Der Anschlag von Stephen King

Eine Rezension von Private Reader Cristoforo

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Eines der ersten King Bücher, das ich gelesen habe, war „Amok“, das Stephen King im Jahre 1977 unter dem Pseudonym Richard Bachman veröffentlicht hat. In „Amok“ geht es darum, dass der Protagonist nach Jahren aus dem Koma erwacht und danach ein Attentat durchführen will. Ich dachte zuerst, dass es sich bei „Der Anschlag“ um das gleiche Thema handeln würde.

Hast Du Dich auch schon einmal gefragt, wie ein Mensch von heute (2015) im Jahr 1958 zurecht käme? Ohne Internet, Handys und Gurttragepflicht im Auto? Ich habe es mich schon viele Male gefragt. In „Der Anschlag“ wirst Du es erfahren.

Der Autor
Stephen Edwin King (* 21. September 1947 in Portland, Maine) ist ein US-amerikanischer Schriftsteller. Er schrieb auch unter Pseudonymen, 1972 als John Swithen und zwischen 1977 und 1985 als Richard Bachman. Er ist vor allem bekannt für seine Horror-Romane, die ihn zu einem der meistgelesenen und kommerziell erfolgreichsten Autoren der Gegenwart machen. Bis heute hat Stephen King als Autor über 400 Millionen Bücher verkauft, die in insgesamt 40 Sprachen übersetzt wurden. (Quelle: Wikipedia.de)

Die Geschichte
Der Lehrer Jake Epping ist eher ein ruhiger Mensch und führt ein geregeltes Leben in Derry, Maine im Jahres 2011. Eines Tages meldet sich Jakes todkranker Freund Al Templeton bei ihm und redet wirres und teilweise unverständliches Zeug. Jake würde alles verstehen, wenn er sehen würde, was Al ihm im Lagerraum seines Restaurants zeigen würde. Eine unsichtbare Tür, ein Tor in die Vergangenheit der USA, ist die Antwort! Al würde bald sterben, erklärt er Jake. Jake müsse ihm einen Gefallen tun: Jake müsste nur durch die unsichtbare Tür ins Jahr 1958 „schreiten“ und die amerikanische Geschichte umschreiben, indem er Kennedys Attentat verhindert und ihn vor dem Tode rettet. Doch dafür muss Jake mehrere Jahre (1958 – 1963) in der Vergangenheit leben. Erst dann ist ja das Attentat auf J.F. Kennedy geschehen. Was Jake nicht wissen kann, ist, dass er nicht alleine bleiben wird, im Derry der Vergangenheit. Der Kampf von Jake gegen die Vergangenheit wird zum regelrechten Krieg, denn die Vergangenheit scheint sich gegen alle Arten seiner Geschichtsveränderungsbemühungen zu wehren.

Meine Meinung
Jeder hat wohl einmal vom Attentat aus dem Jahr 1963 auf den damaligen amerikanischen Präsidenten J.F. Kennedy gehört oder gelesen. Unweigerlich stellt sich die Frage, wie die Weltgeschichte verlaufen wäre, wenn man das Attentat verhindert hätte und J.F. Kennedy noch leben würde. Es gibt viele Verschwörungstheorien und Lügen über das Attentat, die in die Welt gesetzt wurden. Die ganze Wahrheit über die USA und die Ermordung Kennedys wird wohl nie an die Öffentlichkeit gelangen.

Stephen King skizziert jedoch keine Theorien, Verschwörungen oder dergleichen. Kings „Der Anschlag“ basiert auf Tatsachen, die durch die Medien damals verbreitet wurden. Alle damaligen Charaktere wie Lee Harvey Oswald und seine Frau findet man auch in Kings Buch wieder. Jakes Zeitreise führt ihn ins Derry des Jahres 1958, als Es dort sein Unwesen treibt. Somit überschneidet sich Jakes Geschichte mit den Ereignissen aus „Es“, vor allem am Anfang des Buches, als Jake auf diverse Charaktere wie Beverly oder Richie aus „Es“ trifft. Das lockert die Geschichte ungemein auf und „Der Anschlag“ mausert sich als zur wunderbaren Parallelgeschichte nebst „Es“.

Im Grossen und Ganzen eine echt toll konstruierte Story. Bei den Zeitreisen bleiben viele Fragen bis zum Schluss offen. Aber ich denke, dass Zeitreisen ein dermassen komplexes Konstrukt schaffen würden, v.a. in Sachen Veränderung der Geschichte in der Vergangenheit im Bezug zur laufenden Gegenwart. Was wäre, wenn ich zurückreisen würde und mich als junger Knirps umbringen würde? Würde es mich überhaupt noch geben? Würde ich als Kind durch meine Hand sterben, wäre ich gar nicht erst erwachsen geworden. Dann würde es mich als Erwachsenen auch nicht geben. Aber dann könnte ich mich ja als Kind gar nicht umbringen. Dann würde ich als Kind doch noch erwachsen und könnte ja zurückreisen, um mich als Kind umzubringen. Diese Unklarheit nennt man im Fachjargon „Paradoxon“ und wird auch in Kings Romanen mehrmals behandelt. Auch kleinere Andeutungen an „Zurück in die Zukunft“ lockern die Geschichte gekonnt auf. Über den Schluss der Geschichte kann man sich wieder einmal streiten. Mir persönlich ist er zu kurz geraten und hätte weitere 50 bis 100 Seiten beinhalten können.

Fazit
Ein echter King, wie man es sich gewöhnt ist. Witzig, verstörend und beklemmend.

Der Anschlag von Stephen King, Heyne Verlag, 1072 Seiten, Leseprobe

Eine Antwort

  1. Pingback: Revival von Stephen King « The Private Readers

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