Schreiben als Therapie oder vom nicht geführten Tagebuch

Viel habe ich über das Schreiben als Therapie gelesen. Und tatsächlich soll z.B. das Führen eines Tagebuches uns helfen, unsere Gedanken zu sortieren und Gefühle ad acta zu legen bzw. sich von der Seele zu schreiben. Nun habe ich mir jedes Jahr ein Tagebuch gekauft. Bis ich mir eingestehen musste, dass es sich nicht lohnt jedes Jahr eines zu kaufen, weil einem das vom vorigen Jahr nicht mehr so gefällt. Vor allem, wenn man nie was reingeschrieben hat. So läuft das bei mir. Nun nachdem ich keine Tagebücher mehr kaufte, stieg ich auf „Agenda“ um. Genau. Auch das hat nichts gebracht. Ich weiss nicht wieso ich es einfach nicht fertig bringe, etwas zu schreiben.

Der aufmerksame Leser könnte jetzt einwenden: Du schreibst ja jetzt gerade eine Art Tagebuch, oder was soll denn dieser Blogeintrag anderes sein. Guter Einwand! Aber gilt das? Damit tu ich mich ehrlich gesagt schwer, ich akzeptiere das nicht als Tagebuch. Schliesslich schreibe ich hier nichts über mich als Privatperson, oder wenn, dann nur so, dass es für mich vertretbar ist.

Tagebuch

Tagebuch? Nö lass, mal, ich hab ne Keule!

 

Als ich ca 24 Jahre alt war, war das noch anders. Da hab ich mir alias Veritas den Seelenstrip auf einem anderen Bloganbieter geleistet. So schlimm war es nun auch wieder nicht. Besonders viele Kommentare gab es damals, wenn man das jetzt mal mit heute vergleicht. Vielleicht liegt es daran, dass man, wenn man sich als Person zurücknimmt, auch weniger greifbar ist für die Blogleser und so eigentlich gar nicht richtig eine Kontaktbasis aufbauen kann. Vielleicht liegt es am Alter, dass man irgendwann für sich beschliesst, dass es nun aber auch reicht mit der Show. Manchmal denke ich, wäre es jedoch auch wieder mal interessant, seine wirklichen Gedanken darzulegen. Es gäbe bestimmt interessantes Feedback. Aber dazu trau ich mich gar nicht mehr. Und wenn, dann nur als Fräulein Unbekannt.

Wie ist das so bei Euch? Wo zieht Ihr die Grenze beim Bloggen zwischen Euch als Privatperson und als öffentlicher Blogger? Was sind Eure Erfahrungen damit?

Virginia

  1. Hallo Virginia!
    Zu Deinem Tagebuch-Problem: ich finde, es hat damit zu tun, welchen Anspruch man an das Tagebuch hat. Wirft man sämtliche Gedanken an die Nachwelt, die das irgendwann mal liest, über Bord und nutzt das Tagebuch wirklich zum Sortieren des Lebens, dann funktioniert das schon (zumindest bei mir.)
    Verhältnis Privatperson-Blog: ich versuche immer so zu bloggen, dass zwar private Meinungen oder Gedanken, Begegnungen oder Beobachtungen in die Texte einfließen, aber nach Möglichkeit so, dass diese „Privatheiten“ irgendein Interesse für eine Allgemeinheit haben könnten.
    Ich finde auf alle Fälle die Frage sehr interessant – welches Interesse hat man daran, Privates offenzulegen? Wie sehr steckt man „privat“ in den Texten drin, die man schreibt? Wie weit kann man sich da überhaupt raushalten? Bin gespannt drauf, ob sich noch andere hier dazu äußern!

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    • hoi frintze
      danke für deinen kommentar. dein ansatz mit dem anspruch ans tagebuch ist ein guter hinweis. ich habe am schluss nur noch „bullet-points“ aufgelistet, weil ich mich ja an die ereignisse schon noch erinnern kann. das war praktisch. da musste ich nicht viel schreiben. ;)
      ich denke, der therapie effekt eines tagebuchs wird jedoch nur erreicht, wenn man wirklich was schreibt über seine gefühle. wenn evt auch nur kurz. manchmal kommt einem doch beim schreiben total viel in den sinn, was man übersehen hat oder was man so noch gar nicht überlegt hat. das finde ich immer sehr spannend und auch hilfreich. das alleine wäre es schon wert, mal wieder richtig tagebuch zu führen.
      ich denke auch dass sich das „exponieren“ in privater weise manchmal groteske züge annimmt. ich denke bei einigen facebook freunden ab und an auch mal schon, dass es zuviel des guten ist. aber der mensch ist eben doch ein narzisst und möchte beachtet werden….?

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