem Agenten 007 und schickt ihn in einer geheimen Mission nach Afrika. Dort wurden grosse Ölvorkommen entdeckt, was dazu führt, dass zwei verfeindete Volksstämme das Öl für sich beanspruchen. Dies wiederum führt unweigerlich zu Krieg. 007 soll diesen Konflikt beenden. Getarnt als Journalist macht sich Bond auf die Reise zur Gefahrenquelle. Bond soll sich im Alleingang (Solo) einen Weg zum Präsidenten des abgelegenen Stadtteils bahnen und diesen zur Aufgabe bewegen. Immer mehr gerät Bond in die Fänge von Intrigen und Affären mit diversen Frauen (was sonst?). Dabei trinkt er viel Alkohol.

Ist James Bond nun zurück, wie vom Buch versprochen? Nun, das ist wohl dem Geschmack des jeweiligen Lesers überlassen. Die Geschichte fängt relativ gut an, sagen wir mal. Sie lebt vom Bild, das man von 007-Filmen mit Sean Connery, Roger Moore, Timothy Dalton und Pierce Brosnan hat. Viel wird nicht erklärt, sofort steigt man in die Geschichte des Geheimagenten ein.

Selbstverständlich dachte ich beim Lesen auch oft an den zeitgenössisch angepassten Bond (gespielt von Daniel Craig). Die Frage lautet also: „Darf ein Schriftsteller eine Kultfigur nehmen und zu etwas eigenem machen?“ Ich meine damit, dass Boyd die literarische Wiedergeburt James Bonds für mich überhaupt nicht gelungen ist. Boyd beschreibt Bond als sexbesessenen Alkoholiker. Da sitzt Bond im Auto, neben ihm am Steuer eine weibliche Begleitung. Sie spannt beim Steuern ihre Armmuskeln an. Dabei verspürt Bond ein angenehmes Ziehen in seinen Lenden. Oder aber er sieht eine attraktive Frau und sofort weiss er, dass er sie haben will. Sex mit diversen Frauen machen dem 45-jährigen Alkoholiker also nichts aus. Als jedoch ein Typ eine Bemerkung über die Frau an Bonds Seite fallen lässt (dass sie im Bett sicherlich gut sei), verprügelt Bond diesen kurzerhand.

Die Geschichte ist eher eine „William Boyd-Adapation“ eines James Bond aus der einseitigen Sicht des Schriftstellers. Weder die Eleganz noch die Cleverness des Spezialagenten 007 kommen irgendwann zum Vorschein. Wie in Marc Forsters eigenbrötlerischen Filmfassung „Quantum of Solace“ aus dem Jahre 2008, so schreibt auch Boyd eine Geschichte, die eigentlich nur die Namen der Charaktere auf sich trägt. Würde man diese austauschen, würde man nichts von Ian Flemings James Bond mehr erkennen.

Die Frage lautet also nochmal: „Darf ein Schriftsteller eine Kultfigur nehmen und zu etwas eigenem machen?“

Ich sage: „Nein! Finger weg!“

Solo: 007 – Ein James-Bond-Roman von William Boyd, Berlin Verlag (368 Seiten), Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

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