Buch-Rezension: Vergeltung von Don Winslow

Eine Rezension von Private Reader Virginia

2 von 5 Sternen

Von diesem Roman erfuhr ich in der Januar Ausgabe der Sendung Druckfrisch mit Kritiker Denis Scheck auf ARD. Ich dachte, der Roman hört sich nach viel Spannung und Thrill an. Bekanntlich kann man sich vieles vorstellen, aber erst im Nachhinein ist man auch wirklich schlauer. Ich fordere nun auch Vergeltung…für das ausgegebene Geld! Und die vielen toten Bäume, die für diesen Roman zur Hardcover Herstellung herhalten mussten.

Der Autor (via amazon.de)
Don Winslow wurde 1953 in der Nacht zu Halloween in New York geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in der Kleinstadt Perryville auf Rhode Island. Seine Mutter, eine Bibliothekarin, und sein Vater, ehemaliger Offizier bei der Navy, bestärkten ihn schon früh in dem Wunsch, eines Tages Schriftsteller zu werden, vor allem die Geschichten, die sein Vater von der Marine zu erzählen hatte, beflügelten die Fantasie des Autors.

Das Sujet des Drogenhandels und der Mafia, das in vielen von Don Winslows Romanen eine Rolle spielt, lässt sich ebenso mit seinen Kindheitserfahrungen erklären: Seine Großmutter arbeitete Ende der 60er für den berüchtigten Mafiaboss Carlos Marcello, der den späteren Autor mehrere Male in sein Haus in Algiers (New Orleans) einlud.

Nach seinem Schulabschluss kehrte Don Winslow in seine Geburtsstadt New York zurück. Bevor er mit dem Schreiben begann, verdiente er sein Geld unter anderem als Kinobetreiber, als Fremdenführer auf afrikanischen Safaris und chinesischen Teerouten, als Unternehmensberater und immer wieder als Privatdetektiv.

Sein erstes Buch A Cool Breeze on the Underground, das den Auftakt zu einer Serie um den Detektiv Neil Carey darstellt, erschien 1991 und wurde prompt für den Edgar nominiert. Sechs Jahre später erzielte Don Winslow mit The Death and Life of Bobby Z den literarischen Durchbruch, gewann zwei Jahre später für California Fire and Life den renommierten Shamus Award und gehört seitdem zu einem der populärsten amerikanischen Krimiautoren. Für seinen Thriller Tage der Toten (The Power of the Dog) recherchierte und schrieb Don Winslow sechs Jahre, fuhr nach Mexiko und führte Interviews mit Opfern und Tätern des Drogenkriegs.

Don Winslow wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Deutschen Krimi Preis (International) 2011 für Tage der Toten. Für die New York Times zählt Don Winslow zu einem der ganz Großen amerikanischen Krimi-Autoren.

Inhalt (Klappentext)
Dave Collins ist Elite-Soldat. Seine Familie stirbt bei einem Anschlag. Seine Regierung unternimmt nichts. ZEIT FÜR VERGELTUNG.

Dave Collins ist ein hochdekorierter Ex-Soldat und Sicherheitschef des JFK-Flughafens. Als Terroristen ein Flugzeug über New York zum Absturz bringen, sterben seine Frau und sein Sohn. Dave Collins fordert Vergeltung, doch die US-Regierung handelt nicht. Also nimmt er die Sache selbst in die Hand. Er stellt eine internationale Söldnertruppe zusammen. Die Besten der Besten. Mit ihnen macht er weltweit Jagd auf die Verantwortlichen des Attentats. Doch nicht nur die Terroristen leisten Widerstand. Auch die US-Regierung unternimmt alles, um Dave aufzuhalten.

Währenddessen plant Aziz, der Kopf der Terrorgruppe, einen neuen Anschlag. Er soll alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen. Noch fehlen ihm die Mittel, doch er ist auf dem besten Weg, sie zu bekommen. Wenn Dave und seine Truppe versagen, droht den USA das absolute Inferno.

Meine Meinung
Mit grossen Erwartungen nahm ich diesen Terroristen Roman in Angriff. Geblendet wurde ich dann nicht nur von den zahlreichen Bomben, die im Roman Schlag auf Schlag detonieren, sondern auch von dem Prädikat “Bestseller” und der ARD Empfehlung. Es mag ja sein, dass Winslows Roman “Tage der Toten” ausgezeichnet wurde, aber das macht für mich noch nicht automatisch aus jedem Nachfolgeroman einen neuen wirklich guten Bestseller.

Ich war wirklich enttäuscht. Vielleicht ist “Vergeltung” ein richtiges Männerbuch. Auf alle Fälle fand ich die Aneinanderreihung von endlosen Waffenbeschreibungen und deren Detonations- und Distanzverhalten einfach nur langweilig und zeitraubend. Auch schaffte es Winslow nicht, dass ich mir die Handlung bildlich gut vorstellen konnte, besonders die Kampfszenen waren sehr wirr.

