Buch-Rezension: Bella Italia von Raffaela Caccialepre

Buch-Rezension: Bella Italia von Raffaela Caccialepre

4 von 5!

Ich bin gebürtiger „Secondo“. Meine Eltern sind vor ca. 40 Jahren in die Schweiz migriert. Sie sollten damals für wenige Wochen hier arbeiten, um dann zurück in ihr „Bella Italia“ zu kehren. Doch aus wenigen Wochen wurden mehr als dreissig Jahre. Ich bin somit also in der Schweiz geboren und hier aufgewachsen, besuchte alle Schweizer Schulen und absolvierte auch meine Lehre in diesem Land. Wie es das Schicksal so wollte, sind meine Eltern vor ca. zehn Jahren in ihr Haus in Italien zurückgekehrt. Ohne mich, denn ich arbeite, liebe und lebe in der „Bella Schweiz“.

Über die Autorin (Auszug aus dem Buch)
Raffaela Caccialepre ist Exportfachfrau und Schriftstellerin aus Leidenschaft. Als Tochter eines Italieners und einer Schweizerin ist sie Doppelbürgerin, in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Italien war von Geburt an ihre zweite Heimat. Im Sommer 2002 erfüllte sie sich ihren Traum und wanderte mit 21 Jahren allein nach Italien aus. Allerdings musste sie, wie sie in ihrem Buch darstellt, auf die harte Tour lernen, dass der Traum viel schöner war als die Wirklichkeit. Daher brach sie nach zwei Jahren die Zelte im Vaterland ab und kehrte zurück in die Schweiz.

Die Geschichte
Voller Freude entschied sich Raffaela Caccialepre im Sommer 2002 in ihr zweites Heimatland „Italien“ auszuwandern. Schon als Kind war ihr bewusst, dass sie dies eines Tages tun würde. Bereits im italienischen Konsulat in Basel fing für Raffaela das „Abenteuer Italien“ an. Statt der gewohnt exakten und durchdacht schweizerischen Bürokratie traf sie dort auf die typisch chaotische und äusserst menschenunfreundliche Arbeitsweise (falls man das so nennen darf) der Italiener. Ein ganz kleiner Vorgeschmack auf das Leben in „Bella Italia“, wie sich später herausstellen wird.

Nach aufreibenden Stunden im Konsulat erfolgte der Umzug mit einem Leihbus, vollgepackt mit ihren Habseligkeiten, in das Haus ihres Vaters in Italien. Mit viel Tatendrang und Elan machte Raffaela sich daran, sich ein Leben in Italien aufzubauen. Sie stiess jedoch immer wieder an ihre persönlichen Grenzen, bzw. an die Grenzen des Verständnisses den Italienern gegenüber. Zum Beispiel als sie mit ihrem neu erworbenen Auto einen Unfall verursachte, indem sie schnurgerade eine enge Kreuzung durchfuhr und so mit einem heranrasenden Auto kollidierte. Durch den schweren Aufprall hatte Raffaela Nasenbluten und eine Gehirnerschütterung erlitten. So musste sie sofort ins Spital eingeliefert werden…. sollte man denken… doch Italien ist eben nicht die Schweiz. Die Polizei, die Ärzte und die Spitäler ticken einfach anders als in der Schweiz. Raffaela sollte erst nach vielen Tagen, resp. Wochen des Wartens und mehreren Besuchen beim Arzt, bei der Röntgenabteilung und bei der Apotheke, Linderung erhalten. Nachdem sich der Körper nämlich schon lange von selbst regeneriert hatte. Dies war aber lediglich eine Hürde in ihrem neuen Leben in „Bella Italia“. Auch sehr abenteuerlich war es, das Festnetztelefon aufschalten zu lassen, einen Job ohne Abzockerabsichten zu finden oder beispielsweise abends zu duschen und gleichzeitig die Waschmaschine laufen zu lassen. Und das Sahnehäubchen: mit einem Lohn von 500 Euro monatlich zu überleben. Ja, richtig gelesen: 500 Euro!

