Ein Appell an alle deutschsprachigen Verlage: Gebt uns, wonach wir dürsten!

Wir lieben Bücher in jeglichen Formen, besonders dann, wenn sie sehr auffällig sind. Warum? Weil sie uns einfach noch mehr anmachen, als die hundskomunen (Schweizer Ausdruck), langweiligen, handelsüblichen Covergestaltungen hierzulande an Vielfalt hergeben.

Wir warten auf diese Art von Bücher und hoffen, dass sich die Verlage nicht immer so bierernst nehmen oder sich zu fein sind für eine andere Art von Ausgaben, die nämlich unser Herz höher schlagen lassen. Hier kaufen wir schon rein wegen der Optik!

warum nicht?

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hier juckts schon in den Fingern, wo ist der Bestellbutton?

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{GELESEN & BUCHTIPP} Frau Kassel will Wunder von Ulrike Schwieren-Höger

Ulrike

Wer einmal ein etwas unkonventionelleres Drama lesen möchte, ist bei Ulrike Schwieren-Höger und ihrer Frau Kassel goldrichtig. Beim Schreibstil der Autorin können sich viele andere Schriftsteller ein Stück abschneiden. Mein ganz persönlicher Buch-Tipp für diesen Sommer!

Für die Rezensionsanfrage von Ulrike Schwieren-Höger bei Private Readers und die Zusendung des E-Books möchten wir uns nochmals an dieser Stelle sehr herzlich bedanken.

Ich habe vor nicht allzu langer Zeit eine einstündige Sendung über die Esoterik-Messe in Olten gesehen. Die Messe ist ein Sammelplatz für Esoteriker oder Menschen, die auf Wundermethoden hoffen. Man kann sich denken, dass die Aussteller keine wirklichen Antworten auf logische Fragen haben. So war es dann auch nicht verwunderlich, dass die Aussteller bei einem sachlichen Interview mit dem Reporter in Bedrängnis gerieten, denn mit der Logik war schnell Schluss. Eine russische Geistheilerin stach jedoch wie einen Dorn direkt ins Auge des Zuschauers. Die untersetzte, dickliche, ca. 60 Jahre alte Russin behauptete in grantigem Deutsch (mit starkem russischen Akzent), bei einer kranken Frau die Nierensteine mit den blossen Händen entfernen zu können (ohne Schnitte oder OP). Das dubiose Ritual wurde dann gleich in der TV-Sendung gezeigt. Zu sehen war die kranke Frau, die sich unter Schmerzen auf einer Krankenliege am Stand der russischen Heilerin legte. Die Russin fing auch sofort mit showmagiermässigen Theatralik anzudeuten, die Nierensteine mit ihren blossen Händen durch die Haut hindurch (wie durch ein Wunder) zu entfernen. Plötzlich floss auch tatsächlich Blut und einige Fleischbündel an den Händen der kleinen Frau erschienen aus dem Nichts. Sie habe soeben die Nierensteine entfernt. Selbstverständlich hat die Russin dort nichts anderes getan als zu schauspielern, denn das Blut stammte vermutlich von einem Schwein von einem Dorfmetzger. Wie die meisten Esoteriker wich auch die angebliche Wunderheilerin den Fragen des Reporters aus oder beantwortete diese ganz einfach nicht. Man kann sich ausdenken, was passiert, wenn sich kranke Menschen ausschliesslich auf solche Scharlatane stützen.

Rechtsanwältin Charlotte Kassel will ein Wunder. Sie ist krank und findet sich eines Tages in einer Klinik wieder. Ihre Bettnachbarin strahlt auch nicht wirklich vor Lebensfreude, muss sich Frau Kassel doch Sprüche wie  „…jetzt bin ich wieder im Bunker…“ anhören, was auch nicht gerade zu einer positiveren Stimmung der Situation beiträgt. Verzweifelt sucht Charlotte nach einem Wunder. Jenseits der westlich anerkannten Medizin sucht sie nach Heilung für ihre Krankheit im Gefilde der Alternativmedizin und auch in esoterischen Rituale. Der Satz eines Heilgurus macht ihr besonders zu schaffen: „…ihre Krankheit basiere auf einem Schock…“. Doch es bleibt nicht nur bei dieser einen Weisheit.  Frau Kassel sucht ihr Glück auch in der Hellsichtigkeit, in Ritualen der Spontanheilung und erhofft sich auch Hilfe von Affirmationen. Sogar ihre Ernährung müsse komplett umgestellt werden. Sie dürfe ab sofort nur noch Beeren essen. Und jeden Tag in Brennesseln baden. Dies fördere die Entgiftung des Körpers und somit die Gesundheit des Geistes. Und tatsächlich verschaffen die zahlreichen Rituale Charlotte Erleichterung und geben ihr ein gutes Gefühl. Doch wie steht es mit ihrer Gesundheit? Kann ein esoterisches Wunder Charlotte wirklich helfen?

