Geheimer Ort von Tana French

Eine Rezension von Private Reader Cristoforo

 

4von5


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Die Autorin
Tana French ist die erfolgreichste junge Krimi-Autorin Irlands. Sie wurde in den USA geboren, wuchs in Irland, Italien und Malawi auf und lebt seit 1990 in Dublin. Nach einer Schauspielausbildung am Trinity College arbeitete sie für Theater, Film und Fernsehen. Ihr erstes Buch Grabesgrün: Kriminalroman (Der erste Fall) wurde mit dem Edgar Allan Poe Award für das beste Debüt ausgezeichnet, auch die folgenden Kriminalromane wurden sofort zu grossen internationalen Erfolgen. (Quelle: amazon.de)

Die Geschichte
St. Kilda ist ein Mädcheninternat in Irland. Christopher Harper wurde dort vor eineinhalb Jahren, mit einer Hacke im Schädel, tot aufgefunden. Der Verdacht, dass der Gärtner des Internats der Mörder des Jungen gewesen sein könnte, verflüchtigt sich rasch, als auf einem Anschlags-Brett des Internats eine Karte mit konkreten Hinweisen zum Mord auftaucht. Die Ermittler Antoinette Conway und Stephen Moran nehmen sich des Falles an und beginnen mit der Befragung der einzelnen Mädchen. Als während der Ermittlung ein Mädchen schreiend herbeigeeilt kommt und behauptet, sie habe den Geist des toten Christopher Harper gesehen, beginnen die Ermittlungen erst richtig Fahrt aufzunehmen.

Meine Meinung
Tana Frenchs Schreibweise ist ziemlich gewöhnungsbedürftig. Aus meiner Sicht offeriert der Krimi zwei unterschiedliche Schreibstile:

  • einerseits beschreibt French Textpassagen im gewohnten Thriller-Schreibstil à la Tess Gerritsen oder Stephen King.
  • Doch nach jeder Passage folgt eine philosophische, resp. poetische Ergänzung der Gedanken der einzelnen Charaktere. Zum Beispiel fügt French ganze Passagen ein, wie jeder Beteiligte eine Situation empfindet. Es geht um sinnliche Elemente, wie sich z.B. das Licht verändert oder wie eine Situation plötzlich nach Blut schmeckt.

    Sonne huschte mir übers Gesicht, als ich herumfuhr, und dann: na klar. Ich hätte die Augen wiedererkennen müssen. Gross, strahlend blau, der zarte, leicht katzenartige Schwung der Lider, ein blasses, schmucktragendes Mädchen in einem alten Gemälde, ein Geheimnis…

Am Anfang erschien mir die poetische Schreibweise ungewohnt und interessant zu sein. Sanft, weich und ungezwungen trug mich die Geschichte regelrecht auf Händen. Vor allem die Befragungen der Ermittler haben mich ans Buch gefesselt. Die poetischen Passagen jedoch begannen mich nach dem ersten Drittel des Buches zeitweise zu nerven. Was zudem die übersinnlichen Elemente in der Geschichte zu bedeuten haben, würde ich gerne von Tana French erfahren. Schliesslich scheinen diese nicht in Relation zur Kriminalgeschichte zu stehen. Ansonsten ein gelungenes Buch mit einer gut geschriebenen Kriminalgeschichte, jedoch ohne unerwartete Wendungen.

Fazit

Wer einen Krimi à la Tess Gerritsen erwartet, wird nur teilweise bedient. Das Buch lebt vor allem von der poetischen Schreibweise, die sich jedoch teilweise auch störend auf die Story auswirken kann. Schliesslich will man erfahren, wer der Mörder von Christopher Harper ist und nicht, wie der Ermittler die Lichtverhältnisse im Raum auf sich wirken lässt. Ich kann mir aber vorstellen, dass die Kombination Krimi/Poesie auch durchaus gefallen kann.

Geheimer Ort von Tana French, Fischer Scherz, 704 Seiten, Leseprobe

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