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Meine Meinung
Tja, für mich ist nach wie vor klar, dass eine Auswanderung nach Italien nicht in Frage kommt. Auch wenn es meine Eltern am liebsten sähen, wenn ich eine Lebenspartnerin in Italien finden würde (am besten noch im selben Dorf) und gleich ins unfertige Elternhaus einzöge, um sie einerseits in ihrem betagten Alter zu unterstützen, aber vor allem auch um dem Selbstbildnis den Verwandten gegenüber gerecht zu werden. Selbstverständlich würden wir dann das vierzig Jahre alte Steinhaus fertigstellen, wie es meine Cousine in Italien mit ihrem Mann erst kürzlich gemacht hat. Das macht man schliesslich so… im Stiefel-Land. Man hat schliesslich für die Familie da zu sein.

Das Buch hat mich zum Lachen und zum Weinen gebracht und dazu bewegt, über die wirklich schönen Dinge und das Leben in der Schweiz nachzudenken. Mir ist schon bewusst, dass die Schweizer kleinkariert wirken und wie „Tüpflischisser“, einstweilen oft auch langweilig. Aber ich bin ja schliesslich auch so (weil hier aufgewachsen) und alles andere kommt für mich nicht in Frage. Die Italiener wissen es gekonnt, das „dolce farniente“ (das süsse Nichtstun) zu geniessen. Leider machen sie das fast immer und manchmal habe ich den regen Verdacht, dass vieles vom italienischen „dolce farniente“ einfach getarnte Faulheit ist.

Was mir in Raffaela Caccialepres Geschichte ein klein wenig gefehlt hat, war ein wenig mehr über ihr persönliches Leben in Italien und in der Schweiz zu erfahren. Selbstverständlich war es sehr interessant und lehrreich über die durchgehend (im Vergleich zur Schweiz) negative, Italo-Bürokratie und Korruption zu erfahren. Dennoch hätte ich mir gewünscht, auch etwas über das Einkaufverhalten (Märkte auf der Piazza) oder den sozialen Umgang der Italiener zu erfahren. Ich kenne Italien ausschliesslich von den immer wiederkehrenden Sommerferien während meiner Kindheit. Meine Eltern reisten jedes Jahr nach Italien, um am eigenen Haus weiter zu werkeln. Es kann nun mal nicht alles schlecht sein in Italien. Die Italiener wissen es zu scherzen und das Leben zu geniessen. In der Schweiz ist dies eher nicht der Fall. Das milde italienische Klima ermöglicht ein Leben, das nach aussen gerichtet ist, während sich das Leben in der Schweiz eher drinnen abspielt. Vor allem während des kalten Schweizer Winters. Auch die italienische Küche lässt absolut keine Wünsche offen. Denn sie ist äusserst umfangreich (von Meeresfrüchten über Pizza zur Pasta) und die Italiener sind eher von grosszügiger Natur. Und die tollen italienischen Musiker und Künstler. Solche Details habe ich ein wenig vermisst im sonst interessanten Buch „Bella Italia“.

Fazit
Allen Secondos in der Schweiz dürfte das Buch die Augen öffnen. Vor allem jenen jungen Secondos oder Terzos mit getunten Fiats oder Alpha Romeos, mit an den Hinterscheiben aufgeklebten, italienischen Lieblingskantonen wie Apulien oder Sizilien. Jene, die vielleicht denken, dass das Leben in Italien nur „super-mega-wunderbar“ ist. Auch sollte eine Auswanderung nach Italien durchdacht sein, denn dort ist vieles anders. Ganz anders! Auch wer mal hinter die „Bella Italia“-Aussenistallesschön-Fassade schauen möchte, dürfte an Raffalea Caccialepres Buch grossen Gefallen finden. Es wird bei vielen Lesern für Aha-Erlebnisse sorgen, das ist sicher.

Bella Italia von Raffaela Caccialepre, erschienen bei novum pro,
180 Seiten, Softcover, Leseprobe!

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