Buch-Rezension: Wir müssen über Kevin reden von Lionel Shriver

Diese Buch war schon mal in einer Votingliste unseres Leseclubs, wurde aber nicht gewählt. Dann habe ich von dem Film gehört, aber weder viel darüber gelesen noch einen Trailer gesehen. Den Tip und somit die Entscheidung das Buch zu lesen, kam erst vor ein paar Wochen von einem anderen Mitglied der Private Readers und gehört zu der Kategorie „ein Buch, welches ich in der Regel nicht gelesen hätte“.
Diese Rezension schreibe ich, weil mich die Geschichte seitdem nicht mehr losgelassen hat und auch ich immer wieder über Kevin reden muss.

Die Geschichte
Eine Frau schreibt Briefe an ihren verflossenen Ehemann Franklin, um ihre und die Geschichte ihres Sohnes aufzuarbeiten. Ihr gemeinsamer Sohn Kevin hat mit knapp 16 Jahren ein Schulmassaker begangen und 11 Personen auf brutalste Weise und mit Vorsatz umgebracht. Kevin wurde verurteilt und sitzt zu dem Zeitpunkt bereits im Gefängnis, wo ihn die Mutter regelmässig besucht. Er bereut seine Tat in keinster Weise. In den Briefen versucht die Frau zu rekonstruieren, wie es zu dieser Tat kommen konnte und ob sie selber eine Schuld mitträgt. Angefangen mit dem unsicheren Kinderwunsch ihrerseits, dem Gebären des Sohnes ohne grosse Freude zu empfinden, über die ersten Jahre, wo sie alles unternimmt, um zu empfinden, wie man empfinden muss, wenn man Mutter ist und sein Kind zu lieben hat. Sie schreibt über die unterschiedlichen Blickwinkel, mit denen beide Elternteile Kevin betrachten. Sie sieht in ihm von Anfang an ein Kind, welches berechnend, intelligent und böse ist. Franklin wiederum sieht den Jungen, der ist, wie ein Junge sein muss. Ein kleiner Rebell, verschlossen, rau, verspielt, frech. Dann wird die Frau nochmal schwanger und bekommt ein Mädchen, welches das Gegenteil von Kevin zu sein scheint. Liebenswert, rein, scheu und anhänglich. Schrittweise, in gemächlichem Tempo steuert man das Finale an, wobei man an unterschiedlichen Altersstufen Halt macht und die Entwicklung von Kevin beobachten kann. Das Ende kommt plötzlich und mit einer furchtbaren Wucht und damit ist nicht die Tat an sich gemeint.

Wir müssen über Kevin reden: hier gehts zur Leseprobe!


Meine Meinung

Es ist kaum in Worte zu fassen, wie mich dieses Buch Seite für Seite in seinen Bann gezogen hat. Beeindruckt von der Intelligenz der Erzählerin, die nach und nach schonungslos ehrlich ihre Gefühle offenbart und gesteht, dass sie ihren Sohn nicht wollte, nicht liebte. Das Buch hat mich teilweise verstört, traurig gemacht und ich litt mit der Familie und ihrem langsamen Zerfall. Der hilflosen Mutter und ihren Kampf mit Kevin mit zuzusehen, ist fast schmerzhaft. Ich finde es ein grossartiges Buch und auch die Idee, diese Geschichte durch Briefe lebendig werden zu lassen, ist gut gemacht. Die Gefühle der Mutter kommen dadurch besonders gut zur Geltung.

Fazit
Und es bleibt die Frage nach dem berühmten „Warum“? Dieses Buch ist eine gute Diskussionsgrundlage, um darüber zu sinnieren, ob Menschen „böse“ geboren werden und in wie weit das Umfeld und die Familie an so einer Tragödie die Schuld tragen. Das Buch beruht nicht auf einer wahren Begebenheit, was natürlich den ein oder anderen Abwinken lässt. Trotzdem: Die Gesellschaft zeigt uns fast täglich, dass so etwas möglich und denkbar ist. Unbedingt lesen!!

Wir müssen über Kevin reden von Lionel Shriver, erschienen bei Ullstein Taschenbuch, 560 Seiten, Taschenbuch, ISBN Code: 9783548282251, Leseprobe!

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