 

5 von 5


unbedingt probelesen!

 

Zuerst einmal: ich glaube an die Kraft der Gedanken. Jedoch nicht im esoterischen Sinne. Viel mehr bin ich der Meinung, dass man sich selbst nur dann näher kommen kann, wenn man aktiv an sich selber arbeitet. Ungeschönt, direkt und vor allem einsichtig. Die Art von Arbeit, die ich andeute, hat sehr wenig mit positivem Denken, einem Glauben an eine höhere Macht oder dem Vertrauen in eine unbekannte Allmacht im Universum zu tun. Vielmehr geht es darum, die eigene Persönlichkeit soweit auszubauen, dass man gut mit sich selber auskommt. Nichts weiter!

Als ich das E-Book erhalten hatte, wollte gleich mal reinschnuppern. So habe ich es vorab erst einmal auf dem PC geöffnet. Ich wollte nur kurz etwas reinlesen, um es später auf meinen Kindle zu laden. Doch das Kopieren auf den Kindle konnte ich mir sparen, denn ich blieb gleich am PC hängen und habe das Buch in einem Rutsch verschlungen. Und DAS passiert mir eigentlich eher selten.

Nun versuche ich in Worte zu fassen, was dieser Roman zur besonderen Lektüre macht. Der Schreibstil wirkt nie gekünstelt oder gewollt. Vielmehr liest sich der Text wie eine Welle im Ozean, die immer wieder durch eine andere Welle sanft und weich abgelöst wird. Weit und breit scheint es für die Wellen keine Grenzen zu geben, so dass sich diese würdevoll ausleben können. Die Geschichte folgt so ihrer eigenen Dynamik. Das Wechselspiel zwischen Geschehnissen und Dialogen ist gelungen und in einer sehr guten Balance.

Der Einstieg in den Roman erfolgt gleich mit dem Aufenthalt der Protagonistin in der Klinik und lädt den Leser so von Anfang an ein, dabei zu sein und tief in Frau Kassels Welt einzutauchen. Ich konnte beim Lesen den Hall in den Gängen der Klinik und den medizinischen Geruch regelrecht hören und riechen. Beim Lesen der zahlreichen Abfolgen des esoterischen Nonsens, den die Hauptfigur auf der Suche nach Heilung für ihre Krankheit erfährt, musste ich mir oft an den Kopf fassen. Ich erinnerte mich, wie ich vor ein paar Jahren viele Bücher aus dem Lebenshilferegal (auch esoterischen Nonsens) gelesen habe. Während ich damals dachte, alle Lösungen meiner Probleme in solchen Büchern finden zu können, so bin ich wenigstens diesbezüglich heute etwas klüger geworden.

Meine persönlichen Höhepunkte in Frau Kassel will Wunder fand ich in Sätzen wie „…es kommt nicht darauf an, was man erlebt hat, sondern wie stark man dabei empfunden hat…“. Oder dass man mit blossem Denken den Geist heilen könne. Beim Lesen der Geschichte erfährt man automatisch auch sehr viel über das Leben der Charlotte Kassel und die Motive für ihr Handeln. Lediglich mit der Kürze (204 Seiten) des Buches kann ich mich nicht wirklich versöhnen. Ja, ich wollte noch mehr davon… viel mehr.

Frau Kassel will Wunder von Ulrike Schwieren-Höger, Hergarten-Media GmbH, 204 Seiten, Leseprobe, rezensiert von Cristoforo

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