{GELESEN} Hirngespenster von Ivonne Keller

ivonnek

Wer klar strukturierte Melodramen mag, wird hier nur teilweise verwöhnt. Für mich gestalteten vor allem der etwas unruhige Aufbau und die zahlreichen Beziehungserzählstränge die Story zu unruhig. Leser, die an Beziehungsproblemen (aus weiblicher Sicht) Interesse haben, könnten am Buch sicher Gefallen finden.

Während Silvie ein scheinbar erfolgreiches Leben führt (Erfolg im Beruf und in der Liebe), umso mehr Pech scheint ihre ältere Schwester Anna zu haben, denn sie liebt einen gewalttätigen Mann und ist medikamentenabhängig. Doch auch in Silvies Leben scheint die Sonne nicht für die Ewigkeit zu leuchten. Ihr Mann denkt immer an eine andere Frau, weswegen sich Silvie, trotz Ehemann und Kinder, auf eine Beziehung mit einem anderen Mann einlässt. Wie man aber am Anfang (also am Ende, denn die Geschichte wird rückblickend erzählt) erfährt, hatte Silvie einen Unfall und ist seitdem stumm und pflegebedürftig. Was zu Beginn wie eine gute Schwester schlechte Schwester Beziehung darstellt, entpuppt sich als äusserst verzwickte Bindung. Denn Verherrlichung, Selbstbetrug und auch Hass und Verrat haben das Leben der beiden Schwestern geprägt.

 

3 von 5

 


Hirngespenster hier probelesen

 

Tja, womit soll ich beginnen? Starten wir mal mit dem Ende (also dem Anfang):
Die Geschichte beginnt mit einem Unfall, der die Hauptfigur Silvie ausser Gefecht setzt. Sie wird pflegebedürftig. So weit so gut, dachte ich mir. Hörte sich nach einer interessanten Lektüre an und ging anfangs recht fluffig weiter, Kapitel für Kapitel. Ivonne Keller versteht es gut strukturierte Texte zu verfassen. Sie kann auch gekonnt Charaktere, ihre einzelnen Dramen und deren verzwickten Situationen schildern. Ja, das kann sie echt gut. Aber beim weiteren Lesen stellte ich einige Lücken im Plot fest. Die Erzählstränge ergänzen sich nicht immer tadellos, weswegen mir das Lesen einige Schwierigkeiten bereitete. Um näher darauf einzugehen: es werden zu oft zusammenhanglose Sprünge von einem Erzählstrang zum anderen vollführt. Als ob die Autorin zahlreiche Geschichtchen der einzelnen Charaktere vor sich liegen hatte, um diese dann puzzlemässig zu einem Roman zusammenzufügen.

Während die Schreibweise, wie bereits erwähnt, ganz klar strukturiert ist, so erscheint mir der Gesamtaufbau des Romans wie eine Fahrt auf vier Achterbahnen gleichzeitig. Für mich als männlichen Leser, waren die zahlreichen Beziehungen und Gedanken der weiblichen Charaktere zu sehr in die Länge gezogen. Hier hätte man etwas kürzen können und dafür den Plot besser ausarbeiten. Die etwas unerwartete Wendung am Schluss erschien mir etwas zu gesucht und gewollt eingesetzt. Aber versteh mich bitte nicht falsch. Wie bereits erwähnt, liegt das wahrscheinlich an meiner Herangehensweise als Mann. Ich kann mir gut vorstellen, dass vor allem weibliche Leserinnen dieses Buch echt gut finden könnten.

Hirngespenster von Ivonne Keller, Knaur Taschenbuch,  416 Seiten, Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

Virginia liest gerade

Wie soll und will ich leben? – Thoreau sucht eine Antwort auf diese Frage und zieht sich für zwei Jahre in eine selbstgebaute Blockhütte am Walden-See zurück. ›Walden oder Leben in den Wäldern‹ ist das Buch dieses Experiments. Thoreau zeigt darin, dass der Weg zu sich selbst bei den einfachen Dingen und einer gelasseneren Gangart beginnt. Kunstvoller Essay und erzählende Prosa in einem ist ›Walden‹ eine höchst vergnügliche Lektüre und ein veritables Handbuch des Glücks.” ~ Klappentext zu Walden: oder Leben in den Wäldern von H.D. Thoreau

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