Auch die Haupthandlung, die Vergeltung des Protagonisten an den Mördern seiner Familie, ist sehr pathetisch angelegt. Ein bisschen erinnert mich Don Winslows Schreibstil an Roland Emmerich Filme. Viel Geballer, grosse Worte und vor allem die obligate Überdosis an amerikanischem Patriotismus.

Wenn man jedoch gern actiongeladene Romane ohne grossen Tiefgang liest, ist man bei Winslow’s Vergeltung goldrichtig. Der Roman liest sich an und für sich ziemlich flüssig. Nicht zuviel erwarten darf man jedoch hingegen von den Charakterbeschreibungen. Für mich war ein Protagonist wie der andere, ziemlich flach und belanglos charakterisiert. Schade. Meine Erwartungen wurden leider nicht erfüllt.

Fazit
Vergeltung lesen ist so ein bisschen wie Roland Emmerich Actionfilme gucken. Der Roman bleibt sehr oberflächlich, leidet an Charaktertiefe und ist aus meiner Sicht vor allem eines: eine blosse Anhäufung von Waffenbeschreibungen. Vielleicht sehr interessant wenn man in Militärkreisen verkehrt oder ein Faible für Waffen hat und weiss, wovon Winslow schreibt. Wäre ich bei der NRA wäre ich wohl ziemlich geil auf diesen Roman.

Vergeltung von Don Winslow
492 Seiten
Taschenbuch (aber auch für kindle)
Leseprobe

Hörbuch-Rezension: Die Analphabetin, die rechnen konnte von Jonas Jonasson

Eine Rezension von Private Reader Virginia

3 von 5 Sternen

Nachdem ich schon Jonasson’s Debütroman gelesen und für sehr gut befunden hatte, wollte ich unbedingt auch noch sein Folgewerk lesen bzw. dieses Mal aus Bequemlichkeitsgründen hören. Gesagt getan!

Der Autor
Jonas Jonasson eroberte mit “Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand” die Bestseller Liste im Sturm im 2009.
Jonasson arbeitete nach seinem Studium in Göteborg als Journalist für die Zeitungen Smålandsposten und Expressen und als selbstständiger Medien-Berater. Nach 20 Jahren Medientätigkeit zog Jonasson von Schweden ins Tessin an den Luganersee, seit Herbst 2011 lebt er mit seinem Sohn wieder in Schweden. (via Wikipedia.de)

Die Geschichte
Die aberwitzige Geschichte der jungen Afrikanerin Nombeko, die zwar nicht lesen kann, aber ein Rechengenie ist, fast zufällig bei der Konstruktion nuklearer Sprengköpfe mithilft und nebenbei Verhandlungen mit den Mächtigen der Welt führt. Nach einem besonders brisanten Geschäft setzt sie sich nach Schweden ab, wo ihr die große Liebe begegnet. Das bringt nicht nur ihr eigenes Leben, sondern gleich die gesamte Weltpolitik durcheinander. (Auszug Klappentext)

Meine Meinung
Man mag es mir nachsehen, aber für 5 Sterne reichte es dieses Mal leider nicht in meinen Augen. Zwar vermag vermag Jonasson auch dieses Mal Weltgeschichte auf spannende Weise und mit dem ihn auszeichnenden Humor zu vermitteln. Und dennoch erschien mir das Hörbuch stellenweise wahnsinnig langatmig und vor lauter politischen Aufzählungen, fiel es mir ab und zu schwer am Ball zu bleiben. Oft ertappte ich mich dabei wie ich meinen eigenen Gedanken nachhing, statt aktiv zuzuhören. Einfach weil es mir zu langweilig wurde und zu kompliziert noch dazu.
Ich kann mir vorstellen, dass in diesem Falle das Buch zu lesen besser gewesen wäre, man ist konzentrierter bei der Sache, lässt sich nicht so leicht ablenken.
Alles in allem erzählt uns Jonasson eine ähnlich gestrickte Geschichte, vermag aber nicht auf dem Niveau zu unterhalten wie sein Vorgänger “Der Hundertjährige der aus dem Fenster stieg und verschwand”.
Ich denke der Roman profitiert vor allem vom grossen Erfolg des “Hundertjährigen”. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich das Hörbuch ganz ehrlich nicht gekauft. Etwas tröstend ist der Umstand, dass Frau Thalbach mit ihrer unverwechselbaren Stimme dem Hörbuch doch noch Leben einhaucht.

Fazit
Wer “Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand” noch NICHT gelesen hat, sollte dies tun. “Die Analphabetin die rechnen konnte” kann man hören, muss man aber nicht. Jonasson vermag zwar mit Humor wieder einmal mehr Geschichte lebendig zu machen, vermag aber nicht unbedingt immer zu fesseln.

Die Analphabetin die rechnen konnte von Jonas Jonasson, Der Hörverlag, 6 CDs mit 7 Stunden und 50 Minuten Laufzeit, Hörprobe!

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