Buch-Rezension: Eine Tat wie diese von Amy Efaw

 

Die Natur des Menschen zeichnet sich mitunter dadurch aus, nicht nachvollziehbare Taten verstehen zu wollen. Manchmal gelingt es uns auch, etwas aus dem Blickwinkel eines Täters zu sehen, oft sehen wir aber leider nur die funkelnde Oberfläche, z.B. die von den Medien erzeugte Sensation. Dazu gesellt sich gern auch die mediale Propaganda, wenn z.B. ein Mensch aufgrund seiner moralisch verwerflichen Tat einen Spitznamen aufs Auge gedrückt bekommt, was den Täter zum „Ding“ degradiert, einem Monster, dem jegliche menschlichen Züge fehlen. Was ist aber, wenn ein junger Mensch eine Tat verübt, die u.a. auch gegen jedes Naturgesetz verstösst. Nämlich die Tötung des eigenen Kindes. In den Augen der meisten Menschen noch abartiger als die Tötung ihm fremder Personen. Die Verletzung der Intimität einer Mutter-Kind-Beziehung lässt uns erschaudern. Amy Efaw’s Versuch einer Erklärung der Beweggründe, die zu solch einer Tat führen können, ist ihr meiner Meinung nach gelungen.

Über die Autorin (via carlsen.de)
Amy Efaw, geboren 1967 in Chicago, ist Absolventin der West Point Militärakademie. Nach ihrer Zeit in der Armee arbeitete sie als freie Journalistin. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern in Denver, Colorado. Amy Efaw hat bisher zwei Romane für junge Erwachsene geschrieben, weitere Bücher werden folgen.

Die Geschichte
Devon ist 15 Jahre alt. Sie ist Musterschülerin und verantwortungsbewusst. In den Augen der Lehrer ein Vorbild für viele Jugendliche. Als sportlich ambitioniertes Mädchen strebt sie ihre Ziele im Leben an, in erster Linie eine Fussballkarriere. Als sich Devon in Untersuchungshaft wiederfindet, weiss sie nicht wie ihr geschieht. Warum ist sie hier? Es muss ein schreckliches Missverständnis gegeben haben. Sie ist nicht kriminell. Devon’s Albtraum hat begonnen. Die Anklage: Mordversuch, Misshandlung und Aussetzung. Devon wird zur Last gelegt, ihr Baby in einer Mülltonne hinter dem Haus „entsorgt“ zu haben. Devon’s Erklärung, sie habe nicht gewusst, dass sie schwanger gewesen sei und müsse deshalb im Affekt gehandelt haben, stösst bei ihren Mitmenschen auf komplettes Unverständnis, keiner will dieser Version Glauben schenken. Devon bleibt nur die ihr zur Seite gestellte Anwältin, die sich ihrer annimmt. Gemeinsam gehen sie auf Spurensuche nach der Wahrheit. Für den Leser ein Tauchgang in die menschliche Psyche und die Erkenntnis, dass wir alle unter gewissen Umständen gegebenenfalls zum Täter werden können.

…hier in die Leseprobe reinlesen!

Meine Meinung
Eine Tat wie diese ist ein Jugendbuch. Es richtet sich in erster Linie an Jugendliche, da auch die Geschichte aus Sicht des Mädchens Devon in der Ich-Perspektive erzählt wird. So macht es Efaw dem Leser einfach, sich an Devon’s Stelle zu versetzen und ihre Tat und Gefühle aus ihrem Blickwinkel zu erleben. Es ist der Autorin gelungen während der ganzen Geschichte einen feinfühligen, respektvollen Umgang mit der Figur der Täterin zu pflegen, der es wiederum dem Leser erlaubt, den Menschen hinter der Monstermaske zu erkennen. Was treibt ein blutjunges Mädchen dazu, ihr Baby mutmasslich zu ermorden, um es dann lieblos in einer Plastiktüte in die Mülltonne hinter dem Haus zu werfen. Amy Efaw versucht solche und andere Fragen zu beantworten. Ich finde, dies ist ihr gelungen.
Ein Minuspunkt drängt sich mir dennoch auf. Vielleicht liegt es an der Kultur, die wir hier pflegen oder auch nur am Rechtssystem. Natürlich läuft es in Amerika anders ab, hier ticken die Justizuhren einfach anders. Die etwas gar theatralischen Szenen im Gerichtssaal waren für meinen Geschmack ein klein wenig zu reisserisch und ich konnte teilweise nicht alle Gefühle der Protagonistin in diesen Momenten nachvollziehen.
Das Buch ist dafür zügig durchgelesen, da es sprachlich in erster Linie das Zielpublikum der Jugendlichen bedient. Es war aber auch für mich als erwachsene Person angenehm zu lesen. Der Spannungsbogen ist guter Durchschnitt und animiert den Leser, immer weiter voranschreiten zu wollen. Das Buch wird also recht schnell wieder zur Hand genommen.

Fazit
Eine Tat wie diese ist ein Jugendbuch, das aber auch von Erwachsenen, besonders im Hinblick auf die Thematik, gelesen werden kann und vielleicht auch sollte. Das Thema der Tötung des eigenen Kindes bei Jugendlichen ist aktueller denn je. Efaw gewährt uns Einblicke in die Psyche und rekonstruiert einleuchtend alle mit so einer Tat einhergehenden, aufkommenden Fragen nach den Hintergründen und Ursachen.

Eine Tat wie diese von Amy Efaw, erschienen bei Carlsen, 416 Seiten, Softcover, ISBN: 9783551310811, Leseprobe!

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